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Blickt zurück: Martine Dennewald, Leiterin der Theaterformen.

Blickt zurück: Martine Dennewald, Leiterin der Theaterformen.
© Frank Wilde

Theaterformen

„Quote finde ich so papieren“

Die Theaterformen 2017 sind vorüber. Im NP-Interview zieht die künstlerische Leiterin Martine Dennewald Bilanz – und erzählt auch, wie sie ganz subversiv ein Frauenfestival organisierte.

Hannover. Das Festival Theaterformen 2017 ist vorbei. Im Interview blickt die künstlerische Leiterin Martine Dennewald (37) zurück.

Die Künstler zu empfangen, sei das Schönste am Festival, sagten Sie bei der Eröffnung. Wie war es jetzt, sie zu verabschieden?

Das ist immer traurig. das merkt man in der Mitte des Festivals noch nicht, weil immer noch neue kommen. Aber die letzten beiden Tage waren schwer.

In wie vielen Sprachen haben Sie sich verabschieden können? Als wir bei der 2015er-Ausgabe sprachen, lernten Sie gerade Türkisch.

Das habe ich leider auf Eis legen müssen, weil wir im vergangenen Jahr so viele ostasiatische Künstler hatten. Dafür ist mein Japanisch inzwischen ganz passabel. Es sind jetzt sieben Sprachen – das Luxemburgische, in dem ich mit meinen Eltern rede, eingerechnet.

Ziehen Sie doch mal Bilanz, jenseits der Zahlen.

Ich bin ganz begeistert von dem Publikum, das sich hat verführen lassen, davon, wie schnell sich Menschen finden, die mitlesen, die aufstehen, die es wagen, einen anderen Blick aufeinander zu werfen ...

Was meinen Sie damit?

Ganz speziell die Inszenierung „The Fever“, bei der man anfangs im Rund sitzt, sich fremd ist und die Künstler es schaffen, unseren Blick aufeinander zu verändern.

Was hat Sie verändert?

Ich werde viel älter (lacht) – im Laufe dieser zwei Wochen sicherlich ein halbes Jahr. Es ist natürlich ein unglaublicher Reichtum an Perspektiven und Einsichten, der sich hoffentlich auch im Kontext, in der Kombination der Aufführungen einstellt.

Ein Kontext, mit dem Sie einen kleinen Coup gelandet haben, dass es ausschließlich Produktionen von Frauen oder Teams mit Frauen gab – was Sie nie kommuniziert haben und was viele erst während des Festivals verstanden.

Das war ein persönlicher Rechercheauftrag, den ich mir gegeben habe, als ich feststellte, dass ich viel mehr männliche als weibliche Regisseure kenne, die ich toll finde. Das aber spiegelt die Realität in keiner Weise wieder. Und ich habe festgestellt, dass man so sehr gut ein schönes Festival machen kann. Ohne Quote, das finde ich immer so papieren, sondern ein wenig subversiv.

Und heißt das jetzt, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Mann oder eine Frau inszeniert?

Ich lasse die Arbeiten für sich stehen. Aber es gibt ausreichend Belege für die Dominanz männlicher Regisseure, Komponisten, Librettisten ... Ich glaube, da ist noch etwas drin.

Es gab bei diesem Festival viele Theater-Formen, bei denen das Publikum selbst gefordert war, und einige performativer, tänzerischer Art. Eine gewollte Setzung?

Das Verlassen des Theaterraums ist ja schon fast eine Tradition des Festivals, die ich gerne weiterführe.Es ist eine gute Möglichkeit, auf die Stadt zuzugehen. Das Performativ-Tänzerische hat sich aus den Arbeiten selbst heraus ergeben, die eine große Dringlichkeit haben.

Gibt es etwas, das nicht so geklappt hat wie erhofft?

Wir hatten einmal eine Verzögerung, dass die Vorstellung nicht pünktlich begann ...

Wenn es nur das ist.

Ich lasse die Leute nicht gerne warten. Aber: Viel häufiger sind meine Erwartungen übertroffen worden, zum Beispiel bei unseren Zusammenarbeiten mit Geflüchteten: sei es bei den Blogs, die eine so differenzierte, oft persönliche Sichtweise auf das Festival zeigen, wie ich es mir nicht habe erhoffen können, oder bei den Stadtspaziergängen.

Zwei Jahre dauern die Vorbereitungen des Festivals – heißt das, dass Sie bereits Hannovers Theaterformen 2019 planen?

Offiziell ist mein Vertrag noch nicht verlängert. darum kann ich dazu nicht viel sagen. Jetzt besuche ich erst einmal das Theaterfestival meiner Vorgängerin Anja Dirks in Fribourg, das am Freitag beginnt.

Die nächsten Theaterformen gibt es vom 7. bis 17. Juni 2018 in Braunschweig.

Von Stefan Gohlisch


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