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MEISTER DES GRAUENS: Mehr als60 Romane hat Stephen Kingveröffentlicht. Der neueste, „Mind Control“, ist wieder ein guter.

MEISTER DES GRAUENS: Mehr als 60 Romane hat Stephen King veröffentlicht. Der neueste, „Mind Control“, ist wieder ein guter.© Maja Hitij

Literatur

"Mind Control" - der neue Roman von Stephen King -

Sie hebt den Blick, als sie ihren Namen hört. „Hallo, Schwester Scapelli“, hat eine Stimme gesagt, und die Angesprochene erkennt den dazugehörigen Mann sofort - Brady Hartsfield.

Seines Zeichens Attentäter, der nach einer für ihn unglücklichen Reihe von Ereignissen wenig lebensfähig scheinend in einem Krankenhaus vegetiert. Und eben zwischendurch im Wohnzimmer der Krankenschwester Scapelli, die ihn zuvor bedroht hat, halb ängstlich, halb wütend. Kurz nach der Begegnung ist die Frau das, was der Leser sich so sehr für Hartsfield wünscht. Tot.

Stephen King hat soeben seinen neuesten Roman veröffentlicht, „Mind Control“ (Heyne, 22,99 Euro, 528 Seiten), und wie der Name schon verrät, geht es darin um Menschen, die Dinge tun, die sie vielleicht nicht so tun wollen. Scapelli wollte nicht sterben.

Aber es ist das Werk des erfolgreichsten Horrorautors unserer Zeit. Die kleinen Kinder wollten damals nicht von einem Clown getötet werden. Und niemand die toten Kuscheltiere wiedersehen. Blöde Nummer, aber der Tod ist bei King eben steter Wegbegleiter.

„Mind Control“ ist der dritte Band der „Hodges“-Trilogie, die sich mit dem in den Ruhestand gegangenen Kommissar Bill Hodges beschäftigt - kann aber auch ohne Vorahnung gelesen werden. Beginnt die Reihe noch wie ein handelsüblicher Krimi, zeichnet sich am Ende des zweiten Bandes die kingsche Übersinnlichkeit bereits ab. Im dritten Band nun übernimmt sie, wenn der Täter mit Telekinese und Tablet-Spielkonsolen hinrichtet, wer ihm in die Quere kommt. Dass dabei das vorrangigste Ziel eben jeder Ex-Kommissar ist, der für seine prekäre Lage hauptverantwortlich ist - wenig überraschend.

Hodges selbst ahnt im Verlauf der Geschichte nicht nur recht schnell, dass die diversen weiteren Suizide in Verbindung mit seinem Nemesis stehen - sondern wird von King auch liebevoll als Charakter weitergezeichnet, der im dritten Band nicht nur und nach wie vor gegen innere Dämonen, sondern auch sehr konkret um seine Gesundheit kämpfen muss. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Bei Scapelli war er zu langsam, Hartsfield hatte sich längst zur Hinrichtung entschieden, nachdem sie ihm im Krankenhaus mit der Misshandlung gedroht hatte. Wie so viele vor allem aus Angst. „Ich bin garstig, ich bin mieses garstiges Biest. Niemand wird sich für mich einsetzen“, schrieb sie noch ihrer Mutter.

Das Netz jener, die der Psychopath in den Tod treiben will, ist riesig, und der Leser begleitet ihn dabei, wie aus kleinen Experimenten der Gedankenkontrolle ein immer wirksameres Mittel dafür entsteht. Ein Arzt dient ihm als Handlanger, ferngesteuert von Zimmer 27 aus.

„Mind Control“ ist ein dicht erzählter King, spannend und trotz der starken übersinnlichen Komponente nie albern oder drüber. Hartsfields Opfer werden in aller Regeln mit Hilfe realer Ängste in den Tod getrieben, was mitreißt - und zum Fürchten ist.

