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EDLER AUFTRITT: (von links) Björn Dixgård, Carl-Johan Fogelklou, Daniel Haglund, Jens    Siberstedt und Patrik Heikinpieti alias Mando Diao werfen sich in Pose.

EDLER AUFTRITT: (von links) Björn Dixgård, Carl-Johan Fogelklou, Daniel Haglund, Jens Siberstedt und Patrik Heikinpieti alias Mando Diao werfen sich in Pose. © Foto: Charli Ljung

Interview

Mando Diaos gute Zeiten

Auf gute Zeiten: Die Schwedenrocker Mando Diao haben ein neues Album veröffentlicht, „Good Times“. Darüber – und über den Eurovision Song Contest – sprachen wir mit Bassist Carl-Johan Fogelklou und Gitarrist Jens Siverstedt.

Hannover. Mando Diao („Dance with somebody“) waren mal die heißeste Rockband der Welt. Dann vergaloppierten sich die Schweden ein wenig, übten sich in Arroganz und scheiterten beinahe. Nun, im 18. Jahr ihres Bestehens, legen sie in neuer Zusammensetzung ihr achtes Studioalbum „Good Times“ vor, Rückbesinnung und Neuanfang zugleich. Wir trafen den Bassisten Carl-Johan Fogelklou und den neuen Gitarristen Jens Siverstedt zum Gespräch.

Lassen Sie uns über „Good Times“ reden – leben wir in guten Zeiten?

Carl-Johan Fogelklou: Nein, definitiv nicht. Aber Sonntag war ein guter Tag. Man kann aufatmen, dass Marine Le Pen in Frankreich die Präsidentschaftswahl verloren hat. Wir sind keine politische Band, aber was alles in dem Jahr passierte, als wir das Album aufgenommen haben, beeinflusst natürlich schon.

Politische Songs im klassischen Sinn finden sich nicht gerade auf dem Album ...

Jens Siverstedt: Ja, aber es fließt in die Musik ein. Als die Wahlen in den USA entschieden wurden, hatten wir eine Session. Der Albumtitel „Good Times“ kommt von einem der Songs, wie so oft ...

.... Sie hätten auch „Dancing all the Way to Hell“ als Motto nehmen können.

Siverstedt: Stimmt schon (lacht). Aber nehmen Sie doch mal den Text von „Good Times“; der ist düster. Oder „All the Things“: auch düster. Diese Texte und das Cover ...

... das sie in einem Paradies zeigt ...

Siverstadt: Genau, das passt eigentlich nicht zusammen.

Fogelklou: Eben, und wenn man dann die Rückseite sieht, mit dieser finsteren Industrielandschaft, versteht man wahrscheinlich, wie es gemeint ist: Es ist doppelbödig und zugleich wahr. Denn natürlich wollen wir wie alle anderen Menschen auch eine gute Zeit haben.

Gab es einen Masterplan, als Sie das Album machten?

Siverstedt: Es ist ein Konzeptalbum. Wir wurden von den Songs getrieben. Als wir uns trafen, hatten wir 40 Songs. Wir wählten diejenigen aus, die sich richtig anfühlten.

Das Ergebnis ist ein Rockalbum, sehr dicht, sehr energetisch; es erinnert an die alten Mando Diao. Sie haben es selber als „Back to the Future“ bezeichnet.

Fogelklou: Es ist ein Schritt zurück in den alten Bandvibe. Aber es ist sicherlich kein Rückschritt.

Siverstedt: Wir hatten große Angst vor einem „Copy and paste“. Denn wenn man wiederholt, was schon war, ergibt das keinen Sinn. Aber die gemeinsame Liebe zu Rock, zu guten Songs, zu Tanzbarkeit ist, glaube ich, die rote Linie dieser Band.

Es ist das erste Album ohne Ihren alten Ko-Frontmann und -Sänger Gustaf Norén. Wie hat sich die Band-Dynamik geändert?

Fogelklou: Die Band ist demokratischer geworden. Der Anführer, das sind wir alle fünf.

Siverstedt: Was ich als der Neue feststelle: Wir gehen alle in die selbe Richtung. Wir wollen dasselbe.

Gab es je die Überlegung, Mando Diao sein zu lassen und ganz neu zu starten?

Fogelklou: Wir haben tatsächlich mal darüber geredet. Ungefähr zwei Minuten lang. Und dann haben wir gesagt: „Scheiß drauf. Wir lieben es, miteinander zu spielen. Warum sollten wir das wegwerfen, weil eine Person entscheidet zu gehen?“

Siverstedt: Wir sind fünf Freunde. Wir machen, was wir liebe. Für die Fans fühlten es sich bestimmt seltsamer an als für die Fans. Ich meine: ich bin ein Riesenfan von Mick Taylor bei den Stones. Aber deswegen verdamme ich doch nicht Ron Wood.

Sie werden auf der deutschen Eurovision-Song-Contest-Party in Hamburg, Sind Sie etwa Fans des Wettbewerbs?

Fogelklou: Hätten Sie mich mit neun Jahren gefragt, hätte ich gesagt: „Klar, ich liebe es.“ Und ich habe eine Tochter, und natürlich wird bei uns zuhause der ESC geguckt. Ich mag den Gedanken dahinter, ich halte es für ein tolles Familienprogramm, aber wirklich wichtig ist es mir nicht mehr.

Siverstedt: In Schweden ist der Vorentscheid viel größer als der eigentliche Wettbewerb. Es ist die größte Fernseh- und Musikproduktion in Schweden. In vielen Ländern mag das eine schlimme Veranstaltung mit mieser Musik sein. Aber in Schweden bewerben sich die besten Songwriter. Und das Ergebnis sind eigentlich zwei, drei anständige Songs.

Fogelklou: Generell gibt es auch viele gute schwedische Songwriter. Ein Freund von mir hat zum Beispiel den russischen Beitrag geschrieben.

Und insgesamt: Ist der ESC die paradiesische Seite von „Good Times“ und das wirkliche Musikgeschäft die andere?

Siverstedt: Nee. Der ESC hat noch mehr Glitter und noch mehr Pink (lacht).

Von Stefan Gohlisch


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