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Am Meer: Cover der neuen CD von Max Prosa.

Am Meer: Cover der neuen CD von Max Prosa.
© Littler

Ein Liedermacher geht auf Tour

Max Prosas neue Songs

Er ist der Nachdenkliche unter Deutschlands Liedermachern: Max Prosa findet, dass Songs die Welt verändern können.

Hannover. Max Prosa hat seine neue CD rausgebracht und geht auf Tour. Ein Interview über Kämpfe und Philosophie.

Sie sind auf Promotour für Ihr drittes Album unterwegs. Ist das noch ungewohnt oder schon doof?

Ach, das Album ist für mich ja schon seit Dezember fertig. Ich bin schon viel weiter, ich schreibe konstant und nicht nur für ein Album.

Und das tun Sie, wie zu lesen ist, bevorzugt an Brandenburger Seen?

Auch, schon. Als Berliner bin ich ständig umgeben von Hektik, von Allem und seinem Gegenteil. Manchmal ist es ganz schön, an einem Ort zu sein, der Leere im Innern erzeugt. Das ist wie bei einem Rohr, das Wasser fließt nur hindurch, wenn es leer ist. Und wenn dann trotzdem etwas bei mir hängen bleibt, dann bedeutet das etwas.

Was bleibt denn hängen?

Bestimmte Bilder, Erinnerungen, Songskizzen ... Alles, was mir dann wirklich nahe kommt, hat einen Wert. Das weiß ich, wenn ich am See sitze.

Und das ist immer ein Solo-Prozess, ohne Band?

Die kommen für die Musik und die Emotionen ins Spiel. Wie Verstärker der Songs.

Ach, die sind für die Emotionen zuständig? Und Sie? Für die pure Ratio?

Nee (lacht). Natürlich nicht. Ich muss beides sein. Aber die können ihren Teil dazutun.

Sie singen auf dem Album „Ich wollte immer nur singen“. War das so?

Gesang hat eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Irgendwann wusste ich zwar mal nicht mehr, wohin mit der Musik, wie sie Platz hat in meinem Leben, und habe dann erst einmal Physik studiert. Ich komme aus keiner Künstlerfamilie,

Darf ich frage, aus was für einer Familie Sie kommen?

Es ist eine sehr kaufmännische Familie.

Dann ist vermutlich schon Physik gewagt, oder?

Ja, aber sie hat einen anderen Stellenwert, als mit 18 zu sagen: Ich bin Musiker. Das ist eine andere Realität. Aber wir haben unsere Wege gefunden, über die verschiedenen Welten hinweg zu kommunizieren.

Sie haben dann noch Philosophie studiert.

Ja, aber das war schon auf dem Weg zum Songwriter. Es war sehr schön, so viele verschiedene Perspektiven aufs Leben vorgestellt zu bekommen.

Ihr Lieblingsphilosoph?

Nietzsche. Weil er alles und sein Gegenteil behauptet hat und das auf so großartige Weise. Es kommt in der Philosophie auch viel darauf an, wie etwas geschrieben ist.

Bei Physik und Philosophie denkt man: Das ist ein Mensch, der wissen will, was die Welt im Innersten zusammenhält. Sind Sie ein solcher Mensch?

Auf jeden Fall, das ist immer noch ein Motiv. Was ich mache, ist ein anderer Weg, das anzugehen. Mich haben halt die Worte und ihre Möglichkeiten mehr interessiert als die Mathematik.

Wobei: Physik und Mathematik geben Antworten. Musik stellt Fragen.

Aber Sokrates zum Beispiel war der Philosoph der Fragen. Und in diesen Fragen liegen letztlich auch die Antworten. Unsere Welt hat so viele Wahrheiten wie Perspektiven. Und so ist ein Song auch eine Perspektive und somit eine Wahrheit.

Verfolgt Musik, wie Sie sie verstehen, auch den Zweck, etwas zu verändern?

Das ist die große Frage: Können Songs die Welt verändern? Ich meine, schon. Da darf man sich nicht unter den Scheffel stellen. Politik ist nur der Wind, der die Welle kräuselt. Die Welle entsteht aus vielen verschiedenen Menschen und dem, was sie beeinflusst. Zum Beispiel Songs.

Dann kommt ein Titel wie „Keiner kämpft für mehr“ recht programmatisch daher.

Was in diesem Song angesprochen wird, ist genauso gemeint: Wie kann es sein, dass so humanitäre Gesellschaften wie unsere sich auch durch die Kriege finanzieren, die sie gleichzeitig und oberflächlich bedauern? Das sind Fragen, die man in hundert Jahren stellen wird: Wie konnte man das damals zulassen?

Mit welchen Mitteln sollte man kämpfen?

Das erste Mittel ist der Austausch, schon der bringt Veränderung mit sich. Ich versuche, die Komfortzone zu verlassen. Kämpfen für mehr. Einen Schritt weiter gehen für mehr. Darin liegt, glaube ich, letztlich das Glück.

Am 4. Oktober im Lux. Karten in den NP-Ticketshops (ab 23,70 Euro).

Von Stefan Gohlisch


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