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NP-Interview

Rainhard Fendrich über sein neues Album

Rainhard Fendrich machte schon Austropop, als heute so angesagte österreichische Musiker wie die von Wanda und Bilderbuch noch gar nicht geboren waren. Jetzt veröffentlicht der 61-Jährige sein neues Album „Schwarzoderweiss“.

Der erste Satz auf Ihrem Album lautet: „Stell dir vor, es gibt kein Internet“. Was haben Sie bloß gegen die neuen Medien?

Gar nichts. Man kann sich dieser Medien sehr gut bedienen: Wenn ich zum Beispiel ein Lied präsentieren möchte, geht das sehr gut über meine öffentliche Facebook-Seite; eine private habe ich nicht. Denn ein persönliches Gespräch ist durch Mails, Kurznachrichten und Postings nicht zu ersetzen. Kommunikation ist für mich Reden, meinetwegen auch Streiten, aber auf keinen Fall das Schreiben meterlanger Mails. Aber das muss jeder selber wissen.

Für mich klingt das Lied ein bisschen wie eine späte Reprise zu „Es lebe der Sport“: Damals machten Sie sich über Fitnesswahn lustig, heute geht es gegen die Stubenhocker.

Es geht gegen niemanden, ging es nie. Ich komme auch aus einer anderen Zeit, einer, in der noch Tonbänder eingelegt wurden. Technisch bin ich bis heute ein bisschen zurückgeblieben (lacht). Aber man kann mit Humor der Realität einen Zerrspiegel vorhalten.

Manche Themen sind neu, andere haben sich erschreckenderweise nicht erledigt: So geht es in „Frieden“ darum, dass der Krieg nach Europa zurückkehrt. Wie nehmen Sie die Welt wahr?

Eben so: Ich nehme es wahr. Ich denke mir meine Texte nicht aus. Singer/Songwriter nehmen hochsensibel ihre Umwelt wahr. Wir schreiben aus Erfahrungen, aus Beobachtungen, manchmal auch aus Verzweiflungen. Ich möchte etwas tun, an dem die Menschen nicht einfach vorübergehen können. Das ist für mich das Wesen der Kunst: nicht das zu machen, was die Menschen von einem erwarten - dann ist man nämlich ein Gartenzwerg-Produzent.

Gleichwohl gab es eine lange Zeit, in der populäre Musik, vor allem deutschsprachige, explizit unpolitisch war.

Es muss ja auch nicht jede Kunst politisch sein. Aber Politik ist nun einmal das, was unser Leben regelt. Das muss uns interessieren - gerade jetzt, wo überall so ein Rechtsruck passiert.

Macht es Ihnen Angst, wenn Sie die Welt betrachten?

Ich habe selten Angst. Vorm Fliegen vielleicht, aber sonst? Ich habe die Angst, die eigentlich jeder haben muss: dass es keinen Frieden gibt auf diesem Planeten, dass es weiter eskaliert, davor, was mit der Europäischen Union passiert. Aber es wäre verfrüht, Panik zu verbreiten.

Sie fragen: „Wer schützt Amerika?“ Wie rhetorisch ist diese Frage gemeint?

Gar nicht. Die USA sind die größte Nation der Welt. Amerika hat sich immer als „Weltpolizist“ aufgespielt. Ich unterstelle den USA aber auch, dass sie nur an einem Land interessiert sind, nämlich den USA. Das andere ist, dass die USA ein wunderbares Land sind, das die besten Filme der Welt, großartige Künstler und große Denker hervorgebracht hat. Und jetzt droht dieses Land einen Präsidenten zu bekommen, der überhaupt keine Ahnung hat, der nicht besonders intelligent ist und der mit Polemik und der Macht der Medien die Hälfte eines Landes auf seine Seite kriegen kann. Dass dieser Mann die Schlüssel zu den Atomraketen bekommen könnte, das macht mir wirklich Angst.

Ist es wieder an der Zeit für Musiker, sich einzubringen?

Musik hat viele Gesichter; es ist ein Regenbogen. Aber es gibt seit den 60ern, 70ern die Tradition, eben auch mal politische Texte zu singen - man denke an einen Reinhard Mey, einen Wolf Biermann oder einen Konstantin Wecker in Deutschland.

Was an Ihrem Album musikalisch auffällt, ist der sehr freie Zugriff auf die Popkultur, von Country bis Reggae. Das ist dem Austropop offenbar zu eigen; man hört es auch bei jungen Bands wie Bilderbuch oder Wanda.

Austropop ist nicht unbedingt eine Musikrichtung, sondern eher eine Geisteshaltung: Wir sehen die Welt mit unseren Augen und reflektieren das. Dass die Liebe schön ist, wissen wir, auch dank des deutschen Schlagers - aber es gibt eben auch andere Dinge, über die es sich zu singen lohnt. Für mich hat Unterhaltung auch etwas mit Haltung zu tun.

Haben Sie eine Erklärung für diese Tradition?

Nein. Meine Idole waren - neben den vorhin Genannten - Wolfgang Ambros und Georg Danzer. Da ist Austropop eher Country, weil man zu der Musik gut Geschichten erzählen kann. Aber all diese Musik ist für mich nie aus Amerika gekommen, sondern aus dem Radio. Vielleicht haben wir sie uns deswegen zu eigen gemacht. Ich hatte auch noch das Glück, in der Zeit aufgewachsen zu sein, in der es die beste Musik überhaupt gab. Damals hat man für das neue Beatles-Album angestanden, wie es heute die jungen Leute vor dem Apple-Laden für das neue iPhone tun. Da haben wir dann auch wieder den Bogen zu den neuen Medien (lacht).

Fendrich: „Schwarzoderweiss“ (BMG) - ab Donnerstag.


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