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QUAK-QUAK (v. li.): Alexis Kara, Cathlen Gawlich, Bastian Pastewka, Janina Sachau und Kai Magnus Sting sehen Enten im Aegi.© Uwe Dillenberg

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Theater

Pastewka und Komplizen Live-Hörspiel im Aegi

Klingt nach einem schlimmen Befund: „Pastewka, es gibt viel Traurigkeit in deinem Leben.“ Diese Diagnose wurde Bastian Pastewka im rappelvollen Theater am Aegi beim Live-Hörspiel „Paul Temple und der Fall Gregory“ von seinen Komplizen gleich zweimal gestellt, jeweils staubtrocken, jeweils zur großen Freude des Publikums.

Hannover. Ob das mit der Traurigkeit stimmt, konnte nicht abschließend geklärt werden. Fest steht aber, dass die Beschäftigung mit den kruden Krimiwerken des Briten Francis Durbridge eine große Bedeutung im Seelenleben der Comedy-Mehrfachbegabung Pastewka hat, vielleicht sogar eine Art Fetisch ist. Und ebenso sicher ist, dass „Bastian Pastewka und Komplizen“ - neben dem Star sind das vier hochgradig stimmflexible Schauspielerkolleginnen und Kollegen - aus der krausen Krimichose unter Einsatz aller möglichen Quietsch-, Knall-, Ratter- und Flatterinstrumente einen saukomischen Abend kunsthandwerkern. Und gesungen wird zwischendurch auch noch.

Irgendwo hat Pastewka ein Fragment des „Falls Gregory“ aufgetan, die Sendung, 1949 im Radio ausgestrahlt, war aus den Rundfunkarchiven verschwunden. Sie war der erste von „Temple“-Fällen, die noch folgen sollten - Durbridge schuf in den 50er Jahren schon Radio-„Straßenfeger“, bevor ihm das auch beim Fernsehen („Das Halstuch“, 1962) gelang. Wer mehr erfahren möchte, sollte Pastewka fragen. Er produzierte nicht nur das Hörspiel neu für Radio, CD und live für die Bühne, er weiß auch alles über Durbridge, dessen Detektivhelden Paul Temple, über Temples Frau Steve sowie alles über Frauen zu Zeiten von Durbridge.

Daran lässt er auch gern andere teilhaben, sehr zum Leidwesen seiner Komplizen. So monologisiert er etwa über die Rolle von Temples Frau Steve („Sie ist auf seiner Seite, bekocht ihn und stellt keine Fragen. Eine schöne Tradition.“). Gibts Kontra von den Kollegen - und es gibt reichlich Kontra -, gerät er gern auch mal ins Stammeln: „Frauen sind bei Durbridge einfach - Frauen.“ Es folgt der Satz mit der Traurigkeit.

Die Sticheleien zwischen Pastewka und seinen Mitspielern sind die eine Ebene - lustvoll gequält weisen Janina Sachau, Cathlen Gawlich, Alexis Kara und Kai Magnus Stich auf logische Brüche in Durbridges Werk hin und motzen gegen den dramaturgischen Wirrwarr im Allgemeinen und gegen den enthusiastischen Chef Pastewka im Besonderen. Trotzdem machen sie immer weiter, zum Glück. So sitzen die fünf einträchtig auf Stühlen nebeneinander auf der Bühne und geben für das Live-Hörspiel alles: Papierrascheln, Wasserplätschern, quietschende Türen, Norweger, Enten, knarzende Erhängte sowie - Hut ab vor Cathlen Gawlich - circa 20 verschiedene Sergeants.

Gelacht wird im Aegi dauernd, oft gibt es auch Szenenapplaus, und zum Schluss geht die Stimmung richtig durch die Decke. Fazit: Sollte man irgendwann gesehen haben. Hören tuts zur Not aber auch auch.

Bewertung 5/5


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