Ganz gleich, ob King nur kurz Charaktere einführt und diese sofort hinrichten lässt oder die bekannten Figuren weiterentwickelt (und manchmal natürlich auch hinrichtet): „Mind Control“ ist ein sehr guter King, dazu ein starker Abschluss der Trilogie, die in Teilen neues Terrain für den 68-Jährigen darstellte.

Bewertung: 4/5

Das passierte in den ersten zwei Bänden der Krimi-Trilogie

Es fing alles ganz normal an – für einen Krimi jedenfalls. „Mr. Mercedes“, der erste Band von Stephen Kings Bill-Hodges-Trilogie, ist ein ungewöhnlicher King. Keine in Hotelfluren erscheinenden Kinder, keine wahnsinnigen Hunde – sondern: ein Durchgeknallter, der in einer nicht näher benannten Stadt im Mittleren Westen der USA in der Wirtschaftskrise mit einem Mercedes in eine Menge wartender Menschen rast. Und: erfolgreich verschwindet. Eine unfassbare Gewalttat, die viele Familien in der Stadt in irgendeiner Form persönlich betrifft. Den gerade in den Ruhestand versetzten Polizist Bill Hodges treibt sie auch lange Zeit später noch um. Es beginnt eine intensive Suche nach dem Täter. Der Mörder ist besessen, voller Hass, lebt gleichzeitig noch bei seiner Mutter – auch sie muss dran glauben, versehentlich zwar, aber am Ende ist es für den „Mercedes-Killer“ auch nur ein weiteres Opfer. Bei dem Konzert einer Teenie-Pop-Band, bei der Brady Hartsfield hunderte Jugendliche in den Tod reißen will, kommt es zum Showdown zwischen ihm und Hodges, der inzwischen ein kompetentes Team um sich geschart hat. Im zweiten Teil dann, „Finderlohn“, rückt die Begegnung in den Hintergrund. Wie in vielen seiner Werke beschäftigt sich King mit dem Beruf des Schriftstellers – und lässt einen solchen, John Rothstein, von einem wahnsinnigen Verehrer, Morris?Bellamy, ermorden. Der Fan findet jede Menge Skripte und unveröffentlichte Werke – und kommt kurz darauf wegen einer anderen Tat ins Gefängnis. Seinen Schatz versteckt er. Nicht jedoch gut genug, dass der nicht gefunden wird. Der Junge Peter Saubers gräbt die Bücher aus – zufällig ist auch er Rothstein-Fan und begeistert über den Fund. Den er nur begrenzt genießt, sich stattdessen mit dem Verkauf auseinandersetzt. Denn sein Vater ist Opfer des „Mercedes-Killers“ gewesen – hier kommt die Verbindung zum ersten Band ins Spiel. Der Sohn will seine bis heute darunter leidende Familie unterstützen. Und ist schnell Teil eines perfiden Katz-und-Maus-Spiels, als Bellamy freikommt. Ein Spiel, in das sich – natürlich – auch Detektiv Bill Hodges mit seinem Team einmischt. Wenig überraschend kämpft der inzwischen sonst ganz ausgeglichene Rentner noch immer mit seinem einzig wahren Dämonen – Brady Hartsfield, der zwar als Häufchen Haut und Knochen in einem Krankenhaus vor sich hin vegetiert, Hodges aber gedanklich trotzdem nicht in Ruhe lässt. Immer wieder besucht er den Mörder, nicht gerade zur Freude seiner Bekannten, die sich Sorgen um den Polizisten machen. Und während sich der kleine Peter Saubers zu einem Wrack entwickelt angesichts seiner Flucht vor dem Schriftsteller-Mörder, kommt auch Hodges immer näher an die verstörende Einsicht, dass sein Erzfeind gar nicht so hilflos sein könnte, wie er den Anschein erweckt – der Startschuss für den dritten Teil einer kaum vorhersehbaren und dafür umso spannenderen Serie des Horrormeisters.seb


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