Navigation:
Georg Baselitz vor seinen Bildern «Orangenesser».

Georg Baselitz vor seinen Bildern «Orangenesser». © Frank Leonhardt

Kunst

Kunst auf dem Kopf: Georg Baselitz wird 75

Seine Bilder stehen Kopf. Die mit grobem Pinselstrich hingeworfenen Figuren scheinen an den Füßen aufgehängt, die Landschaften aus der Schwerkraft entlassen. Mit seinen um 180 Grad gedrehten Motiven ist Georg Baselitz weltberühmt geworden.

Berlin/Inning. Er gilt als der wohl wichtigste deutsche Nachkriegskünstler. Sammler zahlen Millionenbeträge für seine Werke. Dennoch ist er seinem Ruf als raubeiniger Provokateur der Kunstszene immer treu geblieben. Am Mittwoch (23. Januar) wird der in der DDR geborene und heute am Ammersee lebende Maler 75 Jahre alt.

Schon mit seiner ersten Ausstellung 1963 in der Berliner Galerie Werner & Katz sorgte Baselitz für einen handfesten Eklat: Die Ölbilder "Nackter Mann" (mit einem überdimensionalen Penis) und "Die große Nacht im Eimer" (mit einem onanierenden Jungen) riefen im prüden Westberlin die Sittenwächter auf den Plan. Die Gemälde wurden beschlagnahmt, ein Gerichtsverfahren erst Monate später eingestellt.

Unter dem programmatischen Titel "Der Wald auf dem Kopf" entstand 1969 das erste "Umkehrbild". "Ich wollte das Bild aus der fatalen Abhängigkeit zur Wirklichkeit wegbringen", erklärte Baselitz. Die Malerei an sich sollte in den Blickpunkt rücken, unabhängig vom Motiv. Auch wenn Kritiker gelegentlich von einer Masche sprachen und inzwischen viele Bilder wieder Boden unter den Füßen haben - der Kopfstand ist bis heute Baselitz' Markenzeichen.

Entschieden suchte er dabei einen eigenen Weg zwischen dem Realismus der DDR-Maler und dem abstrakten Expressionismus, der unter amerikanischem Einfluss die Kunst im Westen bestimmte. Seine erklärten Vorbilder waren die expressionistischen Brücke-Maler und der stärker zum Impressionismus gerechnete Maler Lovis Corinth. Sein Bild "Nachtessen in Dresden" (1983) ist eine ausdrückliche Hommage an die geistigen Väter.

Die Staatskünstler in seiner einstigen Heimat DDR bezeichnete Baselitz gern mal als "Arschlöcher" - so, wie er auch sonst kaum ein Blatt vor den Mund nimmt. 1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren (was ihn später zu seinem Künstlernamen inspirierte), war der Lehrersohn bald mit dem sozialistischen Obrigkeitsstaat aneinandergeraten.

Nach zwei Semestern musste er das Kunststudium in Ost-Berlin wegen "gesellschaftlicher Unreife" aufgeben. 1958 verließ er die DDR und übersiedelte in den Westteil der Stadt. Sein späterer Zyklus "Russenbilder" (1998-2005) mit verfremdeten DDR-Propagandabildern ist eine Auseinandersetzung mit dieser Entscheidung.

Von Anfang an widmete sich der Künstler neben der Malerei auch der grafischen und zeichnerischen Arbeit. Ende der 70er Jahre begann er mit kantig gesägten Holzskulpturen, die in ihrer archaischen Form gelegentlich an afrikanische Kunst erinnern. Seit einigen Jahren setzt er sich auch mit dem eigenen Werk nochmals auseinander: Unter dem Titel "Remix" interpretiert er - oft in überraschend hellen, aquarellartigen Tönen - frühere Bilder neu.

Heute lebt Baselitz in einem von den Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron geschaffenen Anwesen in Inning am Ammersee, einige Monate im Jahr arbeitet er in seinem Atelier an der italienischen Riviera. Seit über 50 Jahren ist er mit seiner Frau Elke verheiratet, die beiden Söhne Daniel Blau und Anton Kern sind erfolgreiche Galeristen in München und New York.

Mit Interviews zu seinem 75. Geburtstag ist der Starkünstler sparsam - "wegen Arbeitsüberlastung", wie er ausrichten lässt. Dem Nachrichtenmagazin "Focus" verriet er jedoch kürzlich, er arbeite derzeit an schwarzen Bildern. "Ich träume davon, ein Bild unsichtbar zu malen."

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Finden Sie, dass es im Stadion Bereiche geben soll, in denen Pyro erlaubt ist?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie