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Max Raabe

Max Raabe© gregor hohenberg

Konzert

Max Raabe: Singen kann er auch alleine

So ein Gesangsabend hat es in sich, für einen Sänger, der nur mit einem Pianisten unterwegs ist. Aber nicht für Max Raabe, der gleitet mühelos ins Falsett und singt auch die höchsten Töne im gut besuchten Theater am Aegi sauber und sicher.

Hannover. Die Bühne wird nur vorsichtig ausgeleuchtet, Raabe und Pianist Christoph Israel schimmern in Schwarzweiß. Die Regentropfen-Einspieler passen perfekt, der Ton stimmt. Die meisten Lieder stammen aus der Zeit der Weimarer Republik. Die Probleme in der Liebe waren damals dieselben wie heute. Nur diese unschuldige Verführer-Lyrik, als Frauen-Schauen und Zwinkern noch das Maß aller Dinge waren, gibt es nicht mehr. Das Wort „Gigolo“ etwa, das dreht Raabe so wunderbar durch seinen Gaumen, als hätte er einen Knoten in seiner Zunge: „Sag nicht Du zu mir, wenn meine Frau dabei ist“.

Raabe pfeift ein Duett mit sich selbst, ein Geist aus der Maschine. Er singt phonetisch russisch, über den brutalen „Stroganoff“, ein betrogener Gatte, „der in Omsk, gleich bei Imsk und nur vierzehn Werst von Umsk“ ein Gemetzel filetierten Ausmaßes anrichtet. Die sauwitzige Ballade stammt aus der Revue „Es ist angerichtet“ und endet mit einem dramatischen Piano-Solo.

Max Raabe ist so tatsächlich besser als mit seinem Palastorchester. Er nutzt den freien Raum für Witz und Spiel, er lotet Höhen und Tiefen konsequent aus, die Dynamik ist spürbar. Ulk und Verse wirken subtiler und nuancierter als sonst, und mit der Zugabe „Küssen kann man nicht alleine“ haben schließlich auch die Goldenen Zwanziger in die Moderne Einzug gehalten.

Bewertung: 5/5

VON KAI SCHIERING


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