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SUPER: In Sydney waren die Vorstellungen der „Semele“ aus Herrenhausen zu Höchstpreisen komplett ausverkauft.

SUPER: In Sydney waren die Vorstellungen der „Semele“ aus Herrenhausen zu Höchstpreisen komplett ausverkauft.

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Festival

Neue Pläne für Herrenhausen

Elisabeth Schweeger verlängert. Ein eigener Kulturbeirat. Erweiterung der Kunstfestspiele.

Hannover. Durch das Schloss wird in Herrenhausen alles anders. Klar, dass auch von politischer Seite darauf reagiert werden muss. Die Stadt will morgen ein Gesamtkonzept für Schloss, Garten, die Kunstfestspiele und auch andere kulturelle Veranstaltungen im Großen Garten präsentieren.

Dabei will sich die Stadt - so die NP-Infos - geballten Sachverstand holen: Ein Kulturbeirat (siehe Extra-Text) soll sich um die vielfältigen Veranstaltungen in den Herrenhäuser Gärten kümmern und Projekte weiterentwickeln.

Und Hannovers Chefvermarkter Hans Nolte von der Hannover-Marketing-und-Tourismus-GmbH (HMTG) soll sich künftig allein und ausschließlich um Werbung und Vermarktung der Herrenhäuser Gärten und ihrer kompletten Ensembles widmen - also auch dem neuen Schloss Herrenhausen und seinem Museum, das voraussichtlich Mitte Mai eröffnet.

Für die touristische Bewerbung der Herrenhäuser Gärten und seiner Veranstaltungen ist die HMTG ohnehin schon seit mehr als zehn Jahren zuständig, jetzt will ihr die Stadt offenbar auch das Schloss mit Tagungszentrum und Museum anvertrauen - eine logische Konsequenz der bisherigen Arbeit dort. Mit der neuen Aufgabe einher geht eine Etatbündelung, insgesamt beläuft sich das Werbevolumen für die Herrenhäuser Gärten dann auf mehr als 500000 Euro im Jahr (plus 150000 Euro). Ob und inwieweit der neue Kulturbeirat hier mitzureden hat, ist noch unklar.

Die Veränderungen betreffen vor allem die Kunstfestspiele, hat die NP erfahren. Den bis Mitte 2014 gültigen Vertrag mit Intendantin Elisabeth Schweeger soll die Stadt um zwei Jahre bis Mitte 2016 verlängern - ein ausdrücklicher Wunsch des scheidenden Oberbürgermeisters Stephan Weil. Und: 2015 und 2016 dauern die Festspiele dann von Mai bis September, und sie öffnen sich für andere Produktionen, zum Beispiel dem Tanztheater International, die als Kooperationen dem Zuschauer angeboten werden. Dieses Jahr bleibt alles beim Alten, 2014 gibt es eine kleinere Ausgabe der Kulturfestspiele, wegen der Landesschau zur 300-jährigen Personalunion der Königreiche Hannover und England („Als die Royals aus Hannover kamen“).

Die Neuausrichtung der Kunstfestspiele ist auch vor dem Hintergrund notwendig, dass keiner der bisherigen Sponsoren über das Jahr 2014 hinaus sein bisheriges finanzielles Engagement fortführen soll. Lediglich der Anteil der Stadt in Höhe von 600000 Euro ist nach heutigem Stand fix. Heißt: Die Zahl der Eigenproduktionen müsste reduziert werden.

Was schade wäre, denn gerade mit den Eigenproduktionen können die Kunstfestspiele punkten. Wie das Gastspiel der Herrenhausen-Produktion „Semele“ in Sydney gezeigt hat. Das war mehrfach ausverkauft zu Preisen, von denen Hannover nur träumen kann: 165 bis 199 australische Dollar (139 bis 158 Euro) legten die dreieinhalbtausend australischen Opernfans für das Musiktheater mit den Kostümen von Vivienne Westwood hin. Die Kritiker waren begeistert, vergaben höchste Wertungen und lobten den „Mix aus exquisitem Barock mit Post-Punk-Chic und betäubender Düsterkeit“ („Sydney Morning Herald“) oder das „wunderbare Beispiel, wie Oper auch Jüngere begeistern kann“ („Sunday Telegraph“). Ein Gastpiel dieser Produktion in Südkorea ist in Vorbereitung.

IM FOKUS

Nur weniges ist heute wertvoller als eine starke Marke. Wäre schön, wenn die Kunstfestspiele Herrenhausen mal eine werden. Eine Marke, bei der man blind darauf vertrauen kann, dass Gutes in der Packung ist, wo Kunstfestspiele draufsteht.
Die Kunstfestspiele haben das Zeug dazu, wie der Erfolg in Australien zeigt. Tausende Besucher haben hier und werden es in Südkorea noch erfahren, dass in Hannover-Herrenhausen (wo bitte?) am anderen Ende der Welt kulturell Spannendes passiert. Das lässt sich jetzt erstmal nicht direkt in Übernachtungszahlen ummünzen, dient aber wunderbar zur internationalen Profilierung von Stadt und  Festspielen. Bitte mehr davon.
Die Stadt macht nun offensichtlich den Schritt in die richtige Richtung und erkennt die Bedeutung des Gesamtkomplexes Herrenhausen–Schloss–Festspiele–und–was–sonst–noch–alles–im–Garten–passiert. Ein erster Schritt ist die professionelle Vermarktung.
Bei der geplanten Neuordnung muss man nun aufpassen, wie weit man den Radius der Marke Kunstfestspiele zieht. Die sollten für Qualität stehen. Wenn zu vieles und manches willkürlich darunter subsumiert wird, geht das Profil flöten und wir haben wieder so etwas wie die recht kantenlosen „Festwochen“. Und die waren mit einer Produktion nie in Australien gewesen.


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Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

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