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Voller Einsatz: Die Künstlergruppe Performing Group hat mit zwölf jungen Menschen das Stück „Controlling Crowds“ im Ballhof auf die Bühne gestellt.

Voller Einsatz: Die Künstlergruppe Performing Group hat mit zwölf jungen Menschen das Stück „Controlling Crowds“ im Ballhof auf die Bühne gestellt.
© Foto: Ribbe

Theater

Premiere im Ballhof: „Controlling Crowds“

Junger Schauspieler, voller Einsatz: Im Ballhof hatte das Stück „Controlling Crowds“ von der Gruppe Performing Group Premiere.

Hannover. Dzhan wünscht sich, dass hinterher jemand zu ihm kommt und sagt: „Wow! Du hast uns total geflasht und so.“ Rouven möchte seine Ticks ausleben, Lea wollte mal Tanztheater ausprobieren, und Sophie findet das Thema interessant: „so ein bisschen unterschwellig“.

Die Beweggründe, bei „Controlling Crowds“ mitzumachen, sind so unterschiedlich wie die Teilnehmer selbst. Umso erstaunlicher ist die Kollektivleistung bei dem Stück, das im Ballhof Premiere feierte.

Die Künstlergruppe Performing Group um Regisseur Daniel Mathéus und die Tanzpädagogin Julia Carvalho haben sich mit zwölf jungen Menschen aus Stadt und Umland gleich der ganz großen Themen angenommen: Masse und Macht, Individualität und Gleichschaltung, eigenes Denken und Unmündigkeit. Grundlagen sind das Album „Controlling Crowds“ der britischen Band Archive und Elisabeth Wehlings soziologisches Buch „Politisches Framing“ über die Gewalt der Sprache. Und doch kommt dieser Themen-Katalog im Ballhof erfrischend frech und herrlich selbstironisch.

Plastikpalmen an falschem Rasen, während der gesamten Aufführung wird ein durchsichtiges Zelt im Bühnenhintergrund für die bildschöne Schluss-Szene aufgeblasen. Wir sind in einer Kunstwelt unterwegs, und dort, im und um das Publikum herum agieren die 15- bis 26-Jährigen in dem Stück, einem episodenhaften Tanztheater mit Wortanteil. „Denke! Denke! Denken Sie, dass Sie denken? Was Sie denken?“, fragt einer ausdauernd und endet mit: „Denkeschön“.

Und eine andere putzt die Palmen und mokiert sich, dass sie das laut Skript „ironisch“ tun soll – wegen Emanzipation und so. Und überhaupt: Was soll das mit dem neuen Text noch am Tag der Premiere? Was betonschwer sein könnte, wird federleicht.

Immer wieder lösen sich Einzelne aus dem Kollektiv, hinterfragen sich selbst, ihre Absichten und das Gesagte. Es geht um Wörter, die nicht mehr benennen, sondern bewerten: der Klimaschutz, der die Zerstörung dahinter verschleiert, die Erderwärmung, die so schön kuschelig, und der Flüchtlingsstrom, der wie eine Naturkatastrophe daherkommt. Und auf dem LED-Laufband hinten an der Bühne steht „#yolo“ – you only live once“.

Dieses Stück macht Lust, bewusst zu leben, Lust zu denken, Lust auf Theater; das ist auch der Zweck solcher partizipativer Stücke. Das Publikum jedenfalls klatscht lange und ausdauernd. Offensichtlich total geflasht.

Von Stefan Gohlisch


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