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HOCH HINAUS: Im Kunstverein wirken Raum, Licht, Leitern und schwarze Latex-Figuren. Eröffnung ist heute ab 20 Uhr. © Tim Schaarschmidt

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Ausstellung

Kunstverein zeigt "Stretch" von Alexandra Bircken

Hier muss man überhaupt aufpassen, dass man nicht über die aufdringlichen Kunstwerke stolpert, die im gesamten Kunstverein den Boden abtasten, kleine, flache Roboter mit Kameras auf dem Rücken, die frei herumrollen und den Besucher erst bemerken, wenn sie ihn vergleichsweise sanft berühren.

Hannover. Die Dinger gehören in die Ausstellung „Stretch“ der international gefeierten Mode-Künstlerin Alexandra Bircken, die mit Skulpturen, Textilien und Installationen ein teilweise verblüffendes Universum eingerichtet hat (bis 27. November). Es gibt natürlich Mode - die allerdings je nach Blickwinkel ziemlich bis absolut untragbar ist, Kleidung aus Latex, Nylon, Leder, Motorradjacken, Gummi, Plastik, Wolle, Echthaar. Und es geht immer um Körperlichkeit, die Haut, den Menschen und Maschinen. Letztere sind in mächtiger Präsenz vertreten, in Form von umoperierten Motorrädern, die gerade dadurch, dass sie nicht mehr funktionstüchtig sind, umso kraftvoller inszeniert werden konnten. „Motorräder sind Waffen“, so die Künstlerin.

Maschinen gibt es in Form von Maschinenpistolen und dicken, tiefschwarzen Bomben - unter dem Titel „B.U.F.F.“ eine Hommage an den US-Superbomber B-52, wie es Alexandra Bircken verstanden wissen will. Und die dann ganz friedlich wirken, wenn man sich ihnen annähert. Die rundlichen Monster sind mit lederartigem Latex überzogen und wirken überraschend gemütlich.

Näher kommen sollte man bei allen Werken, damit man den recht radikalen Materialmix ausreichend würdigen kann. Wie in einer Modenschau ist ihre „New Model Army“ aufgereiht, Schaufensterpuppen, die Kleidung aus Nylonstrumpfmaterial, Nappaleder von Biker-Klamotten und orthopädische anmutende Teile tragen - das alles wirkt ebenso schützend wie verletzlich und sogar in Maßen tragbar.

Was man für die größte Arbeit im Kunstverein nicht sagen kann, die aus 20 männlichen und 20 weiblichen Latex-Figuren besteht. Für „Eskalation II“ wurden sogar die gläserne Decke im längsten Raum geöffnet, Leitern aufgestellt und die menschlichen Gebilde so drapiert, dass sie wie leere Schlangenhäute von oben herabhängen und schemenhaft auf den Glasflächen liegen. Die Aussage ist ebenso einfach wie verblüffend: „Wir wollen nach oben. Da wollen wir alle irgendwie hin - und sind dann gestretcht“, so Alexandra Bircken.

Aus einer früheren Phase stammt „Püppi auf Abwegen“, hier wollte Bircken radikal sein und war es umso weniger - die Skulptur besteht aus Mörtel, Stofftier, Nutella, Gießharz. Nadelkissen, Brötchen und Kehrschaufel. Dann doch lieber den „offenen Schritt“, der zart eckig ist und aus Leder und einem anatomischen Modell geformt wurde. Und in jeder Hinsicht annehmbar sind „Mercedes und ihre Schwestern“, kleine, nonnenartige Gebilde, deren Köpfe aus Schaltknüppeln der gleichnamigen Automarke gebildet sind, Mode im Kleinen, die das Zeug zu Größerem hat.

Bewertung: 4/5


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