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Der Stierkopf aus Bronze (vorn) und das großformatige Gemälde «Der Matador» (m) in Marseille.

Der Stierkopf aus Bronze (vorn) und das großformatige Gemälde «Der Matador» (m) in Marseille. © Sabine Glaubitz

Kunst

Marseille zeigt große Picasso-Schau

Das Museum gehört zu den schönsten Frankreichs. Der Eröffnungseffekt ist verpufft. Der Kampf um die Besucherzahlen beginnt. Die neue Picasso-Werkschau könnte zum Blockbuster werden.

Marseille. An seinem Eröffnungswochenende vor drei Jahren drängelten sich in Marseille noch mehr als 60 000 Besucher durch das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers. Mit über 1,8 Millionen am Ende des europäischen Kulturhauptjahres 2013 wurden alle Erwartungen übertroffen.

Zwei Jahre später zählte der spektakuläre Kunsttempel des französischen Stararchitekten Rudy Ricciotti in der Nähe des Alten Hafen noch 1,5 Millionen. Nach Werkschauen über die Geschichte Algeriens und den Dichter Jean Genet und das Mittelmeer widmet es nun Picasso und den volkstümlichen Traditionen eine große Sonderschau. Sie könnte die Besucherzahlen endlich wieder ankurbeln, ist sie doch eine Blockbuster-Schau.

Rund 270 Werke sollen in der Ausstellung "Picasso, un génie sans piédestal" (etwa: Picasso, ein Genie ohne Sockel) zeigen, wie sehr

 

Picasso von der Volkskunst und den Traditionen und Bräuchen seiner Zeit beeinflusst ist. Vor allem jenen aus seiner spanischen Heimat. "Seine Kindheit und Katalonien waren für ihn wichtige Inspirationsquellen", sagte die Kuratorin Josephine Matamoros. Picasso wurde 1881 in Málaga geboren, zog jedoch als Siebenjähriger mit seiner Familie nach Barcelona, das er als seine eigentliche Heimat bezeichnete.

Die Barretina, eine rote Wollmütze, die noch heute bei Volksfesten in weiten Teilen Kataloniens von den Männern getragen wird, oder die Mantilla, das Schleiertuch für Frauen, sind Accessoires, die in vielen Gemälden des Künstlers auftauchen. Illustriert wird das Sujet durch Ölgemälde wie "Männerbüste (II) oder "Spanisches Paar", beides Leihgaben privater Sammler und nur selten zu sehen.

Zu den Raritäten gehören auch die beiden Malereien mit dem Titel "Der Matador". Auch sie stammen aus Privatsammlungen. Der Maler hinterließ unzählige Corrida-Darstellungen, darunter auch "Der Stierkampf" aus dem Jahr 1955. Picasso bildet hier einen Torero ab, der im Kampf besiegt wird. Ein ungewöhnliches Motiv, wie die Kuratorin meint. Picasso habe nur selten die Tötung gemalt. Dass er hier den Torero sterben lässt, mache das Bild in seiner Aussagekraft noch interessanter.

Die Werke, darunter herrliche Keramiken und Metallskulpturen, sind Leihgaben bedeutender internationaler Museen. Allein das Picasso-Museum in Paris ist mit fast 70 Exponaten präsent. Die bis zum 29. August dauernde Ausstellung hat die Qualitäten einer Blockbuster-Schau. Zwischen 2014 und 2015 ist die Zahl der bezahlenden Besucher von rund 630 000 auf 539 000 gesunken. Einer der gründe des Rückgangs ist nach Angaben des Museums der Paris-Terror. Dennoch habe man die Zielmarke von 350 000 Besuchern erreicht. Laut Rechnungshof sind die eigenen Einnahmen des Museums zur Deckung der Kosten jedoch zu bescheiden, wie lokale Medien berichteten.

Direktor Jean-Fraçois Chougnet hatte sich noch vor einem Jahr gegen eine Erhöhung der Eintrittspreise für Sonderausstellungen gewehrt. Man könnte die Besucher verprellen, befürchtete er. Mittlerweile ist der Tarif von 8,00 auf 9,50 Euro angestiegen. Das Mucem, das 2015 den Museumspreis des Europarats erhielt, hat rund 190 Millionen Euro gekostet. Der Zugang zu den Gärten und der Aussichtsterrasse ist frei.

dpa


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