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Die Baustelle des Berliner Schlosses.

Die Baustelle des Berliner Schlosses. © Maurizio Gambarini

Museen

Neue Sorgen um das Berliner Schloss

Es grenzt fast an ein Wunder - zumindest für Berliner Verhältnisse: Der Wiederaufbau des Preußen-Schlosses an der Prachtstraße Unter den Linden, Deutschlands größtes Kulturprojekt, kommt wie geplant voran.

Berlin. Keine Pannen, keine Verzögerung, keine Kostenexplosion. Umso herber trifft die Verantwortlichen jetzt ein Alarmruf von Bauministerin Barbara Hendricks.

In einer Vorlage an den zuständigen Bundestagsausschuss warnt die SPD-Politikerin: "Risiken bestehen hinsichtlich der rechtzeitigen Verfügbarkeit von Spenden." Von den zugesagten 80 Millionen Euro Spendengeldern für die historischen Fassaden seien bisher erst etwa 20 Millionen eingegangen, heißt es in dem der dpa vorliegenden Papier.

Bleibt das Schloss am Schluss also womöglich halbnackt, weil das Geld für den Nachbau der einst von Andreas Schlüter entworfenen Barockfassaden fehlt? "Wir sind optimistisch, dass wir unsere Vorgabe bis 2019 schaffen - vorausgesetzt, es kommt nicht zu einem Krisenereignis", sagt der Vorsitzende der Fördervereins, Wilhelm von Boddien.

Die Spendensumme von 20 Millionen habe sich inzwischen auf fast 24 Millionen Euro erhöht. Zudem habe der Verein für weitere 10 Millionen Euro Sachleistungen erbracht, etwa Baupläne und Schmuckelemente, rechnet Boddien vor. "Wir sind deutlich weiter, als die Unterstützer der Dresdner Frauenkirche zu diesem Bauzeitpunkt waren." 11 Millionen der Bar-Spenden sind allerdings gar nicht für die Fassaden, sondern für Zusatzwünsche wie eine barocke Kuppel und Innenportale vorgesehen.

Derzeit wird auf dem Berliner Schlossplatz gegenüber der Museumsinsel der Kern des Gebäudes hochgezogen - ein riesiger Betonriegel auf einer Fläche von fast drei Fußballfeldern, insgesamt 180 Meter lang und 120 Meter breit. Auf der Westseite steht bereits der 3. Stock. "Wir liegen voll im Zeit- und Kostenplan", sagt Bauherr Manfred Rettig. "Bis zum Frühjahr ist der Rohbau fertig, im Frühsommer wollen wir Richtfest feiern."

Unter dem Namen Humboldt-Forum soll hier bis 2019 nach der Idee des Centre Pompidou in Paris ein Kulturzentrum entstehen. Vor allem die hochkarätigen Sammlungen außereuropäischer Kunst, die derzeit in Dahlem ein Schattendasein fristen, sollen neu gezeigt werden.

"Das Humboldt-Forum in seiner besonderen, zukunftsweisenden Verbindung aus Museum, Bibliothek und Universität wird in der Metropole Berlin einen neuen Ort geistiger Auseinandersetzung schaffen", sagt Hermann Parzinger, Präsident der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Die ursprüngliche Residenz der Preußen-Könige war im Krieg stark beschädigt und zu DDR-Zeiten gesprengt worden. 1973 entstand auf dem Gelände der Palast der Republik, der nach der Vereinigung wegen Asbestverseuchung zunächst geschlossen und dann abgerissen wurde.

Damit entbrannte ein jahrelanger erbitterter Streit um die mögliche Rekonstruktion der einstigen monarchischen Pracht. Befürworter sprachen von einer kongenialen Ergänzung der Museumsinsel, Kritiker hielten das Projekt für rückwärtsgewandt. 2002 gab der Bundestag mit überraschend klarer Mehrheit grünes Licht.

Von den inzwischen auf 590 Millionen Euro veranschlagten Kosten trägt der Bund mit 478 Millionen Euro den Löwenanteil. Das Land Berlin steuert 32 Millionen bei. Und der Förderverein Berliner Stadtschloss versprach, die besagten 80 Millionen Euro Spenden für die Fassaden einzuwerben. Vereinschef von Boddien: "Wir sind zuversichtlich, dass die Spendenbereitschaft weiter steigt, je mehr die Menschen von dem Bau sehen."

Allerdings könnte dem Schloss auch noch von anderer Seite Ungemach drohen. Nach dpa-Informationen erwägt das klamme Berlin, sich aus dem Mammutprojekt zu verabschieden und auf die geplante Präsentation seiner Zentral- und Landesbibliothek im Humboldt-Forum zu verzichten. Im Kultursenat mag sich vorerst niemand zu den Befürchtungen äußern. "Es gibt in dieser Frage keinen neuen Stand", sagt der Sprecher.

dpa


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