Russell Brand als Rockstar.
VON LAURENZ LIERENZ
Sie kennen Aldous Snow von irgendwoher? Er war der Rockstar der Saubermannsorte aus „Nie wieder Sex mit der Ex“, ja genau, der, der Sex mit der Ex hatte. In „Männertrip“ erkennen Sie ihn aber erstmal nicht wieder. Ihnen begegnet ein Snow aus einem Paralleluniversum. Einer in Schmutz und Siff und Rock‘n‘Roll. Drogenexzesse, Mädelsexzesse und das dabei verwendete Vokabular (des englischsprachigen Originals) findet man garantiert nicht im Advanced Learner‘s Dictionary. Russell Brand ist groß als gitarreschwingender Bühnenwicht hinter dessen Borniertheit ein heller Geist auf Erweckung wartet. Lustiger waren Rockmusiker nur in Rob Reiners „Spinal Tap“-Film.
In Nicholas Stollers „Männertrip“ – Produzent ist Judd „Superbad“ Apatow – erhält nun ein schwergewichtiger, nicht allzu selbstbewusster, dazu noch völlig bedeutungsloser Plattenfirmenbeschäftigter namens Aaron Green (Jonah Hill) den Auftrag, die Bestie Snow aus London erst nach New York, dann zu einem Superkonzert ins Greek von L.A. zu zerren. Binnen drei Tagen. Sollte gehen, meint der Held. Und trifft auf seine Nemesis.
Eine Klassekomödie vom Kaliber „Ein verrücktes Paar“ bricht sich nun Bahn – mit Hill in der Jack-Lemmon-Rolle und Brand in einer Rolle, die Walter Matthau abgelehnt hätte. Klar, man hätte sich Jack Lemmon auch nie mit Kotze auf der Jacke vorstellen können. Aber was soll ein kleiner Mann machen, der einen Star unbedingt nüchtern zu einer Show karren muss, wenn der sich im Sekundentakt Drogen und Alkohol einzuverleiben versucht. Genau, er konsumierts selber, so wird die Weste eben fleckig. Ja, hier gehts derb zu. „Männertrip“ wird lieben, wer „Hangover“ liebte. Das war der Film mit den kaputten Typen, dem Tiger und dem Huhn auf dem Hotelzimmer.
Stoller sei Dank, hier gibts keine Witzfiguren, sondern Helden. Die entwickeln sich, man fühlt mit ihnen, leidet auch, und wurde – wenn am Ende das Wort Freundschaft im Raum steht – in den ganzen 109 Minuten nie mit dem Hollywoodalleskleber Sentimentalität zugekleistert. Stoller weiß, dass es eine absolut ernste Sache ist, sein Publikum mit Niveau zum Lachen zu bringen.
Und im Rock‘n‘Roll-Biz kennt er sich auch aus. Das zeigt Sean Coombs (alias P. Diddy). Der hat als Greens Plattenfirmenboss Sergio einen Auftritt, der allein das Eintrittsgeld wert ist. Toppt Tom Cruise als Filmproduzent in „Tropical Thunder“.
„Männertrip“, USA 2010, 109 Min. Regie: Nicholas Stoller. Darsteller: Jonah Hill, Russell Brand, Rose Byrne.
Dieser Film kennt keinen Knigge, hat aber ein Herz aus Gold.