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NP-Interview

Kiki Sauer über 20 Jahre mit den 17 Hippies

Sie machten schon Weltmusik, als den Begriff kaum jemand kannte, nämlich seit 1995. Kurz nach ihrem 20-jährigen Jubiläum kommen die 17 Hippies aus Berlin nun auf Tour, im Gepäck das Best-of-Album „Anatomy“. Die NP sprach dazu mit Kiki Sauer (50), Gründungsmitglied, Sängerin, Akkordeonistin und Managerin des 13-köpfigen Musikerkollektivs.

Hannover. Mein Erstkontakt mit den 17 Hippies war vor vielen, vielen Jahren, nämlich Ende der 90er, bei einem Konzert in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg in Berlin ...
Ja, sehen Sie, da sitze ich auch gerade. Denn wir haben hier unser Büro, mit Proberaum und kleinem Studio, sehr gemütlich. Vorne wird gerade gekocht, während ich hier hinten telefoniere. Im Kesselhaus hier spielen wir immer noch. Sonst hat sich hier alles verändert, ein Paradebeispiel für Gentrifizierung. 80 Prozent der Bevölkerung hat sich ausgetauscht. Wir können noch bleiben, was wohl daran liegt, dass das Gelände Kulturbrauerei heißt, es außer uns aber nicht mehr viel Kultur hier gibt.

Und in ihrem „kleinen Studio“ nehmen Sie auch auf? Passen da überhaupt alle Hippies rein?
Die Aufnahmetechniken haben sich doch sehr geändert. Wenn draußen nicht viel los ist, kann man hier wunderbar aufnehmen. Es laufen heute ja keine großen Bänder mehr an der Wand.

Nicht das Einzige, was sich in den vergangenen 20 Jahren geändert hat ... Ihr erstes Album haben Sie noch auf Kassette veröffentlicht.
Aber nicht nur. CDs gab es schließlich schon. Als wir anfingen, ging es ja auch mit dem Internet los. Da haben wir noch darüber diskutiert, ob wir uns eine Domain holen; ich wusste anfangs gar nicht, wovon die anderen reden ... Das Internet hat die Kommunikation natürlich total verändert, aber Ende der 90er war das einfach noch nicht so weit. Es hat auch die Promotion geändert: Damals haben wir in die Stadt hineingerufen, dass wir spielen, und es kamen 1000 Leute. Heute muss man zusehen, dass man in dem Wust an Informationen überhaupt noch gehört wird. Ich glaube nach wie vor, dass man Menschen anders an sich bindet als über Social Media.

Nämlich?
Die Menschen möchten von sich aus entdecken. Der Mensch ist doch immer noch Jäger und Sammler. Der möchte Musik nicht vorgespielt bekommen. Der will sagen können: „Ich habe euch für mich entdeckt, ganz alleine!“

Wie hat sich für die Band die Art des Musizierens verändert?
So sehr gehen wir gar nicht mit dem Klang der Zeit. Ich glaube, wir machen eine auf gewisse Weise auch archaische Musik, insofern, dass wir ein Instrument nehmen und dessen Klang wirken lassen - das aber teils mit 20 Instrumenten auf einmal, im Zusammenspiel. Das ist wie ein Gericht, das durch das Zusammenwirken der Zutaten einen ganz eigenen Geschmack bekommt.

Haben Sie in letzter Zeit viel gekocht?
Warum?

Das letzte Mal, als wir miteinander sprachen, verglichen Sie den Hippies-Klang noch mit einem Regenwald, in dem alles durcheinander wächst und ein Gesamtbild ergibt. Jetzt nutzen Sie einen Koch-Vergleich.
Was beides verbindet, ist das Sinnliche. Es geht immer darum, die Sinne zu berühren, damit es bei demjenigen, der es wahrnimmt, die Frage aufkommt: „Was ist denn da alles drin?“ Das ist zumindest meine Meinung; davon gibt es bei uns natürlich immer 13. Mich hält diese Tatsache, dass wir die Menschen berühren, bei der Band - ob das nun durch die Musik, unser Auftreten oder die Texte geschieht. Wir arbeiten zum Beispiel auch seit zwei Alben mit einem Künstler zusammen, der unser ganzes Werk auf seine Art bildlich verarbeitet. Da gibt es auch für uns viel zu entdecken.

Zum Beispiel?
Das Cover unseres neuen Albums ziert ein Kopf. Wir haben gefragt: „Warum nur ein Kopf?“ Und er hat gesagt: „Weil ihr als Band nur ein Kopf seid - da sind unterschiedliche Sachen drin, aber es gibt eben auch viele Schnittmengen.“ Da sieht man sich als Band auch ganz anders, als Einheit, auch wenn wir alle unglaublich starke Charaktere sind.

Eine vielköpfige Einheit.
Ja. Die Meinungen gehen auch so sehr anders. Nach einem Konzert kann es zum Beispiel passieren, dass einer sagt: „Boah, waren wir schlecht! Wir müssten den Leuten eigentlich ihr Geld zurückgeben.“ Und ein anderer sagt: „Bestes Konzert ever!!!“

Wie wichtig ist Veränderung? Auf diesem Doppelalbum haben ja nicht nur andere Künstler Ihre Musik neu interpretiert, auch Sie haben neue Versionen eingespielt.
Veränderung finde ich essenziell. Stillstand bedeutet den Tod. Wir haben die Arbeit an dem Album auch genutzt, auch noch einmal zu gucken, was es gab an alten Bändern, die in Schubladen verschwunden waren. Veränderung ist anstrengend. Aber so ist es nun einmal: Ein Kunststück ist immer anstrengend.

Wie geht es weiter?
Sie meinen: die nächsten 20 Jahre? Diese Zahl finde ich total überbewertet.

Ich hatte mich auch gewundert: Eine Band, die sich 17 Hippies nennt, aber nie aus 17 Personen bestand, legt plötzlich Wert auf so eine glatte Zahl - spießig.
Auf das 17-Jährige hat uns vor drei Jahren mal das Publikum gebracht: „Hey, ihr werdet jetzt 17!“ Und wir: „Achso, ja.“ Die haben sogar noch eine Frau aus einem Karton springen lassen; eine Konfettikanone gab es auch. Sehr lustig war das. Was ich schön finde, ist, so eine lange Zeit auch einfach mal im Rückblick auf sich wirken zu lassen. Wir sind ja nicht nur älter geworden, wir sind auch auf eine Weise zusammengewachsen, die uns kein Mensch mehr nehmen kann. Darauf sind wir wahnsinnig stolz. Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Band.

17 Hippies: „Anatomy/Metamorphosis“ (17 Hippies/Soulfood).

Am 11. Februar spielen die 17 Hippies im Pavillon. Karten kosten 22,70 Euro.


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