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so klappt das mit der liebe: Dulcamara (Tobias Schabel) hat den Liebestrank auf Flaschen gezogen.

so klappt das mit der liebe: Dulcamara (Tobias Schabel) hat den Liebestrank auf Flaschen gezogen.
© Fotos: Landsberg

Donizettis Belcanto-Klassiker

„Liebestrank“ in der Staatsoper Hannover

Spielfreudiges Ensemble, tolle Sänger: Die Staatsoper belebt den „Liebestrank“ von Donizetti. Dafür gab es reichlich Applaus.

hannover. So schnell kann es in der Liebe gehen, erst Liebestrank, dann liebeskrank. Mit diesem Gag startet die Staatsoper ihren höchst vergnüglichen Abend mit Donizettis unverwüstlichem Klassiker.

Den hat Regisseur Tobias Ribitzki als eine Art Theater im Theater aufgezogen – schön schräg und mit allem, was dazu gehört, mit mächtig wackelnden Kulissen, überdrehten Darstellern, herrlich miesen Kostümen, Knallchargen, eifersüchtigen Stars, durchgeknalltem Publikum und maroden Requisiten. Das geht dann erstmal damit los, dass beim in wuchtigen goldenen Lettern angekündigten „Liebestrank“ während der Ouvertüre das T auf den Bühnenboden knallt – und manchem Zuschauer ein unwilliges Grummeln entlockt, weil er das für ein reales Missgeschick hält. Aber keine Sorge, Dulcamara (Tobias Schabel) kommt im grauen Kittel als Bühnenarbeit herbei und repariert das Ganze mit zwei Holzschwertern und macht aus dem T ein K.

Nemorino (Robin Kim) ist ein klassischer Opernbesucher, sitzt im Smoking in der ersten Reihe und singt auch hier seine Auftaktarie, bevor er kurzerhand die Bühne entert – weil er doch so ein großer Bewunderer von Theaterstar Adina (Athanasia Zöhrer) ist, die gerade auf der Bühne steht.

Und damit hebt ein wunderbar trashiges Spiel an. Ein Ritterspiel, genauer gesagt. Mit Burgfrolleins mit Spitzhüten und wallenden Schleiern, die Männer haben Frisuren wie die Playmobil-Figuren, und das Ganze ist tief in eine Farbensüße von alten DDR-Märchenfilmen getaucht. Aber erstaunlich: Die Geschichte geht auf und gut aus. Was auch an der enormen Spielfreude des gesamten Ensembles liegt. Die auch nötig ist, um gewisse stimmliche Defizite zu überspielen. Die Nemorino-Rolle gehört schon zu den Bravourpartien des Belcanto, die die Größten des Tenorfaches gefordert hat. Robin Kim traut sich den „tenore di grazia“, überschreitet immerhin häufig die Geht-so-Grenze mit vergleichsweise leichtem Tonansatz. Seine große Arie („Una furtiva lagrima“) trifft auf die Begeisterung des Publikums.

Eine sichere Bank ist Tobias Schabel als Quacksalber, der den richtigen komödiantischen Ton trifft in den Partien, wo er so unendlich darüber erstaunt ist, dass sein Liebestrank solche wundersame Wirkung hat. Auf ähnlichem Niveau ist Matthias Winckhler als Belcore.

Im Zentrum steht als echte Entdeckung Athanasia Zöhrer, die aus ihrer Rolle stimmlich und menschlich alles herausholt. So macht Belcanto Spaß. Zu dem auch das gut aufgelegte Orchester unter Daniel Klein beträgt, die Tempi sind animiert, an den richtig komischen Stellen rasant. Der Chor glänzt mit Stimmpracht und gibt mit sichtlichem Spaß der alten Liebesgeschichte neuen Schub.

Viel Gelächter während der Aufführung und am Ende minutenlanger ungeteilter Beifall, der auch das Regieteam mit einschließt. Wer zweieinhalb Stunden unbeschwerten Belcanto-Spaß erleben möchte, ist hier richtig. Das ist ein „Liebestrank“ (der auf Flaschen gezogen sogar in der Dunkelheit zu leuchten vermag), bei dem die Oper sich keine Sorgen um den Verkauf zu machen braucht.

Von Henning Queren


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