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KLINGENDE VISITENKARTE: Das JPON bekam Schostakowitschs Siebente Symphonie begeisternd in den Griff.© Joerg Scheibe

Klassik

Niedersachsens Junges Philharmonisches Orchester bewältigt Schostakowitschs Siebente mit Bravour

Draußen Maschseefest, drinnen die Belagerung von Leningrad: Niedersachsens Junges Philharmonisches Orchester (JPON) wagte sich im Großen Sendesaal an eins der etwas üppigeren Werke: die Siebente Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch, 1941 geschrieben während des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion.

Hannover. Und das war dann schon ein Erlebnis, den jungen Musikern bei der Bewältigung dieses klingenden Siebentausenders zuzuhören. Es stimmte alles, die Tempi, das Zusammenspiel und vor allem auch die mächtigen Forte-Ausbrüche, die dieses Werk so attraktiv machen. Die junge Mannschaft hatte in Klausur (in Westerstede) zehn Tage intensiv für diesen Kraftakt trainiert - und wollte zeigen, dass sie es draufhat wie professionelle Orchester. Und manchmal gelingen sogar Sachen, die den Hörern mehr Spaß machen - weil man einfach mal alles zeigen will.

Wie im ersten Satz. Dirigent Andreas Schüller setzte im Allegretto auf ein vergleichsweise zügiges Tempo und volles Risiko. Denn diesen riesigen Klangapparat (120 Musiker) muss man an den rhythmisch vertrackten Stellen erst einmal zusammenhalten.

Es war ein bisschen „Jugend forsch(t)“: Man wollte doch mal sehen, was in dieser „Leningrader“ (so der Untertitel der Sinfonie) alles an Dramatik und Wucht steckt. Bis zum phonstarken Ende, das die Befreiung beschreibt, mit vollem Einsatz der Blechbläser und Schlagwerker - kein Wunder, dass es danach stehende Ovationen gab.

Die bekam auch Solist Tobias Feldmann, ebenfalls noch jung (24) und schon reichlich prämiert. Der brachte ebenso sportiv Mendelssohn Bartholdys reichlich (ab)gespieltes Violinkonzert sehr heutig, mit wohldosiertem Vibratoeinsatz, zügigen Tempi, ohne übertriebene Romantik und mit einem herben Geigenton, der eher Zartbitter denn Vollmilch war. Super die Zugabe, Feldmann wagte sich an die Ruggero-Ricci-Bearbeitung der „Alhambra“ - eigentlich ein Gitarrenstück, hier auf der Geige zu spielen.

Da war dann Mendelssohns „Ruy Blas“-Ouvertüre, mit der der Abend eröffnet wurde, nur noch Bei- und Pflichtstück zum Warmspielen. Nach solchen Abenden hat man das Gefühl, dass man sich um den Orchesternachwuchs keinerlei Sorgen zu machen braucht. Das JPON spielt als klingende Visitenkarte des Landes im September in Rom und Spoleto.

Bewertung: 5/5


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