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MAN KANN GAR NICHT HINGUCKEN: m  Weihnachtsfernsehen läuft ein Westernthriller mit Killerhaien und Lawinen. Die Festtagsgesellschaft (v. l. Rainer Frank, Mirka Pigulla, Paul Faßnacht, Carolin Eichhorst, Sebastian Kaufmane) muss bald noch ganz anderes ertr

MAN KANN GAR NICHT HINGUCKEN: m Weihnachtsfernsehen läuft ein Westernthriller mit Killerhaien und Lawinen. Die Festtagsgesellschaft (v. l. Rainer Frank, Mirka Pigulla, Paul Faßnacht, Carolin Eichhorst, Sebastian Kaufmane) muss bald noch ganz anderes ertr© Ribbe

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Theater

Premiere: "Schöne Bescherung" -

Tom Kühnel zeigt Weihnachten aus der Sicht von Sir Alan Ayckbourn. Mit„Schöne Bescherungen“ hat HannoversSchauspiel, das sich mit dem Lockeren zuletzt eher schwer tat, eine vergnügliche Weihnachtskomödie im Programm. Am Wochenende war Premiere.

Hannover. Unglückliche Menschen sind das Lustigste, was es gibt. Im Bestreben, ihren vermeintlich oder tatsächlich bedauernswerten Lebensumständen eine Wende zum Guten zu verpassen, sobald sich eine Gelegenheit bietet, geben sie oft soviel Gas, dass sie Garagen- und Hoftor mitnehmen. Ein erlauchter Spaßmacher wie Alan Ayckbourn packt solche Menschen auf einen Haufen und steckt sie in das größte Krisenfest, das Gott je auf Erden zuließ - Weihnachten. Tom Kühnel hat Ayckbourns „Schöne Bescherungen“ inszeniert, Samstag war Premiere im Schauspielhaus. Es wurde weidlich geklatscht und gelacht.

Das Ayckbourn-Desaster beginnt zart, endet hart. Heiligabend werden ironische Sticheleien gestochen, gefolgt von Ermahnungen, das Fest „doch nicht so“ begehen zu wollen. Am ersten Feiertag nehmen die Gehässigkeiten zu, am zweiten steht Weihnachten in Flammen, und sogar der Gott des Gemetzels bekommt seinen Auftritt. Das Komische, dem Tragischen abgerungen, endet, wie sollte es anders sein, tragikomisch. Selbst die Türglocke spielt ihre Weihnachtslieder zunehmend unkenntlich.

Acht Große (und ihre unsichtbar bleibenden Kinder) feiern auf der Bühne des Schauspielhause das Frohe Fest. Das Blockhaus mit den Geweihlampen (Bühne: Jo Schramm) erinnert dabei an ein Fort. Die Männer sind Familien- und Besinnungsflüchter, die Frauen Heimchen, die entweder am Herd nicht mehr ihr Heil finden (das Stück entstand 1980) oder die Küche okkupieren und ruinieren, weil sie hinter wildem Töpfeklopfen die Alkoholsucht verbergen zu können glauben. Ein Neuer (der Schriftsteller Clive), der erste Mann im Leben der Jungfer Rachel (Julia Schmalbrock) weckt das Misstrauen der Kerle und Eskapismusträume bei den Frauen. Ehe ist eben ein anderes Wort für zuvor, und zuvor wars besser.

Alle im Ensemble haben ihre großen Momente: Der schräge Survival-Onkel Harvey (Paul Faßnacht), der das Leben als Überleben begreift, ebenso wie die stockbetrunkene Phyllis (Susana Fernandes Genebra), die am Ende einer vergeblichen Verführung Clives peinlich auf dem Hintern die Treppe runterruckelt. Aber nichts ist so gellend komisch wie Loser Bernards Generalprobe seines verhassten alljährlichen Puppenspiels „für die Kinder“. Diesmal sinds die „Drei kleinen Schweinchen“ für das er ein Equipment anschleppt, als gelte es, „Ben Hur“ auf Guckkastenformat zu bringen. Wenn Janko Kahle dann zugleich die Marionetten tanzen lässt, ihnen Stimmen gibt, Old Harveys Bosheitstorpedos abwehrt und seine schwangere Gehilfin Pattie (Mirka Pigulla) herumkommandiert und herunterputzt („Warum bringst du mir immer das falsche Schwein, du Legebatterie?“) bietet er, hoch konzentriert, hinreißendes Komödiantentum.

Kühnels Kniff, der den Ayckbournschen Schlichtheitsregeln zuwider läuft: Obwohl drei fortlaufende Festtage erzählt werden, liegen optisch Jahre und Jahrzehnte dazwischen. Heiligabend: frühe Sixties. 1. Feiertag: die 70er. 2. Feiertag: relativ gegenwartsnah. Weil Weihnachten eben zu allen Zeiten so läuft - bis alles weint. Indes: Einige Albernheiten weniger und ein etwas kraftvolleres Drehen an der Eskalationsschraube (es gibt immer mal Leerlauf und drei Stunden Komödie brutto sind doch arg lang), dann wären die schönen Bescherungen noch ein bisschen schöner ausgefallen.

Bewertung: 4/5


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