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Art Garfunkel© Andrew Gombert

Konzert

Pop-Hymnen und Poesie von Art Garfunkel

Art Garfunkel strahlt: „The voice is back!“, seine Stimme ist zurück. Dafür gibt es viel Beifall im ausverkauften Theater am Aegi. Denn die 74-jährige Folk-Legende hatte großes Pech mit einer Stimmbandlähmung. Und nun kämpft Garfunkel, obwohl es manchmal schmerzt.

Hannover. Auch beim Zuhören. Arts einst so strahlende Stimme ist brüchig und belegt, er muss heikle Passagen entschärfen und gleitet ins sanftere Falsett über. Garfunkel kann noch singen, er weiß, wie es geht, aber es hört sich nicht mehr so schön an.

Als „American entertainer with a phony British accent“ beschreibt er sich, und mit „April Come she Will“, der Paul-Simon-Interpretation eines Kinderreims, geht es los. Die Herrschaften im Publikum sind älteren Jahrgangs und ihm wohlgesonnen.

Der Schauspieler („Catch 22“) schwärmt von Candice Bergen und Jack Nicholson und erzählt Studio-Geschichten von 1967 über die Aufnahmen zu „Scarborough Fair“. Das ist interessant, zwischen den Pophymnen verliert er sich jedoch in naiver Poesie. Da kann er verschroben wirken, mit selbstgefälligen Ansagen und einer leicht egozentrischen Lebenseinstellung. Peinlich oder poetisch?

Die Gabe des Gesangs, die er schon mit vier Jahren für sich entdeckte, nimmt er als Gottesgeschenk. Simon & Garfunkel stehen wie keine zweite Band für New Yorker Klänge der 60er und 70er Jahre.

Und hin und wieder vermisst man diese brillanten Vokalsätze, die zweite Gesangsstimme. Nashville-Gitarrist Tab Laven verzaubert sauber und professionell an der akustischen Gitarre, am Piano überzeugt Clifford Carter. Art ist inzwischen bei Roadtrips und Kuh-Geschichten, einer Küche in Greenwich Village, Kakerlaken und „The Sound of Silence“ angekommen.

„No way to leave Hannover with-out playing it“ - „Bridge over Troubled Water“ wird allerdings unvollständig sein, denn „wir haben erst zwei Drittel des Stücks arrangiert“. Er beendet den Song noch vor der großen Steigerung.

Garfunkel schätzt das „Great American Songbook“ und Songwriter wie James Taylor, Randy Newman und natürlich Paul Simon, dem er seine Karriere zu verdanken hat. Es ging früher die Geschichte, Paul Simon sei auf den Gesang von Art neidisch gewesen und der wiederum auf dessen Gitarrenarbeit. Dazu kamen Beschimpfungen.

Nein, das stimmt alles nicht, erzählt Art, das sind Gerüchte. Sie kennen sich, seitdem sie elf Jahre alt sind - und wie in einer Ehe gibt es gute und schlechte Zeiten. Und nach 90 Minuten, zwei kleinen Zugaben - „Goodnight my Love“ und „Now I Lay me down to Sleep“ - gibts viel Applaus für Art Garfunkel und am Ende sogar Standing Ovations.

Bewertung: 3/5

VON KAI SCHIERING


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