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Kultur „Pink or Blue“ von Felix Landerer
Nachrichten Kultur „Pink or Blue“ von Felix Landerer
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15:18 16.09.2018
Kraftvoll: Das neue Stück von Felix Landerer widmet sich den Männlichkeitsritualen. Quelle: Stoess
Hannover

Ende Mai zeigten Regisseur Felix Landerer und sein vierköpfiges weibliches Tanztheater-Ensemble den ersten Teil der choreografierten Geschlechtsidentitätssuche. Nun sind die Herren an der Reihe, unter dem Titel „Pink or Blue“ Stereotypen, Vorurteile und festgefahrene Verhaltensmuster tänzerisch aufzuarbeiten.

Die vier Darsteller Jean Gabriel Maury, Simone Deriu, Rubén Garcia Arabit und Menghan Lou winden sich umeinander und miteinander, sie halten, drücken und ziehen sich, bilden Ketten und Reihen, sie führen und stoppen sich. Ihre dargestellten femininen und maskulinen Bewegungsklischees sind akzentuiert und gehen trotzdem seltsam fließend ineinander über, obwohl sie doch eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten. So mündet das beruhigende, sachte Streichen durch die imaginäre lange Haarpracht ganz natürlich in staccatohaftes Boxen über.

Weich gegen hart. Leise gegen laut. Rock gegen Hose. Denn – die zu Beginn Anzugtragenden Herren switchen zeitnah zum „Frauenkostüm“ und wiederholen ihre gemeinsame Anfangschoreografie schließlich in fließenden Seidenkleidern. Rollentausch und Kleidertausch.

Doch die muskulösen, drahtigen Oberkörper können die Feinheiten einer weiblichen Gestalt und dessen Bewegungsspektrums nur andeuten. Wie Walküren oder griechische Göttinnen wirken sie dabei. Hier und da sieht man kleinste Gesten wie das ausgestellte Zurecht-Zupfen des Rockes, der sich zwischen den sich bewegenden Männerbeinen hochgeschoben hat.

Wenn sich die Tänzer nicht zu Musikcollagen mit wummerndem Metal, Western- und Volksmusikbrocken bewegen, geben sie ihre Körper ganz dem Soundteppich aus Rauschen, Uhrenticken und Raubtierfauchen hin. Es herrscht ein gehetzter, angespannter Grundtonus, den Christof Littmann kreiert hat. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die mannshohen, seitlich platzierten Strahler und die drei tief hängenden Deckenleuchten, die die tänzerische Reise dramatisch in Szene setzen. Die Bühne ist dabei in ein weiches Pink oder Blau getaucht.

Mit einer eindrucksvollen, leisen und doch so verstörenden Abschlussszene schließen die vier Tänzer nach knapp einer Stunde ihren Rollenerarbeitungsprozess, der an manchen Stellen kürzer, konkreter und präziser hätte sein könnten. Das Premierenpublikum spendet lange Beifall und wird nachdenklich in die Septembernacht entlassen.

Von Aline Westphal

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