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ENTSPANNT: Inge (Inge Maux, links) und Teresa (Margarethe Tiesel) warten auf ihre Lover.

ENTSPANNT: Inge (Inge Maux, links) und Teresa (Margarethe Tiesel) warten auf ihre Lover.

Filmkritik

Mehr Exotik als Erotik: „Paradies: Liebe“

In der Ferne lebt es sich schön hemmungslos, viele frustrierte Europäerinnen jenseits der 50 suchen erotische Erfüllung in exotischen Gefilden.

Der Österreicher Ulrich Seidl ist nicht der Erste, der diesen libidinösen Neokolonialismus erkundet. Doch ist er gewiss der Radikalste. In „Paradies: Liebe“ setzt er welke weiße Brüste und schwere weiße Bäuche gegen straffe schwarze Haut. Böse böse!

Die Mittfünfzigerin Teresa (mutig: Margarethe Tiesel) fährt nach Kenia. Sie will dort begehrt, berührt und geliebt werden. Teresas Wolllust ist immens. Und je mitleiderregender die Geschichten sind, die ihre Horizontalpartner ihr über angebliche Familienunglücke auftischen, desto tiefer greift sie ins Portemonnaie. Die Ausbeuterin wird zur Ausgebeuteten.

Und – nach entsprechender Erkenntnis – wieder Ausbeuterin. Nach und nach driftet der Film ins Grausame ab. Enthemmte Urlaubsbekannte schenken Teresa einen Schwarzen zum Geburtstag – „vom Kopf bis zum Schwanz“, wie die Frauen verkünden. Das „Geschenk“ trägt ein rotes Schleifchen am Genital. Da blickt man als Zuschauer gebannt und angewidert zugleich aus der Wäsche.

„Paradies: Liebe“ ist der erste Teil von Seidls Trilogie über drei Frauen und die Liebe, der Film lief in Cannes. Der zweite Teil „Glaube“ handelt von Teresas Schwester, einer katholischen Missionarin, war in Venedig zu sehen und brachte dem Regisseur eine Anzeige wegen Blasphemie ein, weil darin Selbstbefriedigung mit einem Kruzifix angedeutet wird. Der abschließende Teil „Hoffnung“ startet im Wettbewerb der Berlinale im Februar.

Womit Seidl uns dann schockt? Mal sehen.

Bewertung: 4/5


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