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Trauer

Raner hat san Siggi verloren

Jochen  Krause (61) ist tot. Und damit ist auch Siggi gegangen und Raner ist allein und traurig. Mit der NP sprach Marrtin Jürgensmann alias "Raner" über seinen Partner und Freund Jochen Krause.

KULT: Jochen Krause (links) und Martin Jürgensmann als Siggi und Raner.

Mit Jochen Krause haben Sie Ihre Fans lange unterhalten. Wie und wann fing das an?

Ich habe 1992 als Redaktionsassistent bei Radio ffn angefangen, habe Verkehrsnachrichten abgetippt und sie dem Moderator reingegeben. An einem Tag war das Jochen. Als nicht viel zu tun war, ging ich in ein anderes Studio. Ich wollte mal meine Stimme ausprobieren. Und ich wollte dabei wie ein Hannoveraner sprechen. Jochen konnte mich aus seinem Studio abhören. Plötzlich stand er in der Tür, sagte ‚Du sprichst ja wie ein Hannoveraner. Das machen wir gefälligst zusammen.’“

Klingt nicht so nett ...

Mein erstes Gefühl war, dass er mich etwas schroff anging. Ich fand es trotzdem gut. Da wär ich ja schön blöd, wenn ich so ein Angebot nicht angenommen hätte!

Und wie ging das weiter?

Am nächsten Tag gab es ein erstes Treffen. Wir haben unsere Ideen aufgeschrieben, rumhannöverscht. Wir sprachen viel über Musik, etwa über Fiel Kohlins – also Phil Collins. Unser Chef hörte sich das an, sagte nur: ‚Ihr seid so krank, wir senden das.’ Der Anfang von Siggi und Raner.

Er hat Sie also entdeckt?

Ja, er hat mich entdeckt. Vielleicht haben wir uns auch gegenseitig entdeckt. Er war der Autor, ich bin mehr der Darsteller. Das hat gut gepasst.

Sie haben viel von ihm gelernt?

Ja. Etwa Struktur in die Arbeit zu bringen. Er hat mir die Angst vor dem Moderieren genommen. Da habe ich viel von ihm übernommen. Vorbereitung ist das halbe Leben – damit kann man Lampenfieber in den Griff bekommen. Damit hatte er ja auch zu kämpfen.

Und was konnte er von Ihnen lernen?

Er von mir? Vielleicht etwas Spontaneität. Dass es ganz gut ist, wenn man sich etwas bewegt auf der Bühne. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er auf der Bühne am liebsten die ganze Zeit auf einem Stuhl gesessen. Er hasste es, sich auf der Bühne zu bewegen.

Wie gewöhnten Sie ihm das an?

Wenn ich aufgestanden bin, mich bewegt habe, bekam ich mehr Applaus. Das hat er irgendwann gemerkt. Da er noch viel seltener aufgestanden ist, war sein Applaus dann noch viel größer. Das hat ihm gefallen (lacht).

Hätten Sie gern etwas anderes an ihm verändert?

Ich habe ihn gelassen, wie er war. Ich wollte auch nicht rummissionieren. Es gibt nichts, was ich ihm aufzwingen wollte.

Was war Jochen Krause für Sie? Ein Partner, mit dem Sie große Erfolge feierten? Oder ein Freund?

Ich merke jetzt, dass es mehr war als eine erfolgreiche Partnerschaft. Ich habe 20 Jahre täglich mit ihm Kontakt gehabt. Wenn ich auf Mallorca im Urlaub war, habe ich hunderte Euro mit ihm vertelefoniert. Es ging aber immer um das Fachliche, um Beiträge.

Das klingt eher nach Partner.

Wenn er heute noch leben würde, hätte ich das wohl auch gesagt. Aber das war nun einmal unsere eigene kleine Welt, unser Mikrokosmos. Ich kann mich erinnern, dass wir telefonierten, als meine Tochter geboren wurde. Ich war im Krankenhaus, die Sonne ging gerade über Hannover auf, und wir sprachen über Siggi und Raner.

Sie hatten noch viel vor mit ihm?

Im Herbst hatten wir noch darüber nachgedacht, wie wir die neuen Projekte angehen. Die Fans haben auch nach einer neuen CD gefragt. Aber ich merkte immer wieder, dass die Kraft bei ihm rausgeht. Er wurde langsam immer schwächer. Ich hatte gehofft, dass es nur ein Zwischentief ist.

Wie geht es nun für Sie ganz persönlich weiter? Comedy ist ja Ihr Geschäft!

Im Moment kann ich es mir gar nicht vorstellen. Bei Siggi und Raner sind die Rollen so sehr mit mir und Jochen verknüpft – ich hätte keine Idee, wie man das weiter entwickeln könnte. Und ich denke viel darüber nach, was Jochen wohl gewollt hätte. Er hätte bestimmt gewollt, dass die hannoversche Sprache überlebt. Da bin ich mir sicher!

(Zoran Pantic)


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