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Kultur Mary Roos im Aegi-Theater
Nachrichten Kultur Mary Roos im Aegi-Theater
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00:26 31.05.2018
Ganz entspannt: Mary Roos im Aegi-Theater freut sich über das freundliche Publikum – und dass die „Jägermeister“-Flasche noch ordentlich voll ist. Quelle: Kutter
Hannover

Ständig kabbeln sie sich, teilen dabei kräftig aus – und doch mögen sie sich. Schlagerikone Mary Roos und Kabarett-Kodderschnauze Wolfgang Trepper nehmen auf der Bühne kein Blatt vor den Mund.

Heftig, was dieser Typ, der deutsche Schlager für schwachsinnig hält, über Mary so raushaut: „Die Helene Fischer der Bronzezeit“ und „Die macht’s nicht mehr lange“. Und mit diesem ungehobelten Kerl, der sie auch noch „Die alte Schachtel“ nennt, steht sie fast drei Stunden der Bühne, zum Thema „Deutscher Schlager“. Aber Mary kontert gelassen, nennt ihn „Herr Tripper“ oder tituliert ihn als „Choleriker-Spacken“.

„Nutten, Koks und frische Erdbeeren – Die Geschichte des deutschen Schlagers“ heißt das Musik-Comedy-Show-Erfolgsprogramm dieses konträren Duos. Restlos ausverkauft. Fünf Test-Shows waren einst ein Versuch. „Heute ist es die 137. Show“, sagt Trepper, und zieht weiter fleißig vom Leder. Der Schlager (ab 1960) wird bedient und dabei kräftig durch die Mangel gedreht.

Die Rollen bei diesem Spitzen-Mix aus Kabarett, Comedy, Livemusik und Talk sind klar abgesteckt: Mary ist Mary, die ruhige, freundlich-sympathische Grand Dame des Schlagers und des Chansons. Zudem Zeitzeugin in wechselnden schicken Kostümen (Trepper: „Zeugin mehrerer Jahrhunderte“).

Trepper dagegen ist die lustig-cholerische Rampensau mit großer Klappe. Gnadenlos, respektlos und politisch unkorrekt arbeitet er seine Beleidigungsliste gegen Texter, Schlagertextzeilen, Komponisten, Melodien („sinnfreies Gedudel“) und Interpreten ab. Auch wenn viele Schlager, um die es geht, längst Kult sind – Trepper kennt kein Pardon. Und das ist super lustig. So setzt er Liedzeilen in den historischen Kontext und „übersetzt“ sie überbetont: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ (ein Flittchen) und „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ („Blödsinn, da will keiner hin“).

Das Publikum biegt sich oft vor Lachen. So auch, wenn „HB-Männchen“ Trepper aus seiner Jugend erzählt: vom Aufnehmen von Musiksendungen mit dem Cassettenrecorder vorm TV und von missglückt-gesammelten „Bravo“-Starschnitt-Teilen („Winnetou“ Pierre Brice mit Paul-Breitner-Fußball-Beinen mit Stollenschuhen).

Auch „Disco“ (mit Ilja Richter), TV-Serien („Dallas“; „Denver Clan“) und sein Jugendschwarm (Abbas Agnetha) auf den Bravo-Postern fehlen nicht. Aber Trepper lobt auch (Udo Jürgens, „Hitparade“-Moderatoren-Ikone Dieter Thomas Heck) und spricht klug über den Wert der Musik und der Freundschaft.

Mary, die Grand-Prix-Teilnehmerin, ist top-fit. Singt hervorragend zur Vier-Mann-Combo alte Schlager, Medleys und einige ihrer Hits wie „Aufrecht geh’n“ (Trepper: „Die Hymne der Neandertaler“). Ach ja, der Titel der Show: Die Nutten mit Beilagen sollen ständiger Bestandteil in Heinos Verträgen sein. Sagt Trepper. Stehende Ovationen.

Von Christian Seibt

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