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«Geburt Johannes des Täufers» (um 1450) und «Johannes vor Herodes Antipas» (um 1450) von Giovanni di Paolo.

«Geburt Johannes des Täufers» (um 1450) und «Johannes vor Herodes Antipas» (um 1450) von Giovanni di Paolo. © Rolf Vennenbernd

Kunst

NRW kauft WestLB-Kunst für 30 Millionen Euro

Westspiel, WDR, Portigon - diese Unternehmen besitzen millionenschwere Kunst und wollen sie verkaufen - oder haben es schon. Zumindest die Portigon-Sammlung hat das Land NRW vor dem Verkauf ins Ausland retten können.

Düsseldorf. Wochenlang dauerte es im Herbst 2014, bis die Kulturszene in Nordrhein-Westfalen begriff, was für ein Kunstverlust dem Land drohte. Doch als sich der öffentliche Protest erhob, war es schon zu spät: Der Casino-Betreiber Westspiel ließ zwei Siebdrucke von Andy Warhol aus der Aachener Spielbank in New York versteigern.

Es war ein Riesengeschäft. Rund 120 Millionen Euro brachten "Triple Elvis" und "Four Marlons" ein. Westspiel war erst einmal saniert. Die Kunst war weg.

Dass Kunst aus landeseigenen Unternehmen verkauft wird, um diese zu sanieren, galt bisher als Tabubruch in der Kultur. Museumsdirektoren sprachen von einer "kulturpolitischen Bankrotterklärung". Doch schon Anfang 2015 kam die nächste Hiobsbotschaft: Die WestLB-Nachfolgerin Portigon AG kündigte an, die millionenschwere Kunstsammlung der einst mächtigen und nun zerschlagenen Westdeutschen Landesbank abzustoßen.

Ein bundesweiter Proteststurm zog auf, auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) warnte vor einer Abwanderung von national wertvollem Kulturgut - und diesmal reagierte die rot-grüne Landesregierung früh genug. Monatelang verhandelten das Land und Portigon über einen Ankauf der Kunstwerke, die von mittelalterlichen Altartafeln bis zu einem Nagelbild von Günther Uecker reichen.

Am Montag wurde der Vertrag besiegelt: Der Großteil der fast 400 Kunstwerke wird vom Land gekauft und in eine landeseigene Stiftung überführt. 30 Millionen Euro kosten die 297 wichtigsten Kulturgüter, deren Marktwert aber inzwischen bereits höher liegen dürfte. In der Gesamtsumme inbegriffen ist auch die auf fünf Millionen Euro geschätzte Stradivari "Lady Inchiquin". Stargeiger Frank Peter Zimmermann hatte sie zehn Jahre gespielt, musste sie abgeben und bekommt sie nun in Kürze zurück. Binnen zehn Wochen sollen die gekauften Kunstwerke an Museen in ganz NRW verteilt werden.

Viel Zeit blieb NRW für den Kauf nicht mehr, denn Portigon als Nachfolgerin der WestLB muss sich nach EU-Regeln abwickeln, also praktisch auflösen. "Jetzt sind die Werke für das Land gesichert und der Rückbau nicht gefährdet", sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). Portigon-Vorstandschef Peter Stemper wählte nach Abschluss der Verhandlungen am Runden Tisch diplomatische Worte: "Alle Beteiligten haben Zeit benötigt, die jeweilige Interessenslage ihres Gegenübers zu verstehen."

Doch mittlerweile ist bereits eine weitere Kunstsammlung unter den Hammer gekommen. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) ließ kürzlich mehr als 20 Werke unter anderem von Max Beckmann und Ernst Ludwig Kirchner in London versteigern und erzielte fast drei Millionen Euro. Weitere 20 Arbeiten sollen im Herbst folgen. WDR-Intendant Tom Buhrow hatte den Verkauf mit der schwierigen Haushaltslage des größten ARD-Senders begründet.

Inzwischen hat Kulturstaatsministerin Grütters ein bei Sammlern, Galeristen und Händlern umstrittenes Gesetz zum besseren Schutz von Kulturgütern in Deutschland auf den Weg gebracht. Was bei aller Kritik daran fast in Vergessenheit geriet: Auslöser für die Neuregelung war auch der Verkauf der Westspiel-Warhols und das Ringen um die WestLB-Kunst. Das Gesetz, über das am Freitag der Bundesrat befinden soll, stellt höhere Hürden für den Verkauf wertvoller Kunst ins Ausland auf.

Der Verkauf der in den 60er Jahren entstandenen Warhol-Bilder wäre aber auch mit dem neuen Gesetz wohl nicht zu verhindern gewesen. NRW will künftig zumindest die landeseigenen Unternehmen mit einem Kodex verpflichten, sorgsam mit Kunst umzugehen. Geplant sei unter anderem ein Vorkaufsrecht für das Land, sagte Kunstsammlungschefin Marion Ackermann. Die Kunst in Unternehmen solle auch vor Zerstörung besser geschützt werden. Damit sich nicht Ähnliches wie im Aachener Casino wiederholt, wo ein Lichtregen von Heinz Mack auf dem Müll landete.

dpa


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