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Swiss-Life-Hall

Revolverheld: Cool ohne Kabel in Hannover

Revolverheld unplugged - die Formatradio-Band haucht dem verbrauchten Format in Hannover neues Leben ein. Fast 5000 Fans sind begeistert.

Hannover. Man könnte ja gemein sein, darauf hinweisen, dass Revolverheld nun erwiesenermaßen der personifizierte Stillstand sind. Gerade mal fünf Songs sind gespielt, da rührt sich in der ausverkauften Swiss-Life-Hall niemand mehr. Stillgestanden! Für eine „Mannequin Challenge“: Eine bestens aufgelegte Band und 4700 Zuschauer bedienen den neuesten Internet-Hype und erstarren zu Salzsäulen.

Wie gesagt: Man könnte gemein sein. Sollte man aber nicht. Denn es ist ein grandioser Effekt, den die Hamburger damit erzielen. Außerdem ist die Devise sowieso eine andere: „Immer in Bewegung“.

Revolverheld sind auf „MTV Unplugged“-Tour. Sie haben dem zuletzt etwas inflationärem (und seit Volksrocker Andreas Gabaliers Teilnahme auch entwertetem) Format Leben eingehaucht. Ihre Unplugged-Show ist eine Großstadtsinfonie in drei Akten: Von der heimeligen Kneipe geht es raus in die Welt und schließlich ans Meer, den Sehnsuchtsort.

Ihr Konzert beginnen sie – zum Entsetzen jener, die sich nach vorne in die erste Reihe gedrängelt haben – auf einer Nebenbühne im Zuschauerraum. Zu Fuß sind sie dorthin gelaufen, durch die Halle hindurch, und spielen los, „Bands deiner Jugend“, sie sind selber eine. Man ist nicht mehr jung, man ist noch nicht alt, man blickt gerne zurück und auch nach vorne. Was auf Platten oft so ernsthaft deutsch klingt, wirkt hier nur authentisch. Wie auch die ständigen Frotzeleien zwischen Sänger Johannes Strate und seinen Jungs, über erste Male mit Justin Bieber, beide HSVs und das Würstchen-Trauma von Reinbek.

Ein veritabler Hitkatalog wird da geliefert, aufgepimpt mit origineller Instrumentierung von Schreibmaschine bis Glockenspiel: „Darf ich bitten“ treibt mächtig. Unterstützung kommt von Mr. President, Delroy Rennalls. Support Julian LePlay und Henning Wehland, Sohn Mannheims, schauen auch noch vorbei. „(Scheiß auf) Freunde bleiben“, mit dem sie 2006 so schön rotzig auf der Bildfläche erschienen, spielen sie natürlich als allerletzte Zugabe, zuvor „Ich will die Welt verändern“, womit sie 2007 zu weiteren Vertretern des neuen deutschen Hymnenpops wurden.

Und natürlich der Ratgeber für alle romantisch Minderbemittelten am Ende des regulären Sets: „Ich lass für dich das Licht an“ – ja, womöglich wäscht sich Strate auch die Füße für die Liebste, dieser Postillon d’Amour. Und was passiert? Alle machen für die Band das Licht an, ihre Handys, diese Feuerzeuge der Neuzeit, und singen die erste Strophe ganz alleine und wie aus der Pistole geschossen: „Ich schaue mir Bands an, die ich nicht mag“. Sind auch etliche männliche Begleiter im Publikum – es wirkt offenbar. Und es lohnt sich, wenn man sich darauf einlässt. Und immer in Bewegung bleibt. Das kann uns keiner nehmen. Lass uns gehen, lass uns gehen, lass uns gehen.

Von Stefan Gohlisch


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