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Erfolgreicher Schriftsteller: „Hool“-Autor Philipp Winkler.

Erfolgreicher Schriftsteller: „Hool“-Autor Philipp Winkler.
© dpa-Zentralbild

Interview

Philipp Winkler über seinen Erfolg mit „Hool“

Die Uraufführung war bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Nun kommt Lars-Ole Walburgs Inszenierung von Philipp Winklers „Hool“ in die Stadt, in der sie spielt: Hannover. Wir sprachen mit Winkler über seinen Erfolg, die Bühnenfassung und Filmpläne.

Hannover. „Hool“, Debütroman, des Wunstorfers Philipp Winkler (31), war eines der Bücher des Jahres 2016. Hannovers Schauspielintendant Lars-Ole Walburg hat die Geschichte des Hannover-96-Hooligans Heiko Kolbe auf die Bühne gebracht, eine Kooperation mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Vor der Hannover-Premiere sprachen wir mit Winkler.

„Hool“ erscheint diese Woche auf Tschechisch. Die wievielte Auslandsfassung ist das?

Wir haben Niederländisch und Spanisch. Es kommt im April in den USA heraus, die Übersetzung läuft gerade. Geplant sind wohl auch französische und italienische Fassungen.

In den USA also, der großen Fußballernation?

Ja, da sind sie alle ganz heiß drauf (lacht).

Das spricht dafür, was Sie immer wieder sagen, dass „Hool“ kein Fußballbuch ist. Gleichwohl ist es als „Fußballbuch des Jahres“ nominiert. Ein Missverständnis?

Ach, das ist schon schön, eine Form von Anerkennung. „Hool“ spielt nun einmal im Fußball-Kontext oder besser: im Fußballfan-Kontext. Man kann es schon so interpretieren.

Was ist es denn für Sie – eine Verliererballade?

Auch nicht schlecht; das passt ganz gut. Ich weiß nicht, ob ich es überhaupt titulieren würde als irgendetwas. Es ist schwer, das zu tun, wenn man es selber geschrieben hat.

Diese Woche feiert die „Hool“-Inszenierung Hannover-Premiere. Die Uraufführung war bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Wie war’s?

Mir hat es gut gefallen. Es hat Spaß gemacht, was mir wichtig ist. Das Bühnenbild finde ich sehr schön. Die Schauspieler haben mir durch die Bank weg gut gefallen. Und Lars-Ole Walburg und sein Team haben super Lösungen gefunden, zum Beispiel für die Erzählperspektive.

Das heißt?

Die Schauspieler alternieren in den Rollen. Mal spielt ein Einzelner oder eine Einzelne den Heiko. Dann bricht wieder das Chorische hinein.

Die Prügelszenen werden nicht gespielt, sondern gesprochen, so ist zu lesen.

Ja, darüber haben wir früh gesprochen. Sie zu zeigen, wäre die Holzhammer-Methode gewesen und in den Massenszenen auch schwer durchführbar. Ich kann mir all das nur schwer nicht lächerlich vorstellen.

Wie weit waren Sie involviert?

Weniger, als ursprünglich angedacht war, auch aus Termingründen, und somit nur durch unregelmäßigen Kontakt. Was ich gesehen hatte, fand ich sehr gut. Ich wollte mich auch nicht groß einmischen, denn schließlich ist das deren Medium.

„Hool“ kommt jetzt in die Stadt, in der der Roman spielt. Ist das für Sie noch mal anders?

Ja, allein deswegen, weil vermutlich mindestens der halbe Saal mit Verwandten. Bekannten, Freunden und Arbeitskollegen besetzt ist. Aber ich finde es sehr schön, dass es nun zurückkehrt.

Wie sieht es mit einer Verfilmung aus?

Die ist angedacht und in Planung. Das machen wir mit X-Filme in Berlin.

Haben Sie einen Wunschschauspieler für den Heiko?

Ja, und das ist auch so angedacht: dass es ein junger, unverbrauchter Schauspieler ist. So wird Heiko nicht von einem bekannten Gesicht und dem ganzen Rattenschwanz an Bildern, den es dazu gibt, belegt.

Welches Medium ist Ihnen näher?

Ich denke, Film. Mir wird oft dieses cinematische Schreiben nachgesagt, und ich sehe, woher das kommt. Ich bin auch mehr mit Film aufgewachsen als mit Literatur. Diesen Einfluss sehe ich selber sehr stark.

Aber der große Trubel ist vorbei?

Ja, seit Juni ist die ganz große Lesereise vorbei. Jetzt kommen nur noch vereinzelt Termine. Ich kann also endlich auch wieder arbeiten und sitze am zweiten Roman.

Worum wird es gehen?

Das zu sagen, finde ich auch schwierig, weil ich nichts verraten möchte, was vielleicht nicht eingelöst wird. Es wird um Identität gehen, Menschlichkeit, um die Entfernung und Entfremdung davon. Es wird schon etwas ganz Anderes als „Hool“.

Mehr über die Inszenierung finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch


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