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Karin Slaughter trägt keinen Künstlernamen. Foto: Fritz Schumann

Karin Slaughter trägt keinen Künstlernamen. Foto: Fritz Schumann

Literatur

Krimi-Autorin Karin Slaughter: "Ich liebe meinen Job"

Seit mehr als einem Jahrzehnt veröffentlicht Karin Slaughter erfolgreich Krimis. Mit "Cop Town" und "Pretty Girls" erscheinen jetzt gleich zwei neue Bücher der Autorin auf Deutsch - in "Pretty Girls" erzählt Slaughter erstmals aus dem Blickwinkel der Opfer.

New York. Die Krimis von Karin Slaughter gelten als besonders blutig, brutal, detailliert - und erfolgreich. Sie verkaufen sich weltweit millionenfach und wurden bereits in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

In ihrem neuen Buch "Pretty Girls" erzählt die Schriftstellerin erstmals aus dem Blickwinkel der Opfer. Es geht um eine junge Frau, die dem Doppelleben ihres Mannes auf die Spur kommt. Slaughters Nachname, der auf Deutsch "Schlachten" bedeutet, sei kein Künstlername, betont die 44-Jährige aus dem US-Bundesstaat Georgia - aber er helfe sicher manchmal beim Marketing.

Frage: Woher bekommen Sie die Inspiration für Ihre Geschichten?

Antwort: Bei den meisten Büchern habe ich keine Ahnung, woher die Inspiration kommt. Grundsätzlich ist es ein "Was, wenn"-Moment. Was, wenn (mein Ermittler) Will Trent beauftragt wäre, in diesem Verbrechen zu ermitteln? Es inspiriert mich, Antworten auf diese "Was, wenn-Fragen" zu finden. Obwohl ich Zugang zu wahren Kriminalfällen habe, übernehme ich sie nie in Gänze für ein Buch. Ich rufe mir immer in Erinnerung, dass diese Verbrechen an realen Personen verübt wurden. Diese Tatsache muss ich respektieren, nicht ausbeuten. Also nehme ich Bruchstücke und Details von verschiedenen Fällen und mische sie zusammen. Es gibt nichts, was sich ein Autor ausdenken könnte, das nicht bereits im echten Leben passiert ist - normalerweise nur noch entsetzlicher.

Frage: Wie haben Sie für "Pretty Girls" recherchiert?

Antwort: Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich mit Agenten, Wissenschaftlern, Ärzten und Technikern vom Georgia Bureau of Investigation in Kontakt stehe. Sie haben mir bereitwillig die korrekten Abläufe erklärt, vermutlich, weil es etwas bitter für sie ist, dass man immer denkt, dass eine DNA jedes Verbrechen aufklären kann und am Tatort immer ein Beweis hinterlassen wird. Tatsächlich ist das nicht so. Ich war überrascht zu hören, dass Einbruch das Verbrechen ist, das am häufigsten über die DNA aufgeklärt wird. Weil Einbrecher so dumm sind, deine Milch im Haus zu trinken, deinen Lippenbalsam zu benutzen und so ihre DNA hinterlassen. Ich habe auch Kontakt zu einem Notarzt in Texas, der sehr viel über Medizin weiß, er ist ein wunderbarer Lehrer.

Frage: Wie sind Sie zur Krimi-Autorin geworden?

Antwort: Als ich klein war, sind in meiner Umgebung in Georgia viele Kriminalfälle und Kapitalverbrechen passiert. Das ging dann soweit, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr auf die Straße gelassen haben. Die Hintergründe von all dem haben mich schon immer fasziniert.

Frage: Wie können Sie nach einem Tag, an dem Sie von Morden und anderen Brutalitäten geschrieben haben, wieder abschalten?

Antwort: Für das Schreiben ziehe ich mich meistens in ein Haus im Norden Georgias zurück und schreibe dann ein ganzes Buch am Stück, jeden Tag, den ganzen Tag lang. Das ist das, was mir wirklich Spaß macht, das eigentliche Schreiben. Dann bin ich ganz tief drin, aber wenn ich eine Schreibsitzung beendet habe, ist es nicht besonders schwierig, wieder mein Jeden-Tag-Ich zu sein, das ein ganz normales Leben führt - einkaufen gehen, mit den Katzen spielen, lesen. Klar, die Geschichten bleiben trotzdem in meinem Kopf, aber ich kann es mit einem Chirurgen vergleichen: Er steckt mit den Händen tief im Inneren des Patienten, und danach geht er nach Hause und unterhält sich mit seiner Frau darüber, welche Stauden sie im Frühjahr pflanzen. Schreiben ist mein Job. Es ist ein Job, den ich liebe und den ich bis in alle Ewigkeit machen möchte, aber es ist und bleibt ein Job.

Frage: Warum sind die Menschen auf der ganzen Welt von Krimis und Thrillern so fasziniert?

Antwort: Ich glaube, dass es dafür zwei Gründe gibt. Zum einen sind Thrillerautoren sehr gut darin, Geschichten zu erzählen. Am Anfang muss etwas geschehen, und am Ende muss es eine vernünftige Auflösung geben. Das klingt nicht überraschend, aber wenn man viele Bücher liest, die keine Thriller sind, wird man verstehen, was ich meine. Der zweite Grund ist, dass ein Thriller häufig ein Teil einer Serie ist, und dadurch bekommen Leser das Gefühl, dass sie tief in die Leben der Protagonisten eintauchen. Frage: Viele Menschen denken, Ihr Nachname sei ein für eine Krimiautorin passendes Pseudonym - es ist aber Ihr richtiger Name, stimmt's?

Antwort: Ja, genau. Mir war auch irgendwie nie aufgefallen, dass es da irgendeine Verbindung geben könnte. Aber dann fuhr ich einmal in London U-Bahn und sah ein Werbeplakat, auf dem Slaughter in riesigen Buchstaben stand - und ganz klein daneben Karin. Da fiel mir auf, dass das für Marketingzwecke wohl gar nicht schlecht ist, allerdings ja auch nur im englischsprachigen Teil der Welt.

ZUR PERSON: Karin Slaughter wurde 1971 in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Georgia geboren. Mehrere Jahre lang gehörte ihr eine Werbeagentur, bevor 2001 ihr erster Krimi veröffentlicht wurde. Inzwischen werden ihre Bücher in mehr als 30 Sprachen übersetzt und verkaufen sich millionenfach.

dpa


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