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Autor Jürgen Goldstein wird für sein Buch «Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt» in der Kategorie Sachbuch ausgezeichnet.

Autor Jürgen Goldstein wird für sein Buch «Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt» in der Kategorie Sachbuch ausgezeichnet. © Hendrik Schmidt

Literatur

Leipziger Buchpreis an Guntram Vesper

Es ist einer der wichtigsten Buchpreise in Deutschland: Die Leipziger Buchmesse zeichnete Guntram Vesper für sein Opus magnum "Frohburg" aus. Die Themen Flucht und Fremdheit bestimmen den Start des Branchentreffs.

Leipzig. Der Autor Guntram Vesper (74) hat mit seinem überbordenden Geschichts- und Geschichtenroman "Frohburg" den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen.

"Ein lebenssattes Buch", sagte Laudator Dirk Knipphals am Donnerstag bei der Preisvergabe. "Man glaubt ihm gern, dass seine Erzählungen wahr sind."

Die Auszeichnung für das beste Sachbuch ging an Jürgen Goldstein für seine Entdeckerbiografie "Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt". In der Kategorie Übersetzung gewann Brigitte Döbert mit der Übertragung des avantgardistischen serbischen Meisterwerks "Die Tutoren" von Bora Cosic.

Der mit insgesamt 45 000 Euro dotierte Leipziger Buchpreis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen für Autoren in Deutschland. Inhaltlich standen zum Auftakt der Buchmesse die Themen Flucht und Asyl im Mittelpunkt.

Vesper beschäftigt sich in seinem über 1000 Seiten starken Roman mit seinem Geburtsort Frohburg, einer Kleinstadt südlich von Leipzig. Er verbrachte dort Kindheit und Jugend, ehe die Familie 1957 in die Bundesrepublik floh. Die Geschichte des Ortes und der eigenen Familie ist verwoben mit einem großen historischen Panorama.

"Mit hoher Sensibilität für Ost-West-Phänomene belebt dieser opulente Roman Dinge und Ereignisse, die aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden drohen", lobte die Jury. Vesper lebt als freier Autor in Göttingen. Er verfasste Gedichte, Erzählungen und Hörspiele und wurde schon vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis.

Der 74-Jährige setzte sich gegen die ebenfalls nominierten Autoren Marion Poschmann ("Geliehene Landschaften - Lehrgedichte und Elegien"), Roland Schimmelpfennig ("An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts"), Nis-Momme Stockmann ("Der Fuchs") und Heinz Strunk ("Der goldene Handschuh") durch. Im vergangenen Jahr hatte mit Jan Wagner ("Regentonnenvariationen") erstmals ein Lyriker den Preis gewonnen.

Beim diesjährigen Themenschwerpunkt der Buchmesse "Europa 21" rückten renommierte Autoren die Mitverantwortung des Westens für Flüchtlingselend und Fluchtursachen in den Blickpunkt. "Wir sind nicht unschuldig, wir sind immer auch Teil des Problems", sagte Karim El-Gawhary ("Auf der Flucht"), Leiter des ORF-Studios in Kairo, mit Hinweis auf die jahrzehntelange Unterstützung diktatorischer Regime in der arabischen Welt.

Der syrische Philosoph Sadik al-Azm, einer der wichtigsten progressiven Denker der arabischen Welt, mahnte mehr Verständnis für die Hintergründe des Bürgerkriegs in seinem Heimatland an. Nach Ansicht des Islamwissenschaftlers Michael Lüders könnten die aggressiven fremdenfeindlichen Aktionen in Deutschland eine Gegenwehr der Flüchtlinge auslösen - bis hin zu einem "Zerfall der bürgerlichen Ordnung".

Unter dem Motto "Europa 21 - Denk-Raum für die Gesellschaft von morgen" gehen Autoren, Wissenschaftler und Experten bis zum Sonntag der Frage nach, wie angesichts der zunehmenden Zuwanderung das gesellschaftliche Zusammenleben künftig aussehen kann.

Das Thema Flucht bewegt auch den Kinderbuchmarkt: Mehrere der 30 im "Leipziger Lesekompass" ausgezeichneten Titel befassen sich mit diesem hochaktuellen Thema. "Wir wollen Lust auf Lesen machen - und zeigen, welche neuen Bücher es gibt, auch zu den Themen Integration, Inklusion, Migration und Miteinander leben", sagte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg F. Maas.

Schon zum Start des viertägigen Büchermarathons waren am Donnerstag Tausende Literaturfreunde auf das Messegelände geströmt. Der Frühjahrstreff der Buchbranche gilt als wichtige Plattform für Autoren, Verlage, Buchhändler und Literaturagenten. Mehr als 2200 Aussteller aus 42 Ländern stellen ihr neues Programm vor.

Anders als die Frankfurter Buchmesse ist der Branchentreff in Leipzig an allen Tagen auch für das allgemeine Publikum zugänglich. Zusammen mit dem begleitenden Lesefestival "Leipzig liest" rechnen die Veranstalter bis zum Sonntag mit rund 250 000 Besuchern.

dpa


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