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BOND SETZT BLEI FREI: Das 23. Abenteuer von 007 (Daniel Craig) ist ein Fest für die Freunde handfester Agenten-Action.

BOND SETZT BLEI FREI: Das 23. Abenteuer von 007 (Daniel Craig) ist ein Fest für die Freunde handfester Agenten-Action.

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Filmkritik

Mit „Skyfall“ gehts tiefer denn je in das Privatleben des Agenten mit der Lizenz zum Töten

Das Bild mag schief sein, gewiss, aber das Gemächt ist sozusagen die ... ähem ... Achillesferse des gemeinen Superschurken.

Leute mit Allmachtsanspruch haben wenig Zeit für horizontale Raffinesse, aber partout etwas dagegen, wenn ihre von erotischen Standards gelangweilten Gespielinnen für gewisse Stunden zu Bond-Girls werden. Legendär ist beispielsweise Auric Goldfingers Eifersucht. Der ließ 1964 die süße Jill Busterson glatt mit tödlichem Gold bepinseln.

Auch der neueste Bond-Bösewicht Raoul Silva (Javier Bardem) ist nicht frei von Sexualneid. Er beschert Bond in den Ruinen einer verlassenen Insel einen bitteren Wilhelm-Tell-Moment. Einen Whiskey soll 007 der schönen Sévérine vom Kopf schießen, mit der er gerade noch unter Deck eines Segelboots angenehm textilfrei zuwege war. 007, nervlich angeschlagen von einer Nahtoderfahrung, ist zittrig mit der Pistole. Da übernimmt Silva, der irre Landvogt-Gessler-Typ, den Tell-Part, schießt Sévérine tot, einfach so, grinst breit und wird in diesem Augenblick vom ganz gewöhnlichen Bond-Gegner zu dessen Todfeind. Dabei sind die beiden doch, wie sich im Verlauf des Films ergeben wird, gewissermaßen Brüder.

An Tragik nimmt es mit „Skyfall“, dem 23. James-Bond-Streifen, kein Film der nunmehr 50 Jahre alten Reihe auf. „Skyfall“ handelt von Verrat, Loyalität, Vergeltung. Bonds Chefin M (Judi Dench) hatte den Tod ihres besten Mannes einkalkuliert, um eine Liste mit den Namen von Agenten wiederzubekommen, die in den Terrororganisationen der Welt arbeiten. „Take the bloody shot!“, hatte sie Bonds Mitkämpferin Eve (Naomie Harris) angebellt, die schoss den Kollegen statt den Dieb vom Dach eines fahrenden Zugs. „Agent down“, ging die Meldung an den MI 6. Die Geheimdienstzentrale fliegt bald darauf in die Luft, die Liste wird ins Internet gestellt, die düpierten Terrorbanden exekutieren flugs ihre Unterwanderer: Krise des Westens, M’s Kopf soll rollen.

Und Bond, der von den Toten zurückgekehrt ist, soll doch bitte gleich mit aufs Altenteil. Zeit für junge Leute, frische Ideen, jeder ist ersetzbar. Ein neuer Q kommt beispielsweise des Weges, ein Nerd von Quartiermeister mit viel Brille und viel Haar (Ben Whishaw). Die Ziehmutter und ihr „Sohn“ haben jetzt nur noch einander. Und Bösewicht Silva, der alles erreicht hat, was weltherrschaftsgierige Su­per­verbrecher erreichen können, trachtet nur noch nach Rache. M ist sein Ziel. Geheimnisse ziehen aus dem Gestern herauf. Wenn du noch eine Mutter hasst ... Es wird existenziell.

Sam Mendes („American Beauty“) hat „Skyfall“ inszeniert und führt uns tiefer in Bonds Vergangenheit denn je. Stimmt, Roger Moore stand zu Beginn von „In tödlicher Mission“ auch mit Blumen am Grab seiner Eltern, da sah das aber alles ganz sonnig aus. In „Skyfall“ hängen die Himmel tief überm Nebelreich Schottland. Die Grabsteine von Andrew und Monique Bond (Mendes hält sich an den von Ian Fleming verabreichten Namen der Mutter) stehen auf einem düsteren Gottesacker in der Nähe des düsteren Familiensitzes, und Bond betätigt die Maschinengewehre in den Blinkern des guten alten Aston Martin.

Showdown mit Guerillakriegswaffen und abgesägten Schrotflinten im Harry-Potter-Land. Hier wie dort sind zwei Waisenkinder die Antipoden. Und dass „Waisen die besten Kämpfer gegen das Böse sind“ (das gesteht M ihrem Favoriten), hätte auch gut von Joanne K. Rowlings Dumbledore kommen können, als der in den späteren Potter-Geschichten ins moralische Zwielicht geriet. Alles endet hier. James Bond gegen Voldemort in Klein Hogwarts.

„Was ist Ihr Hobby?“, hatte Silva Bond bei ihrer ersten Begegnung gefragt. „Wiederauferstehung“ war die Antwort. Mit diesem Film ist Daniel Craig endgültig etabliert, der Durchhänger des Vorgängerfilms ist überwunden. Wir haben Action, von furios bis handfest, der Sarkasmus ist wieder zurück, wir erleben neue Seiten - einen ausgebrannten, zornigen, am Boden zerstörten Bond. Und ein wenig Eros gibts obendrein, auch wenn die Frau, die Bond mitten im Film rasiert, am Ende in ganz anderer Funktion in sein Leben zurückkommt. Jedes Ende ist ein Anfang. Bond 24 ist in Planung. Das alles nennen 007-Fans ein Quantum Trost.

Bewertung: 5/5


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