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Die Red Hot Chili Peppers  vier Männer oder vielleicht doch ein Feierbiest? Sie rockten am Donnerstagabend die Tui-Arena.

Die Red Hot Chili Peppers vier Männer oder vielleicht doch ein Feierbiest? Sie rockten am Donnerstagabend die Tui-Arena.© Frank Wilde

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Konzert

RHCP in Hannover: So geht Californication

Unbeschwert, leicht, selbstbewusst und einfach lässig - in der Tui-Arena herrschte gestern Californication-Alarm. Die Red Hot Chili Peppers rockten vor 10 000 Fans.

Hannover. Die Licht-Show ist ein Wunder. Gar nicht unbedingt die massiven LED-Wände auf der Bühne mit ihren Farbträumen zwischen Pop-Art und Psychedelic, so beeindruckend die auch sind. Aber bis in den Innenraum hinein erstreckt sich ein Meer aus Lampions, jeder einzeln beweglich. Mal tröpfelt es blutrot, mal wogt es wild. Oben tanzen die Lampen, und unten tanzt das Publikum. Ja, das Auge isst mit - auch wenn es um Red Hot Chili Peppers geht.

Ein vierköpfiges Feierbiest, eine perfekte Einheit von vier Musikern, aus Licht und Ton, war da am Donnerstagabend von 10 000 Fans zu erleben. Keiner bleibt sitzen. Wenn die Chili Peppers spielen, hat das immer noch ganz viel mit einem nahezu kindlichen Spieltrieb zu tun. Da wird jeden Abend die Setlist durcheinandergewürfelt, als konstante Größen „Can’t Stop“ oder „Around the World“ (wie in Hannover) zur Eröffnung, „By the Way“ zum Schluss des regulären Sets und dem unverwüstlichen „Give it Away“ als letzte Zugabe. Das neue, elfte Album „The Getaway“ prägt einen Großteil des Programms, dazu verfrickelte, fast intime Jamsessions und spontane Spielereien. Und wenn es zwischendurch ein wenig zu neu wird, ziehen sie die „Californication“-Karte. Ja, sogar ihren Überhit „Under the Bridge“ spielen sie dieses Mal.

Es war ja nicht einfach hineinzukommen. Das Konzert war ruck, zuck ausverkauft, und wer eine Karte ergattert hatte, musste gestern - so ist das bei Superstars - eine rigide Einlasskontrolle über sich ergehen zu lassen. Nur um festzustellen, dass die etwas quälende Vorband Deerhoof keine Eile wert war. Zumindest nicht für das hier versammelte Publikum einer Konsensband, zu der die Chili Peppers in den 33 Jahren ihrer Existenz geworden sind.

Manches, was da in den vergangenen Jahren auf den Alben landete, war in der Heavy Rotation der Radios nur schwer erträglich, gar zu süßlich, selbstverliebt und beinahe schlagernah. Fast Food statt Delikatesse. Live ist das eine ganz andere Nummer.

Dafür sorgt schon Bassist Flea, dieser Flummi in Menschengestalt. Ein gelbhaariges, krummzähniges Bündel nie versiegender Energie - unglaublich. Heute würde man solchen Leuten Ritalin geben. Aber darum klingt moderne Popmusik wohl auch so, wie sie klingt. Er hingegen klöppelt immer genau dann einen seiner ekstatischen Bassläufe hinein, wenn es gar zu brav wird. Zur Zugabe läuft er im Handstand.

Fleas Gegengewicht bildet Josh Klinghoffer, Typ Indie-Rocker, Kopf nach unten, Gefühl in den Saiten, melodisches Zentrum der Kombo und der siebte Gitarrist der Peppers-Geschichte. Wie das halt so ist, wenn eine Band es in der Vergangenheit auch mal übertrieben hat mit dem Sex, den Drugs und dem Rock ’n’ Roll, vor allem den Drugs. Zwischen diesen Polen, Fleas Gehibbele und Klinghoffers Konstanz (plus Chad Smiths grundsolidem Schlagzeug), entfaltet sich der ganz typische Sound der Band. Die Zutaten: Rock, Funk, Alternative, Hip-Hop und eine Prise Punk ergeben eine verdammt scharfe Leibspeise.

Und dann ist da natürlich noch Sänger Anthony Kiedis. Er kann tragen, was er will: 70er-Jahre-Topf-Frisur, Pornobalken, zweifelhafte Kleidung - und trotzdem ist der 54-Jährige immer noch ein optisches Leckerli für die seinem Geschlecht zugeneigten Teile des Publikums, besonders, als er seinen durchtrainierten Oberkörper entblößt. Da herrschen in der Tui-Arena längst kalifornische Klimazustände. Die nüchterne Halle wird Schauplatz einer gewaltigen Strandparty, schweißtreibend, ekstatisch, tabulos, sexy.

Gut eineinhalb Stunden geht das so. Dann gehen die Lampen aus. Draußen auf der Expo-Plaza ist es trübe. Kein Kalifornien weit und breit. Und so unglaublich auch die Show war: Am meisten vermisst man doch dieses Wunder aus Licht.


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