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KRITIK AN DER STADT: Die Tänzer hängen sich voll rein, haben aber deutlich zu wenig zu tanzen.

KRITIK AN DER STADT: Die Tänzer hängen sich voll rein, haben aber deutlich zu wenig zu tanzen.
© Foto: Staatsoper

Ostertanztage in der Staatsoper Hannover

„Megalopolis“ läuft leer

Das reichte nicht für die Ostertanztage: In der Oper gastierte das Stück „Megalopolis“. Viele Zuschauer gingen vor dem Ende.

hannover. Die Abbrecher-Quote bei den Zuschauern ist vergleichsweise hoch, etliche wollten in der „Megalopolis“ nicht mehr mitwohnen, die die Gruppe Dorkypark auf der Bühne der Staatsoper virtuell errichtet hatte. Ostertanztage diesmal mit Tanz-Theater, wobei der Schwerpunkt auf letzterem lag. Das Stück hätte eher ins Schauspielhaus zum Festival Tanztheater International gepasst.

Und zeigt auch sonst, wie schnell Avantgarde veralten kann. 2010 hatte diese Zivilisationskritik der in Berlin lebenden argentinischen Choreografin Constanza Macras Premiere – und sogar den Theaterpreis „Faust“ als aufregendstes Stück des Jahres erhalten.

Das Bühnenbild war jedenfalls ziemlich aufwendig und entsprechend trashig, eine Müllhalde, eine abbruchreife Barackensituation und auf der linken Bühnenseite eine versierte Band. Auf großen Leinwänden flimmerten Stadtansichten und Blicke auf die echte Megalopolis Tokio.

Und der Tanz? War eher rudimentär. Wenn, dann aber so gut wie die Tänzer, die – und hier liegt das Problem der Produktion – zeigen mussten, dass Tänzer nicht unbedingt gute Sänger und sprachbegabte Schauspieler sind. Aber der Abend hatte dennoch auch tanzfrei besonders berührende Momente: Eine japanische Tänzerin brachte karaoke-nah den berühmten Enka-Song „Tsugaru Kaikyo“ über eine Winterlandschaft im nordjapanischen Aomori – eine lyrische Referenz auch an die Einsamkeit in der Stadt. Ansonsten wurden minutenlang Sentenzen über die Anonymität moderner Architekturen vorgetragen – was eine gewisse Bedeutungstiefe herstellen konnte. Selbst dazu könnte man tanzen lassen, was hier aber unterblieb.

Bisweilen lief ein Tänzer als Cop gekleidet mit mächtigen Gummiknüppel über die Bühne, dann wiederum versammelten sich die Tänzer in einer Art Callcenter und riefen nacheinander irgendwo („Hallo Paps“) an. Dazwischen immer wieder auch dank der Musik ziemlich faszinierende, aber doch viel zu kurze Tanzsequenzen.

Das Ganze wirkte nicht einmal verstörend, aufregend, radikal oder wenigsten doch ärgerlich: Es war hochtouriger Leerlauf.

Trotzdem am Ende viel Applaus vor allem für den bedingungslosen Einsatz der Tänzer.

Wer wissen will, wie moderner Tanz zu seiner Zeit aussah, kann sich im Foyer die Ausstellung „Jetztzeit – Yvonne Georgi. Das elektronische Ballett“ anschauen.

Von Henning Queren


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