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DIE HÄNDE ZUM HIMMEL: Michael Patrick Kelly dirigierte seine Anhänger nach Belieben. © Frank Wilde

Konzert

Michael Patrick Kelly begeistert im Aegi

Michael Patrick Kelly ist noch mal davongekommen, wenn auch nur aus Gründen des Anstands, das stellte sich rasch nach seinem Konzert in Theater am Aegi heraus. „Ich hätte ihn anspringen können“, berichtete eine atemlose rothaarige Dame zwei Freundinnen im Gang bei den Garderobeschränken, „aber das gehört sich ja nicht.“

Hannover. Man ahnt: Michael Patrick Kelly, vormals der Paddy der vormaligen Kelly Family, ist seinen Anhängern bei seiner „Human“-Tourstation im Aegi sehr nahe gekommen. Schon deshalb, weil sich Kelly kurz vor Schluss durch einen Seiteneingang in den Saal stahl und sich dort dann, durch gleißend helles Licht, seinen Weg Richtung Bühne durch die ehrfürchtig euphorisierte Menge bahnte. Auch sonst war der jungenhaft wirkende, gern verschmitzt grinsende 37-Jährige seinen ebenfalls gereiften Verehrern beziehungsweise Verehrerinnen - gut und gern 80 Prozent des Publikums - ganz nahe: Mit seiner fünfköpfigen Band spielte er von der ersten Sekunde im knallevollen Sitztheater vor stehenden Ovationen. Die Damen flogen mit Anpfiff aus den Sitzen, rollten die Hüften, bogen die Oberkörper, schwenkten die Arme, schnipsten die Finger, jauchzten und fotografierten enthemmt - und setzten sich sofort hin, wenn Mr. Kelly es wünschte.

Paddy Kelly hat bei seiner Verwandlung in Michael Patrick Kelly einiges durchlebt, vor allem verschwand er nach 2003 in einem Kloster. Nicht für eine kontemplativen Kurzurlaub, sondern gleich für sechs Jahre - erstaunlich für jemanden, der mit seinen elf Geschwistern zuvor Stadien gefüllt und zugleich das deutsche Musikvolk polarisiert hatte: Die wundersame Kelly Family konnte man lieben oder verabscheuen.

Das hat sich geändert. Kellys im Mai 2015 erschienenes „Human“-Album enthält Botschaften der Menschlichkeit in schmerzlosen Umarmungs- und Wohlfühlliedern wie „Beautiful Song“ oder „Here to Stay“. Manchmal gehts depressiv zu („Crisis“), manchmal flotter („One More Freaking Dollar“, Shake Away“), manchmal kirchlich-sakral („Salve Regina“ sowie das herzzerreißende „Hope“ als letzte Zugabe). Auch der von Paddy verfasste genial grässliche Kelly-Family-Hit „An Angel“ von anno ’95 fehlte nicht.

Alle waren tief berührt dann und beglückt, „den Tränen nahe“, wie Kelly hauchte. Sein letzter Rat für seine verzückte Gemeinde: „Nie aufgeben, egal, was kommt.“ Was auch heißt: immer anständig bleiben.

Bewertung: 5/4

VON MICHAEL LANGE


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