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MIT FEINEM HUMOR: Niels Frevert bei seinem Faust-Konzert.Foto: Behrens

MIT FEINEM HUMOR: Niels Frevert bei seinem Faust-Konzert.Foto: Behrens

Konzert

Niels Frevert gibt tolles Faust-Konzert

Niels Frevert singt immer noch mit dieser jungen, kodderigen Stimme. Es knarzt und röhrt in der Faust-Warenannahme, der Schlaks aus Hamburg ist irgendwie nicht älter geworden. „Es ist nicht mehr viel Zeit auf dem leeren Bahnsteig“, singt er, und „Bitte nicht persönlich nehmen“.

Hannover. Gesangsrhythmen und Phrasierungen beachtet Frevert nicht besonders, er macht es wie einst Lou Reed, der Romane in Songs verpackte und sie herunterratterte. Da hören die Gemeinsamkeiten allerdings auch schon auf. Gut 150 Frevert-Fans sind zur besten „Tatort“-Zeit erschienen. Sie saugen die nachdenklichen Texte und schwierigen Akkorde auf, es ist still während der Songs, hier und da ächzen die Stühle. Ein richtiges Sonntagabend-Konzert.

Frevert möchte Konversation führen und fragt, was in der Warenannahme denn angeliefert wurde: „Ah, Bettfedern. Das ist ja auch die Adresse, da hätte ich selbst drauf kommen können.“ Poetisch klingt es auch noch, grübelt er weiter, vielleicht macht er ja mal etwas daraus.

Ein Trio, Cello, E-Piano und Freverts Gitarre - die intime Atmosphäre ist nie gefährdet, die Songs, seine Stimme verstecken sich nicht. „In der Waschmaschine wär noch Platz gewesen“, was für eine Alltagsromantik, Frevert kann auch schelmisch unterhalten. Er tippelt kurz wie ein Tanzbär, etwas putzig, aber nicht ungelenk.

„Seitdem ich Ü 40 bin, wird das Leben immer ernster“, sagt er und lacht dabei, genauso wie das Publikum, denn: „Das mit dem Glücklichsein ist relativ“. Die Nummer ist jetzt mal flotter. Frevert greift zur E-Gitarre, auch den alten Song „Kickdown“ mag er. „Du musst zuhause sein“ hat eine schöne Melodie, und während Frevert seine Gitarre stimmt, spielen seine Mitmusiker Stefan Will und Ladis Zuse das „Mission Impossible“-Thema. Gelächter auf und vor der Bühne, die Stimmung ist gut, trotz der vielen ruhigen Midtempo-Nummern. Ein schöner Abend.

In den frühen 90ern war Frevert mit der Band Nationalgalerie bekannt, ihr deutscher Grunge-Hit „Evelin“ lief auf der „MTV-Heavy-Rotation“. Seit dem Bandbruch spielt er solo, das aktuelle Album heißt „Paradies der gefälschten Dinge“. „Kann diese Stimme lügen?“, sang er einst. Und wenn schon.

Bewertung: 5/5


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