Navigation:
Eine Frau betrachtet im Metropolitan Museum in New York (USA) Bilder, auf denen Matthias Buchinger zu sehen ist.

Eine Frau betrachtet im Metropolitan Museum in New York (USA) Bilder, auf denen Matthias Buchinger zu sehen ist. © Christina Horsten

Ausstellungen

New York feiert den "kleinen Mann aus Nürnberg"

Matthias Buchinger war nur 70 Zentimeter groß und hatte weder Hände noch Füße. Trotzdem wurde der "kleine Mann aus Nürnberg" vor 300 Jahren Künstler, Zauberer und reiste um die Welt. Jetzt feiert das New Yorker Metropolitan Museum den "großartigsten Deutschen".

New York. Weil die Werke von Matthias Buchinger sich häufig erst mit Vergrößerung wirklich erschließen, reicht das New Yorker Metropolitan Museum zum Ausstellungsbesuch Lupen dazu.

So erscheinen in den Haaren eines Porträts von Queen Anne plötzlich mehrere Kapitel eines religiösen Textes und rund um die Säulen der Darstellung eines Innenraums stehen plötzlich die Zehn Gebote.

Mikrographie nennen Experten das, wenn Künstler so klein schreiben können, dass der Text für Betrachter mit dem bloßen Auge nicht mehr lesbar ist. Eine seltene und außergewöhnliche Kunst, die in diesem Fall auch von einem außergewöhnlichen Künstler stammt: Der 1674 im mittelfränkischen Ansbach bei Nürnberg geborene Matthias Buchinger war gerade einmal rund 70 Zentimeter groß, konnte also nur knapp über eine Tischkante schauen, und hatte weder Hände noch Füße.

Trotzdem wurde Buchinger zum gefeierten Künstler und Zauberer, der für Königshäuser arbeitete und seine Tricks und Werke in vielen Ländern Europas zeigte. Neben dem Malen machte er Zaubertricks mit Karten, Würfeln und Bällen, rasierte sich, fädelte einen Faden in eine Nadel, lud ein Gewehr, kegelte und erstellte Kunstwerke aus Holz in kleinen Flaschen. Schreiben konnte er fließend in Spiegelschrift und auf dem Kopf - und das alles ohne Hände und Füße, sondern lediglich mit einer selbst zurechtgeschnittenen Feder und einer Art Daumenrest an einem seiner Armstümpfe. Zeitgenossen bejubelten den "kleinen Mann aus Nürnberg" als "großartigsten lebenden Deutschen".

Rund 300 Jahre nach seinem Tod 1740 feiert das New Yorker Metropolitan Museum den ansonsten weitgehend in Vergessenheit geratenen Buchinger nun mit einer Ausstellung. Die geht vor allem auf den US-Magier Ricky Jay zurück. Seitdem er als Teenager das erste Mal von Buchinger gelesen habe, sei er von ihm fasziniert und sammle alles, was er in die Finger bekommen könne, sagte Jay bei einer Veranstaltung im Metropolitan Museum. "Ich war sofort beeindruckt." Viele seiner Werke hat Jay der Ausstellungshalle am Central Park in Manhattan nun für die bis zum 11. April laufende Schau geliehen, außerdem kamen Leihgaben unter anderem von der British Library und der Staatsbibliothek Bamberg.

Viel ist über Buchinger trotz Jays jahrzehntelanger Forschungen immer noch nicht bekannt, vor allem nicht aus den ersten Jahrzehnten seines Lebens. Hielten die Eltern das ohne Hände und Füße geborene Kind aus der Öffentlichkeit fern oder ließen sie ihm eine Ausbildung zukommen? Das erste bekannte Werk von Buchinger stammt jedenfalls vom Beginn des 18. Jahrhunderts, als er schon rund 30 Jahre alt war. Überliefert ist auch, dass er sich damals für den Auftritt auf einem Nürnberger Jahrmarkt bewarb, aber abgelehnt wurde, weil sein Anblick schwangeren Frauen nicht zugemutet werden könne.

Aber Buchinger setzte sich scheinbar gegen alle Widrigkeiten durch. Neben all seiner Arbeit und den vielen Reisen heiratete der Künstler viermal und bekam 20 Kinder, von denen 14 überlebten. "Ständig werde ich gefragt: Wie hat er das alles gemacht?", sagt Jay, der nach der Ausstellung nun auch einen Film über Buchingers Leben plant. "Vieles kann auch ich mir nicht erklären, aber ich liebe es, wie man daran die Unzerstörbarkeit des menschlichen Geistes erkennen kann."

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Die Bahn verspricht, pünktlicher zu werden - schafft sie das?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie