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Schauspielhaus: Rainald Grebe mit seinem neuen Programm "Das Elfenbeinkonzert". (Foto: Katrin Kutter)

Schauspielhaus: Rainald Grebe mit seinem neuen Programm "Das Elfenbeinkonzert". (Foto: Katrin Kutter)© (Foto: Katrin Kutter)

Schauspielhaus

Rainald Grebe in Hannover, der Vielzweckcomedian

Angekündigt waren 120 Minuten - aber Rainald Grebe legte locker noch ne Stunde drauf: Zum Ausklang seines großen „Anadigi-Festivals“ wollte sich der Vielzweckcomedian nicht lumpen lassen. Im bestens gefüllten Schauspielhaus war ein neues Soloprogramm namens „Das Elfenbeinkonzert“ angesagt.

Hannover. Zum Einstieg machte Grebe sehr körperlich klar, was Begriffe wie „lol“ und „rofl“ bedeuten. Um Analoges und Digitales ging es auch in der Folge immer mal wieder - so mischte sich regelmäßig eine Computerstimme mit Navigations-Ansagen und anderen garantiert unpassenden Bemerkungen ein. Ferner kam eine betont käsig klingende Rhythmusmaschine zum Einsatz, doch in thematischer Hinsicht war der Bogen sehr viel weiter gespannt.

Unterstützt durch Textprojektionen, erläuterte Grebe etwa den fortschreitenden Niedergang des Reims im HipHop, der seit den Tagen der Fantastischen Vier bedenkliche Formen angenommen habe. Um zu demonstrieren, in welchem Maße er selbst die Sprache pflegt, besang der Musiker die „Misswahl in Wismar“ oder ließ das Publikum „Palmöl aus Malmö“ skandieren.

Dann räsonierte Grebe über Kleinstädte im Allgemeinen und deren Slogans im Besonderen („Lohne lohnt sich!“, „Salzwedel - die Baumkuchenstadt“), auch Hannover kam nicht ganz ungeschoren davon: Hier sei der vollste Bahnhof der Republik zu finden - weil die Hannoveraner unverständlicherweise gerade an diesem Ort so gern flanieren würden.

Der Titel des Programms erklärte sich in einer Einladung des Goethe-Instituts: Grebe sollte demnach vor einiger Zeit einen Volksmusik-Workshop in der Elfenbeinküste leiten. Entsprechende Filmeinspielungen von Titeln wie „Atemlos“ oder Grebes eigenem Hit „Brandenburg“ wirkten einigermaßen kurios.

Der Entertainer hat eine wirklich starke Gesangsstimme und beherrscht souverän das Spiel am Flügel. Beides kann indes bei Bedarf entgleisen: Der besungene „Mittelaltermarkt“ etwa nervte den Interpreten offenbar derart, dass zunehmend sowohl Intonation und Versmaß als auch die Anschlagskultur über Bord gingen.

Verschwörungstheorien zum „Struwwelpeter“ mündeten in Delirien über ein „Schneider-Darknet“, in dem eifrig das Abtrennen von Fingern diskutiert würde, und im Zugabenblock erklang dann das Lied vom Asketen Fred samt dessen fester Überzeugung, weniger sei mehr. Was zu beweisen war - auch dieses fraglos beeindruckende Volldampf-Programm, in dem die nachdenklichen Momente doch eher sparsam gesät waren, hätte durch Straffung vermutlich noch gewonnen.

von Jörg Worat


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