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Interview

Marko Djurdjevic – der Superstar der Comic-Zeichner

Marko Djurdjevic (30) hat geschafft, wovon Zeichner weltweit träumen: Er arbeitet für den US-Comic-Giganten Marvel und gilt als einer der kommenden Superstars.

Ein echter Comic-Held: Marko Djurdjevic (30)

Die NP sprach mit dem Berliner serbischer Herkunft über Comics, die Träume anderer Menschen und seltsame Arbeitsbedingungen.

VON STEFAN GOHLISCH

Geben Sie mir die Kurzform: Wie sind Sie zu diesem Job bei Marvel gekommen?
Ich arbeite als freischaffender Illustrator, seit ich 17 bin. Zunächst habe ich mich nur auf den deutschen Markt konzentriert und sehr schlecht davon gelebt. 2002 habe ich begonnen, mich im Ausland zu bewerben, habe von klassischen Buch-Illustrationen über Miniaturen-Design bis zu Concept-Art für Videospiele alles Mögliche gemacht. Im Juni 2003 habe ich meine Abeiten bei conceptart.org vorgestellt und wurde sofort von den Gründern angerufen. Die waren gerade dabei, ein neues Studio zu gründen. Binnen weniger Tage war ich festes Mitglied und bin in die USA gezogen.

Wie kamen Sie dann zu den Comics?
Bei einem Deutschland-Besuch im Frühjahr 2006 bei einem Kumpel haben wir versucht, uns die Zeit zu vertreiben, und alte Comic-Helden gezeichnet. Drei Tage später hatte ich einen Berg voller Bilder, und die habe ich online gestellt.

Und die kamen gut an?
Im Gegenteil. Ich habe massenweise Hass-Mails bekommen. Ich hatte alle Charaktere neu entworfen, aus den Kostümen herausgeholt und in ganz normale Klamotten gesteckt. Es war ja auch nie mein Plan, im Bereich der Comics zu arbeiten. Aber irgendwie sind die Bilder in die Hände von jemandem bei Marvel geraten, und die haben mich engagiert.

Und für die war es kein Problem, dass Sie wieder nach Berlin zurückwollten?
Überhaupt nicht. Der Vertrag war sogar mein Rückfahrticket nach Europa. Ich hatte zeitgleich meine zukünftige Frau kennengelernt und wollte einen Schlussstrich ziehen. Marvel hat in seinem Office keinen einzigen Zeichner mehr sitzen. Die alten Zeichner schicken ihre Bilder nach wie vor per Fed-Ex ein. Ich benutze Mails.

Wie funktioniert diese Arbeit?
Es gibt bei Marvel diese Absprache: Die Redakteure sind das Medium zwischen Künstlern und Autoren. Die wissen, wer wann was abzuliefern hat. Ich habe kaum Kontakt zu den Autoren. Es gilt halt: Niemand quatscht dem Anderen rein. Und ich mache sowieso hauptsächlich Cover. Die entstehen, wenn das Script noch in der Planung ist.

Und Sie haben einen erstaunlichen Ausstoß, mit mehreren Covern pro Monat und der fortlaufenden Serie „Thor“…
Ich denke, meine Schnelligkeit ist einer der Gründe, warum Marvel mich behalten möchte. Ich habe denen in den letzten drei Jahren so oft den Hintern gerettet. Einen Comic zeichne ich in zehn Tagen, andere brauchen dafür sechs Wochen. Ich habe in meiner ersten Karriere als Concept-Artist eine ganz andere Disziplin gelernt. Außerdem sehe ich meine Arbeitgeber als meine Freunde; diese Arbeitsethik hat nicht jeder. Es gibt im Comic-Business viele Primadonnen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Autor von „Thor“, J. M. Straczynski, dem „Babylon 5“-Erfinder?
Ich habe ihn nie kennengelernt. Ich habe noch nie ein Wort mit ihm gewechselt. Das ist schon ein bisschen seltsam. Ed Brubaker zum Beispiel, der Autor von „Captain America“ und „Daredevil“ – wofür ich nur ab und zu die Cover male – ist das totale Gegenteil, ein sehr netter Mensch.

Und wie ist es für Sie, dass Sie für die Comic-Seiten nur die Bleistift-Zeichnungen liefern und diese von Inkern und Koloristen weiterbearbeitet werden?
Damit muss ich leben. Ich distanziere mich einfach von den fertigen Seiten. Wer sich die Bilder im Originalzustand angucken möchte, muss auf meine Webseite oder in den Kunst-Band gucken: Marvel veröffentlicht im Juli einen 240-Seiten-Band mit all meinen Arbeiten. Soweit ich weiß, ist das das erste Mal in Marvels 70-jähriger Geschichte, dass sie einem einzelnen Künstler so einen Band widmen.

Wie gut können Sie von der Arbeit leben?
Jetzt habe ich einen Exklusivvertrag bis 2013. Die wollen mich auch nicht loswerden – ich wollte schon gehen. Ich habe jetzt 13 Jahre lang die Träume von anderen erfüllt und habe einfach auf zu viele andere Sachen Lust. Aber das Geld nehme ich gerne noch mit. Das Problem ist ja: Die meisten Zeichner sind keine Business-Leute. Ich habe das sehr früh gelernt.

Gibt es Lieblingsfiguren, an denen Sie gern noch arbeiten würden?
Ich habe kaum noch einen Bezug zu Comics. Als Jugendlicher fand ich sie geil, danach hat sich das verwachsen. Ich gebe bei der Arbeit mein Bestes, der Rest ist mir relativ wurscht. Obwohl: Ich habe einen größeren Bezug zu Charakteren, die ein wenig vergessen sind. Bei einem Wolverine zum Beispiel gibt es einfach keine neue Pose mehr, keine neue Herangehensweise. Das interessiert mich nicht. Die Cover für „Blade“ zum Beispiel haben mir Spaß gemacht. Und ich mag Autoren-Comics. Zu dem Mainstream-Quatsch habe ich nur sehr wenig Bezug.

sixmorevodka.blogspot.com/


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