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ERNSTHAFTES BALLETT: Auch die klassischen Tänze sind überragend gut.© Jan Philipp Eberstein

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Tanz

Rasant: Ballet Revolución in der Staatsoper

Dieser tropische Cocktail ist schon gut gemixt. Salsa, Mambo mit ganz viel Streetdance, klassischem Ballett und einem ordentlichen Schuss Erotik: Das „Ballet Revolución“ gastiert für zwölf Tage in der Staatsoper - und erwartet gut 12 000 Besucher. In der ausverkauften Premiere zeigten die Kubaner, wie viel Spaß Tanz machen kann. Perfekter, durchtrainierter Tanz, schön in Szene gesetzt.

Hannover. Überfordert wird hier niemand, das Ganze ist eine andauernde, wellenförmige Explosion der Bewegung, Hip-Hop ist dabei, Akrobatik (mit Zwischenapplaus), traditionelle kubanische Klänge, wildes Getrommel - und alles zu den treibenden Klängen von Pitbull, Ricky Martin, Usher, Beyoncé und David Guetta. Da wird eine Energie auf der Bühne produziert, dass man damit einen Stadtbahnwagen antreiben könnte.

Und das reicht vollends für einen höchst unterhaltenden Abend. Eine Geschichte braucht diese rasante Revue nicht, hier wird einfach die Freude am Tanz zelebriert. Glitzernde Bühnenkostüme und schweißglänzende Haut schon gleich am Anfang, wenn es mit Hozier heißt: „Take me to the Church“. Diese Kirche hier predigt pure Lebensfreude, die Kraft und die Herrlichkeit schöner Körper. Die dank der konzentrierten und nicht übertourten Light-Show auch mit wunderbarem Schattenspiel ansprechend in Szene gesetzt werden.

Bühnenbild? Braucht man hier nicht, höchstens mal eine Bank oder zwei Stühle, damit ausreichend Platz für Bewegung ist. Und wer denkt, dass es im ersten Teil schon genügend Energie gab, sollte sich vor dem Set nach der Pause in Acht nehmen, da wird es noch einige Grad heißer.

Eine Revolution wirbelt die Verhältnisse durcheinander und reißt Schranken ein. Hier zwischen Mambo, Pas de deux und Hip-Hop, zwischen klassischem Ballett und ganz heutigen Tänzen. Und die Sachen mit dem klassischen Ballett sind hier durchaus ernst gemeint. Und überragend gut gemacht.

Das liegt an der Geschichte, wenn man überlegt, dass Kuba als eine Art DDR mit Bananen zum sozialistischen Weltsystem gehörte und den Drill seiner Tänzer von der Sowjetunion übernommen hatte, vom großen Bolschoi. Und das ist bei dieser Produktion zu spüren bei den atemberaubenden Sprüngen der Männer und den super ausbalancierten Arabesken der Frauen.

Es macht Spaß, wenn solch fein ziselierte Tanzartistik zu „Bang Bang“ von Nicki Minaj oder „We Found Love“ von Rihanna zu sehen ist, wenn die zarte Ballerina ihre Pirouetten durch eine Meute von muskulösen Streetdancern dreht. Und das macht auch den Erfolg dieser Produktion aus, dass sie eben vielen etwas und das auf höchstem Niveau bietet.

Auch musikalisch, die Band ist schon klasse mit ihrer treibenden Rhythmus-Sektion, den harten Basslinien und dem lässigen Salsa-Feeling. Eine Band, die es auch überraschend zart kann bei „Roxanne“ von Police.

Mental hatte das Publikum einige „Cuba libre“ intus - so wie hier die Truppe der Ballettrevolutionäre abgefeiert wurde. Am Ende gab es stehende Ovationen für Tänzer und Band, die in der Schlusskurve noch einige artistische Kirschen auf den Cocktail legten.

Bewertung 5/5

INFO

Bis 10. Juli in der Oper, heute ab 18.30 Uhr, morgen und Sonntag ab 13 und 18 Uhr, Dienstag ab 20 Uhr, Mittwoch, Donnerstag ab 18.30 Uhr, Freitag (8. Juli) ab 20 Uhr, Sonnabend (9. Juli) 15 und 20 Uhr, Sonntag (10. Juli) ab 14 Uhr. Tickets kosten 35,15 bis 73,65 Euro. Die NP-Ticket-Shops gewähren heute noch einen Abo-Plus-Rabatt (25 Prozent) auf bis zu zwei Karten. tickets.neuepresse.de


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