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Zwei Mann in einem Bad: Jakob Benkhofer (links) und Tim Golla spielen „Haus“ bei Feinkost Lampe.

Zwei Mann in einem Bad: Jakob Benkhofer (links) und Tim Golla spielen „Haus“ bei Feinkost Lampe.
© www.fotowilde.de

Theater

Mit dem Stück „Haus“ in den Musikclub

Die freie hannoversche Theatergruppe Operation Wolf Haul hat im vergangenen Jahr eine entwidmete Kirche in Linden zur Bühne gemacht. Jetzt geht es mit „Haus“ in den Musikclub Feinkost Lampe.

Hannover. Jakob ist abgefuckt. Tim ist sonderbar. Das ist ein gewichtiger Unterschied: „Sonderbar wird man geboren, angefuckt muss man erst noch werden“, weiß Jakob Benkhofer. Er spielt ab Sonnabend den anderen Jakob, den abgefuckten, in der Off-Theater-Produktion „Haus“ des kanadischen Autoren Daniel MacIvor.

Dieser Jakob hat seine Frau verloren, er hat sein Haus verloren, er hat sein Job bei der Fäkalienbeseitigung verloren. Jetzt sitzt er in einer Kreativtherapie, bastelt und modelliert, damit die Hände etwas zu tun haben und der Kopf nicht explodiert, und träumt davon, in den Norden zu ziehen, in den ganz hohen Norden. Vorerst aber ist er ganz unten angekommen, in einem Keller. Den doubelt der Lindener Musikclub Feinkost Lampe. Dessen Macher Claudia Pahl und Arne Jantos haben den „Haus“-Machern quasi ihr Haus überlassen.

„Uns war von Anfang an klar, dass wir das Stück genau hier machen wollen“, sagt Regisseur Volker Bürger, der „Haus“ mit seiner Gruppe Operation Wolf Haul auf die Beine stellt. Im vergangenen Jahr realisierte er in der entwidmeten Gerhard-Uhlhorn-Kirche in Linden-Nord das Stück „Kalb“. „Für mich sind diese Arbeiten so etwas wie Forschungsprojekte: Ich will sehen, wie man unter anderen Bedingungen als in denen eines Staatstheaters gearbeitet werden kann. Und auch an anderen Orten, an Orten, wo sonst kein Theater gemacht wird, weil sie eine Geschichte mitbringen.“

Und so wird Benkhofer zwischen Kneipenmobiliar und Discokugel, Theke und DJ-Pult, inmitten des Publikums spielen. Ihn hat gerade die Direktheit der Inszenierung gereizt. Benkhofer war von 2012 bis 2016 Ensemblemitglied am Schauspielhaus war und wurde mit seinem kraftvollen Spiel zu einem Publikumsliebling. Er sagt: „Ich wollte mich ein bisschen ausprobieren; mich interessiert die Intimität des Raums; ich wollte mich.“ Ganz nah geht es ran an die Besucher. „Es wird aber kein Mitmachtheater“, betont Regisseur Bürger: „Das finde ich immer unfair.“ Bürger verspricht „Wärme, Tempo und Humor“.

Ein paar Spiegel, ein paar Paletten und eine multifunktional einsatzbare Badewanne haben die Theatermacher mitgebracht: „Das ist mein kleines Reich“, sagt der Musiker Tim Golla, der in dem Zwei-Personen-Stück als Jakobs Kumpel Tim agiert: „Hier produziere ich meine Sounds; die Wanne kann mal einfach nur Wanne sein, aber auch mal ein Wildwasserkajak oder ein Bus.“

Golla untermalt den gesamten Abend mit experimentellen Klängen: „Inuit-Gesänge mit Elektronik“, auch nicht unpassend für den Club, der für kleine, feine, gerne avangardistische Konzerte bekannt ist. Weswegen Benkhofer auch betont, dass „Haus“ nicht nur Theater, sondern auch Konzert sei.

Vor allem aber ist es die Geschichte eines Menschen, der viel verloren hat und immer noch träumt: „Das Gefühl, dass einem der Boden weggezogen wird, kennt, glaube ich, jeder“, sagt Benkhofer. Und das ist weder abgefuckt noch sonderbar.

Die Premiere von „Haus“ ist am 27. Mai ab 20 Uhr bei Feinkost Lampe (Eleonorenstr. 18). Weitere Aufführungen: 28. und 30. Mai, 6. und 7. Juni sowie im Herbst. Mehr Informationen gibt es hier.

Von Stefan Gohlisch


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