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Enfach nett: Tim Bendzko bei seinem Konzert in der Swiss-Life-Hall.

Enfach nett: Tim Bendzko bei seinem Konzert in der Swiss-Life-Hall.
© Frank Wilde

Konzert

„Mehr davon“: Tim Bendzko in der Swiss-LIfe-Hall

Gutes Aussehen, gute Stimme: Tim Bendzko begeisterte 3700 Fans in der Swiss-Life-Hall.

Hannover. Viele Frauen, kleine Kinder, ja, sogar Schwangere sind unter den 3700 Fans in der Swiss-Life-Hall. Und nach einem fordernden Beifall startet Tim Bendzko endlich und etwas verspätet mit seinem Eröffnungssong „Weitergehen“.

Die ersten Takte haben Bendzko und seine Band noch hinter dem Vorhang gespielt, nun wird der elegant nach oben gerafft. Eine starke Combo beherrscht die Bühne, inklusive Bendzko sind es elf Musiker. Mit Cello, Violine und E-Piano, dazu kommt eine kräftige Rockformation. „Heute kann ich endlich mal positive Witze über eine Bombe machen“, freut sich Tim, denn das Thema des Tages in Hannover ist auch an ihm nicht vorbeigegangen.

Bendzko kann Fernsehen („The Voice of Kids“), seine Ansprache ist fest, sicher und freundlich. Schöner wäre es, der Berliner Bendzko würde auch berlinern. Das wäre charmant, und er würde die Kurve vom Schlager zu einem Rio Reiser kriegen. Denn wenn ein junger, 32-jähriger Künstler davon singt, „Nein, ich hab noch nicht aufgegeben“, dann muss man sich entweder Sorgen um ihn machen, oder man kann über den Abend noch einige textliche Schlager-Klischees mehr erwarten.

Bendzko sagt, er habe „einen an der Waffel“ und gesteht seinem Publikum „ich werde immer verrückter“. Mit „Wie wir sind“ hat er die richtigen Durchhalteparolen für Facebook-Familien, den Mittelstand und den gemeinen Steuerzahler parat. Die einen sagen, das ist Kitsch, die anderen sprechen von Neuer Deutscher Popmusik. Sicher ist, seit Jan Böhmermann, hat sich der Wind gedreht.

Bendzko ist kaum politisch, die meisten Inhalte handeln von Beziehungen, wie bei „Beste Version“ (mit einem prächtigen Gitarrensolo), oder, wie bei „Immer noch Mensch“, drehen sich um die „Menschlichkeit, die uns abhandengekommen ist“. Deshalb hat er diesen Song geschrieben. Einfache Worte angesichts einer globalen Verunsicherung.

Zum unvermeidlichen Akustik-Set senkt sich der Vorhang wieder hinter Bendzko, bei „Reparieren“ greift er zur Gitarre. „Nur noch kurz die Welt retten“, sein Superhit, gerät sehr funkig und tanzbar, das Ende hat ein aufregendes Crescendo, da wackeln die Tribünen. „Keine Maschine“, die neue Single, ist dagegen öde und soft. Dabei fährt Tim mit einem E-Skateboard über die Bühne. Jetzt klingt’s nach Pur, besonders bei den Backings.

„Keine Zeit“ hat einen lustigen Country-Part, die Männer und Frauen müssen getrennt mitsingen. Gefühlt steht das Verhältnis bei 20:80. Also beste Frauenquote für den Frauenschwarm in Hannover. Tim singt gut, sieht gut aus, seine Stimme ist allerdings eher alltäglich. Dennoch: eine ausgiebige Bandvorstellung. Macht auch nicht jeder Künstler. „Mehr davon“, wird die letzte Zugabe – und bleibt Wunsch der jubelnden Fans.

Von Kai Schiering


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