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UNTERWEGS UND ANGEKOMMEN: Auch wenn Miss Platnum sitzt, steht sie zu den Dingen, die sie macht.

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Interview

Miss Platnum über ihre Rolle bei "Popstars"

In der jüngsten „Popstars“-Staffel arbeitete sich Ruth Maria Renner alias Miss Platnum am musikalischen Nachwuchs ab. Auf ihrem neuen Album „Ich war hier“ realisiert die Berlinerin weiter ihre Vision eines deutschen R’n’B.

Hannover. „Ich war hier“ - das klingt nach Reviermarkierung und Standortbestimmung. Ist es das?

Genau so kann man es sagen. Kein anderer Satz von dem Album beschreibt das so genau, wofür es steht - und dann auch noch aus „Reise“, was ein Kernlied ist. Ich sage als Künstlerin mit jedem Album: Ich war hier!

Wo ist dieses „Hier“? Und wer ist dieses „Ich“ - Miss Platnum, Ruth Renner oder wer anderes?

Puh. Ich kann zu 1000 Prozent sagen, dass ich auf der Reise bin - und zugleich total angekommen. Dieses Jahr habe ich mich gefühlt sehr locker gemacht und zu vielen Dingen, die ich sonst abgelehnt hätte, „Ja“ gesagt.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel, dass ich in der Jury zu „Popstars“ saß. Dass ich es geschafft habe, in drei Monaten ein Album gemacht zu haben. Ich drehe nicht mehr alles hundertmal um, ich sage einfach mal: „Stopp, der Song ist jetzt fertig.“ Jetzt lief das alles sehr straight und sehr reduziert. Ich meine, ich habe früher auch mal gesagt, ich würde nie deutsch singen ... Locker machen und leichtfüßig sein - das ist der Stand der Dinge.

Die Rap-Anteile sind noch mal geschwunden, der Balkan-Beat sowieso. Es klingt ein neuer Pop-Wille durch ...

Bei diesem Album habe ich mit einem komplett neuen Produzenten gearbeitet. Und wo es vorher, mit meinem alten Team, wie bei einer Band kollektiv funktionierte, habe ich diesmal viel mehr gelenkt. Es ist jetzt auf den Kern dessen gebracht, was ich will, viel klarer strukturiert.

Kommt es daher, dass dieses Album vor Selbstbewusstsein strotzt?

Es ist schon ein großer Umbruch. Dieses Team hat mich lange begleitet, nicht zu vergessen solche Erfolge wie „Lila Wolken“. Wir lieben uns auch immer noch über alles. Aber ich hatte das Gefühl, ich muss mal alleine etwas machen.

Beim Kollegen Marteria hieß es mal: „Bevor die lila Wolken kommen, sind alle längst zu Hause.“ Wie sieht es bei Ihnen aus?

Mal so, mal so. Ich bin nun mal ein recht ambivalentes Wesen. In manchen Phasen lebe ich fast asketisch, in anderen bin ich sehr feierwütig. Wenn ich kreativ arbeite, kann ich es mir nicht wirklich leisten durchzufeiern. Aber ich brauche beides, auch das Gläser-an-die-Wand-Werfen.

Die „Zeit“ schrieb mal über Sie „Trink, Schwester, trink“, ein neuer Song heißt „Köpf’ die Flaschen“. Klingt recht rustikal.

Wobei ich, glaube ich, auch noch nie so zerbrechlich klang wie auf diesem Album. Es gibt diese sensible Seite, auch wenn ich mir immer wieder sage, es muss halt weitergehen. Und „Köpf’ die Flaschen“ ist nun mal auch ein Trennungslied, darüber, dass man sich abschießt, weil man es anders nicht aushält. Ich kann sehr gut funktionieren, aber ich habe eben auch heftige Schutzmechanismen.

In „Mdchn“ singen Sie „Mädchen sind die besseren Jungs“. Sind Sie womöglich Feministin?

Ja, natürlich (lacht). Wobei ich mir über solche Schubladen nie Gedanken gemacht habe. Ich mache die Sachen halt so, wie ich es für richtig halte, bei meiner Musik oder auch sonst, eben auch als Frau. Dass ich so zu einer Art Rollenvorbild werde - okay. Letztlich geht es bloß darum, immer zu dem stehen zu können, was man macht.

Und das gilt auch für „Popstars“?

Ich bin dahingegangen, weil es bei dieser Staffel nur um Musik gehen sollte, um Expertise und Kämpfen, und nicht darum, dass möglichst viel geheult wird. Ich glaube, dass der vermeintliche Misserfolg eben daher kam, dass die Sendung auf RTL II lief, das dortige Publikum einfach andere Sachen gewohnt ist und dass „Popstars“ lange unter dem Stern von Detlef „D!“ Soost stand, der eben stand für „Heulen, Schreien und lustige Sprüche“. Ich habe mich da ständig hinterfragt, und wenn mir etwas nicht gefallen hat, bin ich gleich zur Redaktion gegangen. Ich habe mich nie verstellt.

Haben Casting-Shows heute noch Relevanz?

Das kann ich nur mit Fragezeichen beantworten. Ich glaube aber, dass solche Sendungen für manche der richtige Einstand ins Geschäft sind. Das habe ich den Kandidatinnen immer gesagt. Aber auch: „Wenn ihr keine eigene Vision habt, wird das sowieso nichts.“

Wäre es nicht total gemein, wenn Sendung und Band total durch die Decke gegangen wären - im Gegensatz zu Musikern wie Ihnen, die seit Jahren an ihrer Vision arbeiten?

Woran bemisst sich Erfolg? Ich weiß, dass ich jeden Abend nach Hause gehen und in den Spiegel blicken kann. Ich meine, ich habe einen Platin-Hit. Das muss ich nicht mehr toppen. Aber ich mache trotzdem weiterhin Alben. Da muss ich mir selber auf die Brust klopfen und sagen: Es gibt in Deutschland nicht so viele Künstlerinnen, die so viel draufhaben wie ich. Ich stehe für etwas. Und ich mache Musik, weil ich dafür brenne. Und wenn so eine Band durch die Decke ginge, würde ich mir auch das auf die Brust schreiben: weil ich nun mal in dieser Jury saß. Aber jetzt geht es erst einmal um das neue Album.

Miss Platnum: „Ich war hier“ (Virgin).


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