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Milow

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Interview

Milow - „Live-Energie einfangen“

Milow („Ayo Technology“) ist mit seinem neuen Album auf Tour: „Modern Heart“. Der Sänger spricht im NP-Interview über Eisbären, Einsamkeit und Brüssel nach den Anschlägen. Am 20. August ist er beim „Stars for Free“-Festival auf der Expo-Plaza.

Auf dem Cover Ihrer neuen CD und im Video „Howling at the Moon“ sieht man Sie in einem Eisbärenkostüm. Was wollen Sie damit sagen?

Dieses Kostüm symbolisiert meinen Außenseiterstatus. Denn so fühle ich mich an den meisten Orten, die ich besuche. Ich meine, mir gefällt es sogar, dass man mich in Los Angeles nicht kennt, es hilft mir dabei, einen frischen Blick auf meine Musik zu werfen.

Wie sind Sie zu dem Kostüm gekommen?

Ich war tags zuvor auf der Jagd und hatte das Glück, einen Eisbären zu schießen.

Sie flunkern!

Nein, es war kein echter Eisbär, sondern ein altes müffelndes Kostüm, das ich in Burbank in einem Filmstudio fand.

Das zweite Stück auf Ihrem Album heißt „The Lonely One“. Sind Sie einsam?

Ich komme sehr gut mit mir selbst klar und habe selten das Gefühl, einsam zu sein. Dieser Song handelt eher davon, was man von einem Wochenende erwartet. Ich wollte den Moment einfangen, in dem alles möglich ist: Man kann neue Leute kennenlernen und verrückte Abenteuer erleben. Dafür habe ich mir zwei einsame Seelen vorgestellt, die sich zufällig begegnen. Aber nicht im Internet, sondern im wahren Leben.

Macht Erfolg einsam?

Nein. Dazu muss ich sagen, dass ich mich in meiner Freizeit selten an Orten aufhalte, an denen man mich erkennen könnte. Ich kann mich definitiv nicht beschweren über meinen Job.

Wie ehrgeizig sind Sie?

Ich mag den Wettstreit. Das hat etwas mit meiner Leidenschaft für Sport zu tun. Und damit, dass man mir früher immer einreden wollte, man könne mit Musik nichts gewinnen und ich solle mir doch einen richtigen Job suchen. Diese Jahre haben sich auf meiner Festplatte eingebrannt und treiben mich heute an. Ich will beweisen, dass diese Leute damals unrecht hatten. Natürlich möchte ich meine Musik unters Volk bringen. Ich liebe es aufzutreten.

Was kann man von Ihnen live erwarten?

Mit dem neuen Album habe ich meinen Sound upgedatet. Dasselbe tue ich jetzt mit meinen Konzerten. Der Fokus liegt dabei definitiv auf dem neuen Material. Ich will nicht zu viel verraten, aber es wird alles frischer: die Songs, die Sounds, die Live-Performance.

Wie viel Zeit verbringen Sie noch in Belgien?

Voriges Jahr war ich acht Monate in den USA. Aber Belgien ist und bleibt meine Basis.

Wie haben die Anschläge von Brüssel Ihr Land verändert?

Sehr. Es war für alle Belgier eine traumatische Erfahrung. Die Flughafenhalle, in der die Bombe explodierte, ist immer noch nicht wiederhergestellt. Der Flughafen ist ein Symbol dafür, dass unser kleines Land ein Tor zur restlichen Welt hat. Und nun arbeitet er nicht mehr wie gewohnt. Das hat die Atmosphäre in Belgien sehr verändert. Brüssel leidet wirklich, die Hotels, die Restaurants und sogar die Musik-Clubs sind seit den Anschlägen halb leer. Ich hoffe, dass Brüssel bald zur Normalität zurückkehren kann.

CNN behauptete direkt nach den Anschlägen, Belgien sei ein gescheiterter Staat ...

Brüssel ist eine komplizierte Stadt, aber das sind doch fast alle Metropolen. Ich würde niemals sagen, dass Brüssel ohne Abstriche eine großartige Stadt ist, aber es stimmt auch nicht, dass dort alles schrecklich ist. Das ist eine Übertreibung. Belgien ist auch kein gescheiterter Staat, es ist nicht Somalia, wo gar keine Infrastruktur mehr existiert. Es stimmt aber, dass in Belgiens Institutionen vieles nicht besonders gut organisiert ist.

Was zeichnet die belgische Mentalität aus?

Das kann man eigentlich nicht verallgemeinern, wir sind ja elf Millionen. Belgier sind introvertierter und schüchterner als Deutsche. Aber es gibt natürlich viele Ausnahmen.

Ihr Album heißt „Modern Heart“. Wie modern ist Ihr Herz?

Ich würde sagen, ich stehe mit einem Fuß in der Tradition der klassischen Songschreiber und Künstler, die mich am Anfang inspirierten. Mit dem anderen Fuß stehe ich definitiv im Jahr 2016. Ich finde, wir leben in einer spannenden Zeit. Als ich in den 90ern aufwuchs, war die Popmusik noch nicht so eklektisch wie heute, die Leute hörten meist immer nur eine bestimmte Richtung und lehnten alles andere mehr oder weniger ab. Was mir am Heute gefällt, ist, dass eine Vielzahl von musikalischen Stilen und Genres gehört werden.

Kann man so eine Produktion heute nur in den USA machen?

Der Vorteil an Los Angeles ist, dass sich dort extrem viele Produzenten und Musiker aus allen Teilen der Welt angesiedelt haben, die ganz unterschiedlich arbeiten. Für jemanden wie mich ist L. A. ein Mekka. Ich denke, man hätte das Album auch in Europa machen können. Aber es hätte dann auch eine Metropole sein müssen, denn für „Modern Heart“ brauchte ich die Energie einer Großstadt. Die Songs verströmen die Atmosphäre einer Großstadt bei Nacht.

Arbeiten Sie am liebsten nachts?

Nicht zwangsläufig. Es ist eher so, dass mich die Beats, Geschmäcker und Farben auf dieser Platte an die Nacht erinnern. Konzerte finden ja in der Regel am späten Abend statt, deswegen wollte ich in den Songs etwas von der Live-Energie einfangen. Ich habe sie mit den einfachsten Mitteln aufgenommen.

 Karten für „Stars for Free“ kann man nicht kaufen, sondern nur über Antenne Niedersachsen gewinnen. Mehr Informationen:

starsforfree.antenne.com

NPVISITENKARTE

Geboren am 14. Juli 1981 in Borgerhout in Belgien, eigentlich Jonathan Vandenbroeck, englisch singender Singer-Songwriter. Aufgewachsen nördlich von Brüssel. 2004 erste Auftritte im Musikwettbewerb „Humo’s Rock Rally“. 2006 „The Bigger Picture“, das erfolglose Debütalbum. 2007 begann mit der Single „You Don’t Know“ die internationale Karriere. 2008 Erfolg mit der Cover-Version „Ayo Technology“ von 50 Cent und Justin Timberlake. Der Song erreichte in vielen Ländern Platz eins. 2011 verkaufte sich die Single „You and me (In my Pocket)“ in Europa 150 000-mal. „Modern Heart“ (2016) ist das sechste Album.

VON OLAF NEUMANN


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