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© Katrin Ribbe

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NP-Interview

Lars-Ole Walburg inszeniert "Perplex"

Ein Paar kehrt aus dem Urlaub zurück und stellt fest, dass ihre Wohnung von den Menschen gekapert wurde, die eigentlich nur die Blumen gießen sollten - das ist nur die erste von etlichen absonderlichen Szene in Marius von Mayenburgs Theaterstück „Perplex“. Schauspielintendant Lars-Ole Walburg inszeniert es in Cumberland.

Hannover. Marius von Mayenburg hat gerade an Ihrem Haus Shakespeares „was ihr wollt“ inszeniert. Sie nehmen sich nun ein fünf Jahre altes Stück von ihm vor. Wie kam es denn dazu?
Wir haben das Stück schon vor langem gelesen und immer wieder überlegt, es zu machen. Ich wollte außerdem gerne einen Mayenburg im Programm haben, nachdem er es aus zeitlichen Gründen nicht geschafft hat, ein neues Stück für uns zu schreiben. Und ich musste jetzt tatsächlich um „Perplex“ kämpfen - Tom Kühnel wollte es auch inszenieren.

Warum die kleine Bühne?
Weil es wirklich für die kleine Bühne geschrieben ist. Unser Bühnenbild sieht so aus, als hätte man ein Rechteck aus einer Ikea-Landschaft herausgeschnitten , eher karg möbliert. Wir haben ein Bild für eine durchschnittliche bürgerliche Einrichtung gesucht.

Und Bürgerlichkeit findet man heute bei Ikea?
Das ist auf jeden Fall ein Massenphänomen.

In dem Stück kreisen vier Personen umeinander ...
Das Geniale an dem Stück sind die permanenten Wandlungen. Zwei Paare treffen aufeinander und verwandeln sich im Laufe des Stückes genauso wie die sie umgebenden Situationen. Das erzeugt nicht nur Komik, sondern macht hoffentlich im Sinne des Stücktitels auch perplex. Wobei es schwer ist, jetzt, kurz vor der Premiere, darüber zu sprechen. Weil wir noch mitten in den Endproben sind und Komödien sich gerade am Ende durch große Widerspenstigkeit auszeichnen.

Wie haben Sie die Schauspieler ausgesucht?
Letztlich sucht man sich die Pärchen. An der Schaubühne stand zuerst die Besetzung fest, und das Stück wurde dann gemeinsam entwickelt, so dass Mayenburg ganz klar für bestimmte Spieler geschrieben hat. Man merkt die Eigenheiten der Spieler, und die habe ich auch gesucht. Außerdem braucht man gute Komödianten.

Es sind drei Ensemblemitglieder und ein Gast?
Ja, wobei Carolin Haupt ab 1. Januar fest bei uns engagiert ist. Wir wollen uns ohnehin personell verstärken und werden das auch noch an anderer Stelle tun.

Gab es die Idee, das Stück mit den hiesigen Schauspielern weiterzuentwickeln?
Nein. An einer Stelle merkt man ein bisschen das Verfallsdatum des Stückes; da hört man den Irakkrieg heraus. Da habe ich kurz überlegt, ob ich Marius bitte, das umzuschreiben. Wir haben uns aber dagegen entschieden.

Was hat Sie an „Perplex“ mehr gereizt: der Umgang mit dem Bürgerlichen oder das Spiel mit dem Spiel?
Eindeutig letzteres. Interessant ist doch die Frage, was Realität ist. Im Internet gibt es unzählige Blogs, in denen Menschen über ihre Zweifel schreiben, ob das Leben um sie herum eigentlich real ist. Scheint mir ein zunehmendes Zeitphänomen zu sein.

Das „Matrix“-Phänomen?
Genau, den Film habe ich mir auch nochmal angeschaut. Das Faszinierende am Theater ist doch, dass wir jede Realität erschaffen können - und durch eine andere Setzung auch wieder negieren. In „Perplex“ landen wir zum Schluss direkt im Theater. Die Spieler hier imaginieren Welten, um dann zu vergessen, dass sie diese nur imaginieren.

Bringen Sie sich selber mit hinein?
Nein, ich bin zwar hereingeschrieben, „in Abwesenheit eines Regisseurs“. Das finde ich aber jetzt zum Ende der Proben fast ein wenig beleidigend (lacht).

Ist es eigentlich ratsam, ein solches Stück zu machen, wenn das Publikum sich schon ein wenig an die Akteure gewöhnt hat, also vielleicht nicht unbedingt zu Beginn einer Intendanz?
Interessant in Hannover ist, dass sich die Zuschauer vor allem für die Schauspieler interessieren und weniger für die Regisseure. Mit Katja Gaudard, Janko Kahle und Philippe Goos habe ich drei absolute Sympathieträger dabei. Das gibt hoffentlich einen Schub für Neugier und Interesse.


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