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WEHE, WENN DER HOTZENPLOTZ KOMMT: Nicolas Kröger krabbelt als Räuber auch mal unter Tische und Stühle; Kasperl und Seppel ahnen nichts.

WEHE, WENN DER HOTZENPLOTZ KOMMT: Nicolas Kröger krabbelt als Räuber auch mal unter Tische und Stühle; Kasperl und Seppel ahnen nichts.

Kinderoper

Räuber Hotzenplotz - Premiere im Ballhof

Musikalische Räuberjagd in Ballhof zwei: Die Kinderoper „Hotzenplotz“ feiert Premiere mit viel Charme und Turbulenzen.

Hannover. Motzenglotz, Glotzenpotz, Plotzenhotz - egal, wie man ihn nennt, man weiß, wer er ist, der Räuber Hotzenplotz aus Otfried Preußlers Buch. „Mich kennt doch jedes Kind!“, singt furchterregend sein Darsteller Nicolas Kröger. Eben. Deswegen stürmten gestern die Familien den Ballhof Zwei zur Premiere der Kinderoper. Manch einer ohne Karte, der auf sein Glück gesetzt hatte, musste leider draußen bleiben.

Für alle, die drin sind, heißt es: Nehmt euch in Acht! Wachtmeister Dimpfelmoser sorgt schon vor Beginn für Ordnung und verteilt das Fahndungsbild. Doch Großmutter (Anna Bineta Diouf) singt noch unbeschwert eine Ode an ihr Lieblingsgetränk: „Kaffee, Kaffee, wie könnt’ ich ohne ihn sein!“

Als Hotzenplotz ihr die Kaffeemühle stiehlt, geht die Action los. Auch Dirigent Benjamin Reiners leidet unter dem Kerl, denn Hotzenplotz zieht ihm seine Hose herunter und klaut ihm den Dirigierstab. Das löst schallendes Gelächter aus, bringt aber die gelungen atmosphärische Musik nicht aus dem Takt.

Die ist mal quietschfidel, mal verträumt, mal bedrohlich, und nie drängt sie sich in den Vordergrund. Andreas Tarkmann, früher Musikalischer Leiter am Schauspiel Hannover, hat sie komponiert; Uraufführung war 2009 in Aachen. Flöte, Klarinette, Fagott, Horn, Tuba und Schlagzeug treiben die Action voran; Extralob verdient das verschmitzte Akkordeon von Snezana Nesic.

Die Kaffeemühle muss zurückgeholt werden: Da sind sich Kasperl (Michael Chacewicz) und Seppel (Tivadar Kiss) im animierten Quartett mit ihrer Oma und dem Wachtmeister nicht nur musikalisch einig. Die Jungs machen sich in den tiefen Wald auf. Dunkelheit und Licht stellen den dar; das Bühnenbild von Pablo Mendizábal ist schlicht, ein großes Podest ist Omawohnung, Räuberhöhle und Zaubererschloss zugleich. Das Unheil lauert im Dunkel drum herum: Hotzenplotz kidnappt Kasperl und Seppel.

Eine Erscheinung ist dieser Räuber allemal: nur ein Schuh, löchrige Socke, verfaulte Zähne, strubbliges Haar (klasse Kostüme: Elvira Freind) - und fast so abgedreht wie Johnny Depp als Pirat. Kasperl behält er zum Schuheputzen bei sich, und Seppel liefert er an den bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann aus. Dieser führt mit seiner Leibspeise Kartoffeln witzige Zaubertricks vor und verklickert dem Publikum, wie er sie am liebsten isst: „Gerieben, gebraten, gedämpft, gekocht, als Brei, als Auflauf ...“ Man bekommt richtig Appetit. Christoph Rosenbaum spielt Zauberer und Dimpelmoser in einer Doppelrolle - Recht und Unrecht liegen halt oft nah beieinander.

Kasperl und Seppel, so böse getrennt, klagen herzerweichend im Duett - doch die Rettung naht. Es quakt eine hässliche Kröte, die in Wirklichkeit die bezaubernde Fee Amaryllis (Stella Motina) ist. Kasperl zwängt sich durchs Publikum und findet zwischen den Stühlen das Feenkraut, das sie zurückverwandelt. Zum Dank rettet sie die beiden und macht den bösen Zauberer unschädlich, der Hotzenplotz aus Ärger in ein verrücktes Huhn verwandelt hat.

Und alles wird gut. Viel Aktion, viele witzige Einfälle; die Inszenierung von Tobias Ribitzki punktet mit Liebe zum Detail, das Ensemble spielt charmant und bringt nicht nur Kinderaugen zum Leuchten. Und für das Orchester gibts bei der Premiere zum Schluss sogar Getrampel.

Bewertung: 4/5


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