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NICHT TÄUSCHEN LASSEN: Simon (links) und Jan sehen harmloser aus, als sie sind.© Simon

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Kabarett

KleinkunstpreisAnwärter Simon & Jan im Apollo

Zum Ende singen alle zusammen Deichkind: „Yippie Yippie Yeah, Yippie Yeah, Krawall und Remmidemmi.“ Das aber zu sanft gezupften Gitarren, fast flüsternd, das Gegenteil von Radau, aber innig. Bei hannoverschem Publikum, das, mit Newcomern konfrontiert, eher zurückhaltend reagiert, grenzt das schon an Euphorie, was da beim Auftritt von Simon & Jan im Apollo passiert.

Hannover. Und das gesamte Bild wiederum ist in seiner freundlichen Perfidie ein hübsches Bild für den gesamten Abend. Nächsten Monat erhalten die beiden Mittdreißiger aus Oldenburg in Mainz den Förderpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis; die Jury lobt sie als „leise, hinterhältig, hintergründig und manchmal böse“. Sie bewegen sich mit feinsinnigen Texten und feinem Gitarrenspiel an der Grenze zwischen Liedermachertum und Musikkabarett. In Desimos Spezial-Club in dem ausverkauften Lindener Hinterhof-Kino geben sie ihr Programm „Ach Mensch“.

Das klingt auch erst einmal ganz freundlich, entpuppt sich aber als brettharte Abrechnung mit dem groben Unfug, den man im Namen irgendeines Gottes anstellen kann; in Passau neulich sei das gar nicht gut angekommen, erzählt Jan. In Hannover lässt man sich vor allem von der Musik begeistern: ein Gesamtkunstwerk aus gestrichenen und gezupften Saiten, Harmoniegesang und Loop-Station.

Optisch kommen Simon Eickhoff und Jan Traphan - so heißen sie vollständig - beinahe wie Karikaturen daher: Simon als Typ Hanfplantage, Jan wie ein angehender Theologe, 30. Semester. In Wahrheit haben beide ihr Lehramtsstudium geschmissen. Jan moderiert leise und lässt die Augenbrauen Cancan tanzen; Simon nickt dazu lakonisch.

Sie besingen Mozart als „Wunderkind Wolfgang (4)“ und ehren dichte Dichter mit Rilke-Rezitaten, sie covern Rainald Grebe („Kassettenrecorder“ und „Schönes neues Jahr“) und bieten geniale Schüttelreime („Du bist Buddhist“), besingen kotzende Karnickel bei Facebook und ihre eigene zotige Recherche („Titten und Ärsche“), schmähen Kanzler („Schröder und Merkel, aus Raider wurde Twix“) und beschwören die Apokalypse, ganz ernsthaft: „Hallo Sterne, hallo Weltraum, ihr da oben auf der Mir, bitte kann ich zu euch hochkomm’? Ach, ich kann doch nichts dafür.“ Klare Sache: Für die beiden kann es nur nach oben gehen.

Bewertung: 5/5


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