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NORDISCHE NÄCHTESIND LANG: Bei einemMaskenspiel im Spiel wirdCarolin Haupt zumVulkan und Philippe Goosezum Skifahrer ...

NORDISCHE NÄCHTE
SIND LANG: Bei einem
Maskenspiel im Spiel wird
Carolin Haupt zum
Vulkan und Philippe Goose
zum Skifahrer ...© Katrin Ribbe

Theater

Lars-Ole Walburg inszeniert "Perplex"

Am Ende hat sich Lars-Ole Walburg abgeschafft. Seit Tagen schon habe der Regisseur sich nicht mehr blicken lassen, lamentieren sie auf der Cumberlandschen Bühne. Besonders trifft das Carolin, die Neue, die tatsächlich die Neue ist, nämlich Ensembleneuzugang Carolin Haupt. Ganz perplex gibt sie sich in diesem Stück von Marius von Mayenburg namens „Perplex“, das mit allem spielt, was Theater grundsätzlich so ausmacht.

Hannover. Und Janko, also Janko Kahle, klebt sich den Friedrich-Niet-zsche-Schnäuzer an und zitiert dessen großen „Gott ist tot“-Monolog aus der „Fröhlichen Wissenschaft“ (nur dass der Gott im Theater halt der Regisseur ist). Wer mag, erinnert sich: die Entwertung aller Werte, der Übermensch, der nur noch aus sich selbst schöpft, weil auf nichts sonst Verlass ist - „gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts?“ Bei Nietzsche entstand daraus nihilistische Not; hier wird ein großer Spaß daraus.

Schauspiel-Intendant Walburg, dessen virtuose Regie-Handschrift man eben doch sehr genau spürt, hetzt seine Figuren durch grandios turbulente Szenen. Die Figuren heißen prinzipiell so wie ihre Spieler. Bis auf die Neue, Carolin, die manchmal auch Anna heißt, weil die anderen sich ihren Namen noch nicht so gut merken können. Eine Tür ist dazu da, dass die Schauspieler - klipp, klapp - auch permanent durchgehen; wer einmal stirbt, steht beim nächsten Lichtwechsel wieder auf.

Nackig muss sich natürlich auch einer machen (Kahle, und das gleich zweimal). Man hält Monologe ins Publikum, obwohl man sich doch auf keine geeinigt hat, zieht die unsichtbare Mauer zum Publikum hoch und reißt sie wieder ein und bricht über kurz oder lang jede Abmachung, die gemeinhin zwischen Spielenden und Bespielten so vorherrscht. Natürlich erst, nachdem man sie - so viel Metaebene muss sein - erst einmal postuliert hat. Und natürlich wird am Ende auch die Bühne demontiert; das macht man heutzutage so.

Andreas Alexander Straßer hat einen Spießbürgertraum aus Ikea geschaffen. In grauenvollem Pastell (Kostüme: Tine Becker) tauchen hier Carolin und Philippe (Goose) auf, als Paar, das aus dem Urlaub zurückkehrt. Janko und Katja (Gaudard) stoßen dazu. Sie sollten doch nur die Blumen gießen; jetzt erklären sie die Wohnung zu ihrer eigenen. Was nach kurzem (und sehr komischem) Wortgeplänkel auch so akzeptiert wird.

Es ist die erste allgemeine Verunsicherung von vielen und die Methode des Abends: Eine Situation entsteht, obwohl manche der Spielenden noch in der letzten Szene stecken. Jeder Konsens über das Geschehen wird sofort wieder ad absurdum geführt. Aus einem Skiurlaub wird eine Nazi-Klamotte. Kostümfest (Motto: „Nordische Nächte“), eine schwule Romanze und der Hollywood-Thriller „Sieben“ schauen auch noch vorbei. Die Weltmaschine Theater wird zur Groteske.Was ist wahr? Was ist falsch? Und wen interessierts?

Nach alter Boulevardtheater- Regel verliebt man sich über Kreuz. Es gibt knutschende Elche und Evolutionstheorie, Rumhurerei und Höhlengleichnis, bissige Dialoge und kopflose Kalauer. Es ist ein großartiges Durcheinander. Man wusste von der schrillen Gaudard, dem immer etwas bärigen Kahle und dem frisch-fröhlich-freien Goose schon, was für tolle Komödianten sie sind. Haupt steht ihnen in nichts nach und zeigt perfektes Timing, große Körperkomik und famose Mimik.

Ein kluger Stoff mit Neigung zu Schindluder und Schabernack trifft auf eine fantastische Inszenierung, ein großartiges Ensemble und eine tolle Ausstattung. Hier passt (bis auf klitzkleine Längen zwischendurch) eigentlich alles. Und vielleicht ergibt es doch einen Sinn.HHHHH

3 Wieder am Mittwoch auf der Cumberlandschen Bühne.


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