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Kirill Petrenko soll der Nachfolger von Simon Rattle werden.

Kirill Petrenko soll der Nachfolger von Simon Rattle werden. © Victoria Bonn-Meuser

Musik

Kirill Petrenko wird Philharmoniker-Chef

Beim ersten Mal waren es fast zwölf Stunden, jetzt ging die Abstimmung an einem Vormittag über die Bühne: Beim zweiten Versuch, einen neuen Chefdirigenten zu wählen, waren sich die Berliner Philharmoniker relativ schnell einig.

Berlin. Mit der Entscheidung für Kirill Petrenko (43) als Nachfolger von Simon Rattle (60) hat Deutschlands Vorzeige-Orchester eine mutige Entscheidung getroffen. Nach einem britischen Sonnyboy soll nun ein eher zurückhaltender Maestro eine der begehrtesten Positionen der Klassikwelt ausfüllen.

Mit großer Mehrheit votierten die Musiker für den Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München. Orchestervorstand Peter Riegelbauer verkündete die Nachricht vor Dutzenden eilig einberufenen Journalisten und Kamerateams am Montag im Foyer der Philharmonie. Vergessen schien das Gezerre, das die Philharmoniker noch im Mai stundenlang hinter verschlossenen Türen gehalten hatte.

Nach der Klausur damals wurde klar: Weder Christian Thielemann noch Andris Nelsons, weder Gustavo Dudamel noch Yannick Nézet-Séguin hatten eine Mehrheit unter den 129 Musikern. Auch kein anderer Pultstar war Konsens. Jedenfalls vertagte das dividierte Orchester die Entscheidung - und wollte sich bis zu einem Jahr Zeit lassen. Und dann kam nun die Überraschung.

Was sich sei dem 11. Mai geändert hat - darüber schwieg sich das Orchester am Montag beharrlich aus. Die Philharmoniker behandeln die Suche nach einem Chefdirigenten wie der Vatikan die Papstwahl. Dem Orchestervorstand und dem Intendanten Martin Hoffmann dürfte schnell klar geworden sein, dass sie einen neuen Chef schnell verkünden mussten, um den Ruf des Weltklasse-Ensembles nicht weiter zu beschädigen und Spitzen-Dirigenten nicht zu vergrätzen. Man gehe davon aus, dass das Verhältnis unbeschädigt sei, versicherte Riegelbauer.

Der medienscheue Petrenko, von dem es kaum CDs oder Interviews gibt, hat sie alle ausgestochen: Thielemann, der in Teilen des Orchesters große Sympathien genießt, und Nelsons, der nach einem Auftritt kurz vor der Wahl für Furore sorgte. Auch Dudamel kam nicht zum Zug, der zwar jüngst in Los Angeles seinen Vertrag verlängerte, aber dessen jüngste Aufführung von Gustav Mahlers erster Sinfonie mit den Philharmonikern als Sensation des Jahres gefeiert wurde.

Doch Petrenko hat die Orchestermusiker von Anfang an für sich eingenommen, obwohl er es bisher nur drei Mal dirigiert hat. Darunter waren Bach, Bartok, Elgar, Skrjabin - mit Ausnahme von Beethoven war jedoch keiner der großen Komponisten dabei, dessen Werke zum Markenkern der Philharmoniker gehören. Eine rätselhafte Konzertabsage im Dezember schien das Orchester ihm ebenfalls nicht übel zu nehmen.

Und Petrenko hat sich bisher vor allem in der Oper einen Namen gemacht, zur Zeit probt er bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth den "Ring des Nibelungen". Aber nach seinem Berliner Debüt 2006 konnten es die Philharmoniker nicht mehr abwarten, wieder für ihn zu spielen.

"Es war damals nicht die Frage, ob wir ihn wieder einladen, sondern nur wann", sagte Orchestervorstand Ulrich Knörzer. Jetzt wollen die Philharmoniker ihn ganz haben - ab wann ist noch offen. Denn aus München kamen indes erste schräge Töne. Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper, und Kunstminister Ludwig Spaenle erklärten, dass sie Petrenko eine Vertragsverlängerung über 2018 hinaus angeboten hätten. Darüber werde zur Zeit verhandelt.

dpa


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