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WIRTSCHAFTLICHKEIT UND KUNST IST SEIN THEMA: Gerardo Naumann am Inspizientensitz des Schauspielhauses. Sein Stück „Die Vorstellung“ hat am 14. Oktober Premiere.

WIRTSCHAFTLICHKEIT UND KUNST IST SEIN THEMA: Gerardo Naumann am Inspizientensitz des Schauspielhauses. Sein Stück „Die Vorstellung“ hat am 14. Oktober Premiere.© Ralf Decker

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Theater

Naumann inszeniert Werksbesichtigung

Was tun Schauspieler oder Techniker hinter der Bühne, wenn sie auf ihren nächsten Einsatz, ihre nächste Aufgabe warten? „Diese Zeit ist unproduktiv“, sagt Gerardo Naumann.

Hannover. Der nachdenkliche 38-Jährige runzelt die Stirn und schaut mit kritischem Blick auf die bunten Knöpfe des Schaltpultes, an dem normalerweise der Inspizient die laufende Vorstellung koordiniert: „Aber das kann man optimieren, finde ich.“

Naumann, dessen Deutsch kaum erahnen lässt, dass er aus Argentinien stammt, ist gefragter Regisseur und Theaterautor - seine große Leidenschaft: „Das Thema Wirtschaftlichkeit mit der Kunst zu verbinden.“ Das tut er zurzeit hier auf der hannoverschen Theaterbühne, genauer gesagt: hinter der Bühne. Sein Stück „Die Vorstellung“ scheint nämlich auf den ersten Blick eine Art Führung hinter die Kulissen des Theaters zu sein.

Doch dass diese Tour ganz anders ist, wird schnell klar, als Naumann Ablauf und Stationen erklärt. Der Besucher treffe insgesamt sechs Personen: den Verwaltungsdirektor, den Konfliktberater, eine Inspizientin, einen Bühnentechniker, eine Kostümbildnerin und einen Schauspieler. Diese stellen ihre Arbeitsplätze vor - während der laufenden Vorstellung von Henrik Ibsens „Nora“. „Der Schauspieler nutzt zum Beispiel die Zeit zwischen seinen Einsätzen optimal aus, denn sein Part in meinem Stück ist genauso lang wie seine Pause bei ,Nora‘“, erklärt der Regisseur. Die sechs Schauspiel-Mitarbeiter zeigten dabei jeweils ihre Sicht auf die Abläufe, ihre Wahrnehmung des Geschehens, erklärt Naumann, während er die Treppe hinaufsteigt zur Galerie, an der die großen Scheinwerfer hängen.

Gerardo Naumann hat viele solcher Stücke gemacht: Er hat Schauspieler in einem Möbelhaus auftreten und dabei aus einem Sprachenlehrbuch zitieren lassen. Er hat auch schon Fabrik-Mitarbeiter während der Arbeit aus ihrem Alltag berichten lassen.

Nun hat er sich also das Schauspielhaus vorgenommen - und das scheinbar intensiv. Beim Schlendern durch die Gänge grüßt er jeden Techniker mit Namen, scheint jeden Schleichweg durchs Haus zu kennen. Es sind die Details, die ihn interessieren: „Ich finde es spannend zu sehen, wie jeder Einzelne hier im Haus die Vorstellung erlebt“, sagt er. Für sein Stück möchte er dennoch „einen Querschnitt schaffen duch die Institution Theater“.

Sechs Wochen lang hatte Naumann Zeit, am 14. Oktober nun hat sein „Querschnitt“ Premiere. Hat er so schnell so gut deutsch gelernt? „Nein, meine Großeltern sind damals aus Deutschland ausgewandert“, erzählt er, „in meiner Familie wurde immer viel Deutsch gesprochen.“ Doch in einem Punkt ist er dennoch ganz der Argentinier - bei der Frage, ob es nicht Stress verursache, wenn ein Bühnentechniker zwischenzeitlich zum Schauspieler werden solle. Naumann denkt nach: „Bei uns in Argentinien unterscheidet man nicht so strikt zwischen Arbeit und Freizeit - man hat eigentlich immer immer beides.“

Die Premiere am 14.10. ist bereits ausverkauft, für die nächsten Vorstellungen (16. und 25.11. um 19.30 Uhr) gibt es noch wenige Karten.


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