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Kultur Muss Theatrio im Sommer schließen?
Nachrichten Kultur Muss Theatrio im Sommer schließen?
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17:45 21.02.2018
Zu Gast im Theatrio: „Elliot und Isabella im Finsterwald“ müssen vielleicht bald ausziehen.
Hannover

Steht das Theatrio vor dem Aus? Hört man Geschäftsführer James McDowell, dürfte das beliebten Figurentheaterhaus ab Sommer dieses Jahres Ge­schichte sein: „Wenn nichts passiert, müssen wir aufgeben und unseren Spielbetrieb einstellen.“

Und das trotz einer Re­kordauslastung und 23 Prozent Steigerung der Zuschauerzahlen – allein 9000 Kinder (2017) haben hier Vorstellungen wie „Pippi Langstrumpf“, „Ritter Pumperhoos“ und „Däumelinchen“ gesehen. Dazu kommen noch 2000 erwachsene Figurentheaterfreunde, die sich bei Stücken wie „Siehste – Szenen einer Ehe von Loriot“ amüsieren.

Das Theatrio zieht sein Publikum mit Gastspielen renommierter Figurentheaterbühnen aus dem gesamten Bundesgebiet – der Hochschule für Schauspiel Ernst Busch aus Berlin oder dem Ambrella aus Hamburg.

Grund für die nahende Schließung: Es gibt keine Verlängerung des Mietvertrages – und keinerlei Kontakt, um die Situation zu besprechen, so Geschäftsführer James McDowell.

Die Lage: Das Figurentheater hatte einen Mietvertrag bis Ende 2017. Der ist ausgelaufen. „Seitdem sind wir hier nur geduldet“, so McDowell. Eine Verlängerung sei gleichsam hintenrum verweigert worden. Als man im zuständigen Wirtschaftsdezernat nachfragte, hieß es dort, das Kulturbüro habe gesagt, das wäre nicht möglich, das Theatrio gebe es nicht mehr lange: „Klar, dass man da nervös wird.“

Die Verlängerung des Mietvertrages ist unbedingt nötig, damit die Bühne Verträge für Gastspiele ab­schließen kann. „Wir müssten jetzt schon die gefragten Weihnachtsaufführungen buchen, sonst holen die sich andere Häuser.“ Auch sonst sei im Moment keine Planungssicherheit gegeben.

Das bekannte Figurentheaterhaus mit der markanten Riesenhand am Großen Kolonnenweg gehört der Stadt, die es vermietet. Das Theatrio bekomme aus der Spielstättenförderung der Stadt gut 50 000 Euro pro Jahr und reiche davon etwa 20 000 Euro Miete wieder an die Stadt zurück: „Auch ansonsten können wir alle Rechnungen bezahlen“, so James McDowell.

Der Geschäftsführer hat nun die Befürchtung, dass von Seiten der Stadt das Kulturbüro das Figurentheaterhaus „plattmachen“ will: „Unsere Arbeit soll wohl auf dem kalten Wege beendet werden.“ Als wenn die Kulturverwaltung der Stadt da­rauf hoffe, „dass wir hier still und leise einpacken und verschwinden“. Schlimm sei, dass erzählt wird, dass das Theatrio schließt: „So verlieren wir auch weitere Förderer.“

„Wir haben versucht, mit dem Kulturbüro oder dem Kulturdezernenten zu sprechen – keine Chance“, so der Geschäftsführer. Dezernent Harald Härke habe man in diesem Theater noch nicht begrüßen können.

Warum der Vertrag nicht verlängert wird, ist dem Geschäftsführer nicht klar: „In diesem Gebäude ist ja nichts anderes möglich als Figurentheater.“ Die Bühne sei für konventionelle Aufführungen viel zu niedrig, es gebe auch keinen Backstage-Bereich für die Schauspieler und auch sonst nicht genug Platz für die notwendige Technik.

Die Stadt hat da eine etwas andere Sicht, spricht in einer Stellungnahme vielmehr davon, dass sie in engem Kontakt mit der Geschäftsführung stehe – und eine Verlängerung des Mietvertrages nicht für möglich halte. Grund: Das Figurentheaterhaus würde nicht einem mit der Stadt getroffenen Vertrag entsprechend arbeiten, der vorsieht, dass das Haus den hannoverschen produzierenden Figurentheatern vorbehalten sei.

Kritikpunkt ist der Gastspielbetrieb: Deshalb sei eine Verlängerung des Mietvertrages über den 30. Juni hinaus nicht möglich.

Was mit dem Haus passieren soll, sagt das Kulturdezernat nicht. Nur soviel, dass das Gebäude „bis zu einer Entscheidung über die zukünftige Nutzung nicht in den Immobilienverkehr übertragen“ wird.

Die Stadt hat offensichtlich anderes mit dem Gebäude vor, sie würde nämlich die technische Ausstattung des Theaters übernehmen und im zweiten Halbjahr 2018 eine offene Ausschreibung für die „zukünftige theaterspezifische Nutzung“ des Gebäudes einleiten – was der Rat beschließen soll.

Kompliziert wird die Sache dadurch, dass die Geschäftsführung das Theatrio zwar weiter betreiben möchte, die Gesellschafter der Theatrio GmbH diese aber auflösen möchten – so die Stadt: Die derzeitige Geschäftsführung könne sich dann ja bei der offenen Ausschreibung neu bewerben.

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Von Henning Queren

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