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Udo Lindenberg überreicht den Preis für die «Beste Programmaktion» (Sonderzug nach Pankow) an die Moderatoren von radioBerlin 88,8.

Udo Lindenberg überreicht den Preis für die «Beste Programmaktion» (Sonderzug nach Pankow) an die Moderatoren von radioBerlin 88,8. © Axel Heimken

Medien

Radiopreis: Stars protestieren gegen Fremdenhass

Sie waren gekommen, um Deutschlands besten Radiomachern zu gratulieren. Aber nicht nur. Stars wie Iris Berben und Udo Lindenberg machten sich für Flüchtlinge stark, auch Heiner Geißler fand deutliche Worte. Eine Show mit Statements.

Hamburg. Radiostimmen im Rampenlicht und prominente Stimmen für Flüchtlingshilfe: Bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises haben Stars wie Iris Berben und Udo Lindenberg ihre Auftritte genutzt, um gegen Fremdenhass zu protestieren und zu Toleranz aufzurufen.

"Der Mob muss Angst bekommen - nicht die Flüchtlinge, nicht die Ausländer, nicht die Juden und nicht die Homosexuellen", sagte Berben. "Wichtig ist es, die Menschenfänger dieses Landes zu bekämpfen, die mit ihren dumpfen brutalen Parolen Angst verbreiten", forderte die 65-Jährige. "Ich lebe gerne in diesem Land und ich lasse es mir nicht kaputtmachen", meinte sie. "Lasst uns viele sein und lasst uns laut sein."

Internationale Musikstars wie die norwegische Band a-ha und die Sänger Olly Murs, George Ezra und Kwabs waren am Donnerstagabend zu denen gekommen, die in Deutschland täglich ihre Songs spielen. Vor rund 1000 geladenen Gästen im Schuppen 52, einer ehemaligen Lagerhalle im Hamburger Hafen, erhielten Hörfunkmacher bei der sechsten Vergabe der Preise in elf Kategorien die Trophäen. 67 private und öffentlich-rechtliche Radioprogramme übertrugen live die Show, zu deren Höhepunkten die Auftritte der Laudatoren wurden, die an die Schicksale der vielen Menschen auf der Flucht erinnerten.

Rockmusiker Lindenberg, der als Überraschungsgast und Gratulant in der von Entertainerin Barbara Schöneberger moderierten Gala auftrat, appellierte an die Deutschen, weiterhin so viel Engagement für Flüchtlinge zu zeigen. "Das wird immer mehr eine echte bunte Republik Deutschland", meinte der 69-Jährige. "Es gibt noch ein paar dunkle Flecken, aber die kriegen wir auch noch weg", sagte er unter dem Applaus des Publikums und kündigte eine "große machtvolle Demonstration" an, die er mit anderen Musikerkollegen auf die Bühne bringen will.

Um Flüchtlinge ging es auch in der besten Reportage, die 105,5 Spreeradio mit "Schlepperbanden - Menschenleben werden Ware" lieferte. "Flüchtlinge, Menschen, die Flüchtlinge betreuen, Mitarbeiter in Behörden, Bundespolizisten und Schlepper, die über ihr skrupelloses Geschäft berichten. In schonungsloser und oft erschütternder Offenheit kommen Schicksale und Wahrheiten ans Licht, vor denen manche lange die Augen verschlossen haben", lobte die vom Grimme-Institut berufene Jury. "Diese Reportage klärt auf und macht zugleich deutlich, dass es bei diesem Thema keine einfachen und eindeutigen Antworten gibt."

Den Preis überreichte der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. Ob Deutschland denn einladend genug derzeit sei, fragte ihn Schöneberger. "Deutschland macht zurzeit eine sehr gute Präsentation, auch der Menschlichkeit, der Humanität. Das sieht die ganze Welt, das ist das wirkliche Deutschland - und nicht die rechtsradikale Kriminalität", sagte er. Aber grundsätzlich müsse sich etwas verändern, um Armut weltweit bekämpfen zu können. Es werde immer gesagt, es sei kein Geld vorhanden, meinte der 85-Jährige. "Wir haben auf der Erde Geld wie Dreck - es haben nur die falschen Leute." 

So bekannt die Laudatoren - darunter auch TV-Moderator Jörg Pilawa, die Schauspieler Miroslav Nemec, Oliver Wnuk und Johanna Wokalek sowie die Komiker Atze Schröder und Cordula Stratmann - auch waren, die Gewinner selbst sind beim Radiopreis oft nicht über ihre Sendergebiete hinaus prominent. Erst recht nicht als Newcomer - in dieser Kategorie siegte Moderatorin Julia Bamberg (radio ffn). Sie bekam ihren Preis von TV-Kollegin Sandra Maischberger, die an ihre eigenen Radiowurzeln erinnerte. Genau 30 Jahre sei es her, dass sie beim Bayerischen Rundfunk erstmals im Studio gesessen und "noch selbst Schallplatten aufgelegt habe", erzählte die 49-jährige.

Musiker Rea Garvey beglückwünschte Bayern 3 zur besten Sendung: "Die Stefans". Nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris Anfang des Jahres erzählten in der Sendung unter dem Motto "Drei Religionen, ein Humor" ein Christ, ein Muslim und ein Jude Witze über ihren Glauben - "eine hörenswerte Sendung mit Humor und Fingerspitzengefühl zu einem heiklen Thema", wie die Jury meinte.

Bei den Moderatoren setzte sich Thorsten Schorn (1Live/WDR) durch, bei den Moderatorinnen Siham El-Maimouni (WDR Funkhaus Europa), die allein schon mit der Aufschrift auf ihrem Shirt ein Statement zur Flüchtlingshilfe abgab: "Refugees welcome". Weitere Auszeichnungen gab es etwa in den Sparten Interview, Comedy und Morgensendung.

Und während Olly Murs, George Ezra und Kwabs nur im Showprogramm auftraten, standen a-ha auch als Preisträger auf der Bühne - für ihre drei Jahrzehnte lange "außergewöhnliche Karriere". 

dpa


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