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RAN AN DIE KLAMPFE: Heinz Rudolf Kunze begeisterte sein Publikum im Capitol mit seiner großen musikalischen Bandbreite.© Behrens

Konzert

Kunze schrabbelt den Rock’n’Roll

Heinz Rudolf Kunze mag ein gebürtiger Ostwestfale sein, denn dort verbrachte er seine Jugendzeit. Doch die 1000 Zuschauer im somit prächtig gefüllten Capitol empfangen ihn wie einen zünftigen Hannoveraner - mit euphorischem Applaus. Das erwidert er mit einem knappen, trockenen „Tach!“ und einer schrabbeligen Blues-Gitarre.

Hannover. Wie so oft hat er sich einen flotten Singer-Songwriter-Schal umgeworfen, die Brille sitzt, die Stimme stimmt, etwas knarzig, aber klar, mal Sprechgesang, dann Melodie. Viele seiner Fans nennen ihn einen „Rock-Poeten“. Das ist nicht falsch, Kunze beherrscht die rockige wie flockige Gangart. Seine vierköpfige Band nennt er „Verstärkung“, und dabei liegt der Wortwitz, typisch Kunze, nicht nur in der Mehrzahl, sondern beweist, dass er auch mal laut wird und dass die Rockgitarre genug Raum auf den Bühnenbrettern des Capitols findet wird.

Und diese Verstärkung macht ihrem Namen alle Ehre: Leo Schmidthals zupft kongenial am Bass und bearbeitet die Arrangements, Jens Carstens glänzt am Schlagzeug, Matthias Ulmer sorgt mit seinen Keyboards für die richtige Atmosphäre, und Peter Koobs ist der Hecht an der E-Gitarre.

Souverän sind sie, sanft und balladesk, wenn nötig, laut und kräftig, wenn gefragt. Aber Kunze kann auch anders. Aufrichtige Liedermacher-Nummern, wie sein „Elixier“ und „Leg nicht auf“, spielt er in einem Akustik-Block, da genügt er sich dann fast allein. Gitarre, eine sehr zurückhaltende Begleitung, Stimme und die Geschichte, das reicht ihm und auch dem Publikum.

Sein Vortrag hat Witz und Charme, er kann aber auch ungemütlich und rau. Im pazifistischen Spottgedicht „Jeder bete für sich allein“ wirkt er traurig und doch rebellisch, er scheut nicht die Auseinandersetzung, auch nicht mit der deutschen Geschichte: Im funkig-groovigen Titelsong des aktuellen „Deutschland“-Albums singt der rockende Dichter und Denker „Deutschland, Deutschland, nervöses Reich der Mitte“, weiß aber auch: „Doch reich ist Deutschland trotzdem sehr.“

Der eingedeutschte Kinks-Klassiker „Lola“ der Davies-Brüder, seiner wohl größten musikalischen Vorbilder, hat auch dank ihm einen Evergreen-Charakter bekommen. Trotzdem, sein aktuelles Tribute-Album „Meisterwerke: Verbeugungen“ lässt er gar links liegen. Bei den Popsongs wie dem neueren „Setz dich her“ oder „Du bist nicht allein“ verzeiht und vergibt er. Aus dem gut zweieinhalbstündigen Programm stechen Rocktitel wie „Jetzt erst recht“, oder die Zugabe „Wenn Du Nicht Wiederkommst“ heraus.

Die bekanntesten Gassenhauer wie „Mit Leib und Seele“, „Finden Sie Mable“ und natürlich das notorische „Dein ist mein ganzes Herz“ fallen auf offene Ohren. Großer Jubel, denn nicht nur bei Kunzes Hits klatscht das Publikum begeistert.

Bewertung: 4/5

VON KAI SCHIERING


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